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Wegen des Anschlags auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal müssen nun russische Diplomaten Großbritannien verlassen.

Nach der Nervengift-Attacke von Salisbury gerät Russland immer mehr unter Druck. Großbritannien verweist 23 russische Diplomaten des Landes; das hat Premierminister Theresa May am Mittag bekannt gegeben. Außerdem würden die diplomatischen Beziehungen zu Moskau ausgesetzt.

Nach Angaben der britischen Premierministerin Theresa May ist Russland „sehr wahrscheinlich“ für das Attentat mit einem Nervengift auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Yulia am 4. März verantwortlich. Bruch der internationalen Regeln.

Die Nato hat die russische Regierung wegen des Attentats aufgefordert, alle Fragen Großbritanniens zu dem Vorfall zu beantworten. In einer gemeinsamen Erklärung der Nato-Staaten ist die Rede von einem klaren Bruch internationaler Regeln und Vereinbarungen. Am Abend befasst sich der Weltsicherheitsrat der Uno in einer Krisensitzung mit dem Thema.

Ultimatum bis Dienstagabend

Ursprünglich hatte die britische Regierung dem russischen Botschafter eine Frist bis Dienstagabend gesetzt, um sich zu den Vorwürfen zu äußern. Die Frist ließ er aber verstreichen.

Am Dienstagvormittag hatte der russischen Außenminister Sergej Lawrow eine Verantwortung seines Landes nochmals zurückgewiesen. Er erklärte, Russland fordere von London Zugang zu Proben des Nervengifts, das die Erkrankung Skripals verursacht haben soll. Nur dann sei Russland zur Kooperation bereit. Entsprechende Bitten seien von Großbritannien jedoch abgelehnt worden, so Lawrow weiter.

Polizist vor Pub; Foto: dpa/picture alliance
dpa/picture alliance

Militärischer Giftstoff von Russland entwickelt

Skripal wurde mit einem Gift aus der sogenannten Novichok-Gruppe vergiftet. Hinter Novichok verbirgt sich eine Reihe von Nerven-Kampfstoffen die in den 1970er und 80er-Jahren in der Sowjetunion entwickelt wurden. Sie gehören Fachleuten zufolge zu den tödlichsten Substanzen dieser Art, die jemals hergestellt worden sind.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin hatte bereits über Antirussische Propaganda geklagt. Putin betonte, die Briten sollten zunächst ermitteln, was genau mit Skripal passiert sei, bevor sie Russland dafür verantwortlich machten. „Man geht den Dingen dort drüben zunächst auf den Grund, und danach können wir das diskutieren“, sagte Putin laut russischen Nachrichtenagenturen.

Reaktionen aus dem Ausland

Der britische Außenminister Boris Johnson sagte, man spreche in dem Fall mit internationalen Partnern. Am späten Montagabend telefonierte Premierministerin May mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Beide seien sich einig gewesen, dass das aggressive russische Verhalten gemeinsam mit dem Verbündeten beantwortet werden muss.

Auch die NATO zeigte sich besorgt über die Vergiftung des Ex-Spions und seiner Tochter. Großbritannien sei ein hoch geschätzter Verbündeter und „dieser Zwischenfall“ sei für die Nato ein Fall „großer Besorgnis“, erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Der Einsatz eines jeden Nervenkampfstoffes sei „abscheulich“ und „völlig inakzeptabel“.