Autor
Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Viele erwarten den heutigen Tag schon lange: Jetzt ist das Urteil im Fall Mia von Kandel gefallen. Der angeklagte Ex-Freund des Mädchens bekommt eine mehrjährige Haftstrafe. Dabei hätte die Strafe für ihn härter ausfallen können.

Urteil: acht Jahre und sechs Monate Haft

Im Fall des tödlichen Messerangriffs auf eine 15-jährige Jugendliche in Kandel hat das Landgericht Landau den Ex-Freund des Mädchens zu acht Jahren und sechs Monaten Haft
verurteilt – wegen Mordes und Körperverletzung, wie das Gericht mitteilte. Sein Verteidiger soll mittlerweile gesagt haben, dass sein Mandant das Urteil annehme und auf Rechtsmittel zu verzichten.

Der vermutlich aus Afghanistan stammende Abdul D., der Ex-Freund des Opfers, soll Mia kurz nach Weihnachten 2017 in einem Drogeriemarkt der kleinen Stadt aus Eifersucht erstochen haben.

Er hätte sogar bis zu 15 Jahre Haft bekommen können

Da der Beschuldigte zur Tatzeit möglicherweise minderjährig war, war die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen. Auch das Urteil war hinter verschlossenen Türen gefallen.

Ein Urteil nach Jugendstrafrecht hätte eine Höchststrafe von zehn Jahren Haft für den Angeklagten bedeuten können – bei einer „besonderen Schwere der Schuld“ sogar 15 Jahre. Der Angeklagte hatte seinem Anwalt zufolge zum Prozessauftakt Mitte Juni Reue bekundet. Von möglichen Kundgebungen in Landau war zunächst nichts bekannt. Die Polizei will aber Präsenz zeigen.

Ist das Jugendstrafrecht zu mild?

Am Rande der Verhandlung waren wiederholt Forderungen nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts laut geworden. Rechtsexperten wie die Anwältin Jenny Lederer weisen dies aber zurück.

Solche Forderungen mögen sich alltagspsychologisch bei aufwühlenden Prozessen erklären lassen. Der oft geäußerte Vorwurf einer angeblichen Kuscheljustiz der Gerichte bei Minderjährigen und Heranwachsenden ist aber falsch.“

Autor
Laura Bisch