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Ein Paketbote soll im Mai vergangenen Jahres in Weil der Stadt versucht haben, einen Radfahrer mit mehreren Messerstichen zu töten. Das urteilte das Landgericht Stuttgart.

Mit den Worten „Ich stech' dich ab“ oder „Ich bring' dich um“ soll ein damals 20 Jahre alter Paketbote einen Radfahrer attackiert haben. Dann stach er mehrfach mit dem Messer zu. Das Landgericht Stuttgart verurteilte ihn jetzt wegen dieser Tat im Mai 2019 in Weil der Stadt im Kreis Böblingen. Das Urteil: versuchter Mord.

Paketbote holte das Messer aus dem Lieferwagen

Der Radfahrer hatte sich laut eigener Aussage vor Gericht von einem Überholmanöver des heute 21-jährigen Paketboten in dessen Lieferwagen gefährdet gefühlt. An einer roten Ampel stellte er ihn darum zur Rede – es entwickelte sich ein Streit.

Nach Aussage der Richterin beendete der Radfahrer den Streit mit einer „abwinkenden Handbewegung“. Als er weiterfahren wollte, verfolgte ihn der Paketbote dem Gericht zufolge und rammte den Radfahrer von hinten. Er fiel zu Boden, der Paketbote stoppte seinen Lieferwagen, stieg aus und stach laut Urteil mehrfach mit einem Messer zu.

Vor Gericht hatte der Lieferwagenfahrer gesagt, er habe das Opfer nur schlagen wollen. Das Messer sei dann mehr oder weniger zufällig ins Spiel gekommen. Laut Gericht holte er das neun Zentimeter lange Messer aus dem Wagen.

„Sie waren gekränkt. Dann haben Sie beschlossen, es ihm zu zeigen. Sie wollten ihn bestrafen.“

Richterin am Landgericht Stuttgart

Vom leidenschaftlichen Radler zum psychisch beeinträchtigten Opfer

Der Richterin zufolge ging ein „kräftiger und mutiger Mann“ bald darauf dazwischen – und verhinderte so möglicherweise Schlimmeres. Der 39-Jährige Radfahrer wurde im Krankenhaus operiert. Laut Gericht ist er körperlich zwar gesund, psychisch aber bis heute stark beeinträchtigt.

Er soll vor der Tat leidenschaftlich gerne Fahrrad gefahren sein. Laut Gericht nahm er an Rennen teil, besaß mehrere Fahrräder. Die habe er nun alle verkauft. „Er sagt, er steigt auf kein Fahrrad mehr“, sagte die Richterin. „Diese Freude ist ihm genommen worden.“

Schmerzensgeld, vier Jahre Führerscheinentzug, fünf Jahre Haft

18.000 Euro Schmerzensgeld muss ihm der Verurteilte zahlen. Außerdem wird ihm für vier Jahre der Führerschein genommen. Wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu fünf Jahren Jugendstrafe. Diese wandte das Gericht wegen festgestellter Reifeverzögerung an. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten das auch gefordert.

Autor
SWR3