Seit letztem Oktober lebt in der Verenaschlucht in der Nähe der Schweizer Stadt Solothurn ein Einsiedler aus Deutschland. Für den 56-Jährigen ist der neue Job eine echte Berufung.

Ein mächtiger, weiß-grauer Vollbart, schulterlange Haare, kräftige Statur – der Ex-Polizist Michael Daum sieht aus, wie man sich einen Eremiten vorstellt. Bevor der 56-jährige über seine ersten Monate als Einsiedler berichtet, schlägt er eine Klangschale an und bittet um einen Moment der Stille.

Nach Minuten der Einkehr erzählt der Deutsche von seinem besonderen Arbeitsplatz: Die Einsiedelei in der Verenaschlucht vor den Toren der Schweizer Stadt Solothurn.

Einsiedler in der Verenaschlucht; Foto: MDR/ Dietrich Karl Mäurer
MDR/ Dietrich Karl Mäurer

Durch das Tal plätschert ein Bach. An einer Lichtung schmiegen sich zwei Kapellen rechts und links an die Felsen. Gleich nebenan das Häuschen des Einsiedlers. Seit Jahrhunderten gilt die Schlucht als spiritueller Kraftort. Michael Daum sagt: Das Verenatal ist etwas Besonderes:

Wenn ich unten reinlaufe, dann spüre ich eine Verdichtung der Energie, die sich bei Jesus am Kreuz wieder weitet und dann oben wird es nochmal dicht. Und die Einsiedelei gibt dann Raum für die Seele. Raum für inneres Empfinden.

Michael Daum

Der Glaube ist ihm wichtig

Aber nicht immer geht es hier besinnlich zu. An manchen Sonntagen kommen Hunderte – Sinnsucher, Schulklassen, Jogger. Von ihnen lässt sich Einsiedler Michael Daum nicht aus der Ruhe bringen. Er kümmert sich um Sauberkeit und Ordnung im Tal und vor allen Dingen in den Kapellen.

Der Katholik stammt ursprünglich aus Heilbronn. Er arbeitete in den 80er Jahren als Polizist. Nach einem Unfall orientierte er sich um, studierte Theologie und Psychologie, wurde Heilpraktiker, begleitete Menschen im Sterbehospiz und lebte in Klöstern. Der Glaube ist ihm wichtig: „Ich lebe aus meinem Glauben. Ansonsten wäre ich nicht Einsiedler und schon gar nicht an so einem Ort.“

Einsiedelei bei Solothurn; Foto: MDR/ Dietricjh Karl Mäurer

„Eigentlich bin nicht ich wichtig“

Michael Daum sagt nach den ersten Monaten in der Verenaschlucht – er beginne sich mit dem Ort zu verbinden, aber:

Eigentlich bin nicht ich wichtig, sondern es ist die Verenaschlucht wichtig, es ist die Einsiedelei wichtig, es ist die Verenakapelle wichtig. Es ist dieses Naturerlebnis, dass man da erleben kann, wichtig.

Michael Daum

 Seine Vorgängerin warf nach eineinhalb Jahren das Handtuch. Ihr war der Rummel im Tal letztlich zu viel. Michael Daum aber ist zuversichtlich, dass er als Einsiedler durchaus zwölf Jahre durchhält. Dann ist er im Rentenalter.