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Zwischen ihren Briefen haben viele in den letzten Wochen auch Waschgelkapseln in ihrem Briefkasten gefunden. Die Werbeaktion könnte jetzt aber für den Hersteller Procter & Gamble zum Problem werden.

Es geht um Gratisproben von sogenannten Waschmittel-Pods der Marke Ariel. Die wurden zu Werbezwecken massenweise in Briefkästen geworfen. Das Problem: Die Waschgelkapseln sind bunt und weich, ähneln Bonbons. Sie enthalten aber hochkonzentriertes, ätzendes Waschmittel.

„Das Produkt kann schwere Augen- und Hautreizungen hervorrufen und ist schädlich für Wasserorganismen“, sagt Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in SWR3. Deshalb sind sie mit einem Hinweis versehen, dass sie nicht in die Hände von Kindern gelangen dürfen.

Warnung auf einer Wäschekapsel; Foto: dpa/picture-alliance

Mit diesem Symbol wird gewarnt: Die Wäschekapseln sollen nicht in Hände von Kindern gelangen

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Eltern beschweren sich

Über die Werbeaktion haben sich vor allem Eltern bei der Verbraucherzentrale beschwert. Sie finden es nicht in Ordnung, dass ein so gefährliches Produkt in Briefkästen und Zeitungsfächern landet, die für Kinder zugänglich sind.

Rechtliche Schritte gegen P&G?

Die Verbraucherzentrale prüft jetzt rechtliche Schritte, um gegen den Hersteller Procter & Gamble vorzugehen. Manthey führt dafür drei Gründe an: „Es handelt sich erstens um unerwünschte Werbung, zweitens um ein Produkt, dass nicht in die Hände von Kindern gelangen darf und drittens muss es – wer es nicht verwenden will – über den Sondermüll entsorgen.“

Procter & Gamble teilte dem SWR mit, dass die Waschmittelkapseln in Beuteln aus reißfester Folie verteilt wurden. Die Folie sei so fest, dass Kleinkinder nicht in der Lage seien, diese zu öffnen. „Die Folie muss mit einer Schere aufgeschnitten werden. Das wurde bewusst so konstruiert, um auszuschließen, dass ein Kleinkind unbeaufsichtigt an den Inhalt der Beutel herankommt“, sagte eine Sprecherin. Dies habe man auch der Verbraucherzentrale mitgeteilt. Von rechtlichen Schritten sei dem Unternehmen nichts bekannt.

Lebensgefährliche Mutprobe in den USA

Wie gefährlich diese Waschmittelkapseln sind, wenn sie in falsche Hände geraten, zeigt sich gerade in den USA: Unter dem Titel „Tide Pod Challenge“ machen Jugendliche eine Mutprobe, die gefährlich ist.

Der Sinn (oder Unsinn) der Challenge ist, eine Waschmittelkapsel zu essen. Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten: Entweder man beißt hinein oder man lässt sie auf der Zunge zergehen. Beides ist lebensgefährlich. Es kann zu Verätzungen, Atemstillstand, Lugenödemen oder Koma führen.

Der Verband der Giftnotrufzentrale erklärte Mitte der Woche, dass in den USA seit Jahresbeginn 86 „absichtliche Kontakte“ mit Waschmittel festgestellt wurden. Fast die Hälfte musste wegen schwerer Vergiftung behandelt werden.

Soziale Netzwerke wollen Trend stoppen

Weil die Jugendlichen ihre Videos von der Mutprobe auch öffentlich posten, haben YouTube und Facebook angekündigt, dass sie solche Inhalte sperren werden.

Auch der Hersteller Procter & Gamble äußerte sich. „Sagt euren Kindern, dass ihr Leben und ihre Gesundheit wichtiger sind als Klicks, Zuschauerzahlen und Likes“, sagte Geschäftsführer David Taylor. Um das auch den Jugendlichen zu vermitteln, engagierte das Unternehmen den amerikanischen Football-Star Rob Gronkowski. In einem Video erklärt er, warum man nicht an der Challenge teilnehmen soll: Die Kapseln seien zum Waschen da und „nicht zum Essen“.