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Es geht offenbar um ein schmutziges Spiel, um Hetze und die Verunglimpfung vermeintlicher politischer Gegner. Jetzt trifft den Urheber – einen Abgeordneten aus Baden-Württemberg – eine Strafanzeige.

Der baden-württembergische AfD-Abgeordnete Heiner Merz hat eine Liste mit 25.000 Namen an Parteifreunde herumgeschickt (der Mailverkehr liegt dem SWR vor). Die Menschen auf der Liste hielt er für linke Autonome.

Heiner Merz; Foto: dpa/picture-alliance

Der baden-württembergische AfD-Abgeordnete Heiner Merz.

dpa/picture-alliance

Seine Kollegen wollte er dazu überreden, die Leute an deren Heimatorten öffentlich als Antifa-Mitglieder zu denunzieren, ihre Namen Arbeitgebern zu melden. Kurz: ihnen privat, gesellschaftlich und beruflich in jeder möglichen Hinsicht zu schaden – eine Methode, die AfD-Politiker eigentlich fortgesetzt ihren Gegnern vorwerfen.

Wer "Refugees-Welcome“-T-Shirts bestellt, muss linksradikal sein

Die Aktion ging jedoch gründlich schief: Wie sich herausstellte, hatten die Menschen auf der Liste mit den militanten Autonomen nicht das Geringste zu tun. Vielmehr standen ihre Namen schlicht auf der gestohlenen Kundendatenliste eine Versandhandels.

Wer sich die Seite des betroffenen Duisburger Versandhändlers KMG, „Impact Mailorder“ anschaut, kann gleichzeitig einen Blick in die Vorstellungswelt von Leuten wie Merz tun: Unter dem Titel „Impact – Punk Rock Mailorder“ kann man sich „punkige“ Haarfärbemittel, Doc-Martin-Stiefel und – ganz schlimm – "Refugees-Welcome“-T-Shirts bestellen.

Das galt auch für die 28 Betroffenen aus Merz' Wahlkreis Heidenheim. Für Merz offenbar ein klarer Fall: Das mussten Linksradikale sein, die es verdienen, dass man sie in der Öffentlichkeit und beim Arbeitgeber anschwärzt.

Cyber-Angriff der „National Sozialistischen Hacker-Crew“

KMG hat jetzt Anzeige wegen der gestohlenen Kundendaten gegen AfD-Mann Merz erstattet. Wie die Adressen, die Merz zum fantasievollen Gebrauch an andere AfD'ler schickte, in seinen Besitz gekommen sind, ist noch unbekannt.

Laut „Heidenheimer Zeitung“ seien es Daten, die KMG 2015 bei einem Cyber-Angriff der „National Sozialistischen Hacker-Crew“ gestohlen worden seien.

Empört ist unter anderem Merz' früherer Fraktions-Kollege, der mittlerweile fraktionslose Heinrich Fiechtner. Der hatte sich bereits vergangenen Woche im Stuttgarter Landtag darüber aufgeregt, dass „der Abgeordnete Merz zehntausende Adressen von politisch Andersdenkenden verteilt und dazu auffordert, gegen diese zu hetzen“.

Autor
Christian Kreutzer
Autor
SWR3