Autor
Christian Kreutzer
Christian Kreutzer, SWR3; Foto: SWR3
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Amanda Eller will auf Maui in Hawaii nur eine kurze Wanderung machen – und verläuft sich hoffnungslos. 17 Tage später findet sie ein privater Rettungsdienst: verletzt, ausgehungert, aber am Leben.

Es ist ihr 17. Tag im Dschungel. Yogalehrerin und Physiotherapeutin Amanda Eller bereitet sich gerade auf eine weitere Nacht in der Wildnis vor: „Ich war dabei, mir ein paar essbare Pflanzen fürs Abendessen zu suchen und einen Schlafplatz, der nicht direkt im Matsch lag“, hat die 35-Jährige jetzt der New York Times erzählt.

„Dann bin ich zusammengebrochen und habe geheult“

Da hört sie plötzlich einen Hubschrauber. Es ist nicht der erste in den zurückliegenden zweieinhalb Wochen: Immer wieder hat sie Helikopter in der Nähe vorbeifliegen hören und gewusst, dass nach ihr gesucht wird. Immer wieder hat sich das Geräusch aber entfernt und sie verzweifelt zurückgelassen. Diesmal nicht. Diesmal hat einer der Insassen sie gesehen.

„Ich blickte nach oben und er war genau über mir“, erzählt Eller. „Ich dachte: 'Oh mein Gott!'. Dann bin ich zusammengebrochen und habe geheult.“ Hier das Video der Rettungsaktion:

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17 Tage zuvor – es ist der 8. Mai: Eller lebt auf Maui und plant eine 5-Kilometer-Wanderung im Makawao-Nationalpark auf der Nordseite der Insel. Das Naturreservat liegt inmitten von vielen Quadratkilometern Dschungel. Eller ist mit dem Auto zu einem Parkplatz gefahren und losgelaufen. Den geplanten Wanderweg hat sie bereits einmal begangen.

Eller läuft in die falsche Richtung weiter

Irgendwann legt sie eine Ruhepause ein. Sie läuft abseits des Weges und setzt sich hin. Als sie wieder losläuft, ist es ihr Bauchgefühl, das sie in die falsche Richtung führt: „Ich habe einen sehr starken Bauch-Instinkt“, sagt Eller. Und der habe sie einfach in eine andere Richtung geführt, als die, aus der sie gekommen ist. „Mein Bauch hat gesagt, das Auto steht da drüben“, erzählt sie.

Damit beginnt ihre Odyssee. Gegen Mitternacht des ersten Tages ist ihr klar, dass sie sich verlaufen hat. Wasser, Nahrung und Schutzkleidung hat sie im Auto gelassen. Warum auch nicht, bei einer 5-Kilometer-Tour?

Bein gebrochen, Schuhe weg...

Tag 3: Jetzt erst machen sich Retter machen auf den Weg. Eller irrt derweil umher und sucht vor allem nach Trinkwasser. Am gleichen Tag stürzt sie acht Meter tief in eine Schlucht. Sie bricht sich das Bein und verletzt sich den Meniskus. Einen Tag später verliert sie ihre Schuhe in einem reißenden Bach.

Die ganze Zeit denkt sie, sie sei auf dem Rückweg. In Wahrheit irrt sie immer tiefer in den Dschungel hinein. Sie trinkt Bachwasser, isst wilde Früchte und Insekten. Nachts deckt sie sich mit Farnen zu.

Einer der Retter verliert seinen Job, weil er einfach weitersucht

Die 35-Jährige nimmt immer stärker ab, wird immer schwächer. Mehrmals will sie aufgeben. Zwischen Leben und Tod steht nur noch ihr Wille weiterzumachen. Dann, am Tag 17, nachdem sie sieben Kilo verloren hat, kommt der Hubschrauber mit den Rettern.

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Eine regelrechte Armee von Helfern hat all die Zeit über nach ihr gesucht. Chris Berquist, der sie am Ende entdeckt, hat sogar seinen Job verloren, weil er sich geweigert hat, wieder zur Arbeit zu kommen, statt weiter nach ihr zu suchen.

Doch erst jetzt entdeckt die Hubschrauberbesatzung sie neben einem Flüsschen am Fuße einer Schlucht. Eller – ganz Yogalehrerin – spricht von einer „spirituellen Reise“. Ihre antrainierte Selbstdisziplin habe sie überleben lassen, sagt ihre überglückliche Mutter. Hier sieht man die Gerettete im Kreis ihrer Familie:

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Sie stehe für immer in der Schuld ihrer Retter, sagt Eller, die überwältigt ist, dass so viele Menschen so ausdauernd nach ihr gesucht haben: „Es war ein echtes Wunder.“

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