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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Auf engstem Raum den ganzen Tag zusammen: Für die Astronauten auf der ISS völlig normal. Deshalb haben die Profis in einer virtuellen Talkshow Tipps gegen den Lagerkoller in der Corona-Isolation gegeben.

Astronauten Alexander Gerst beim wöchentlichen Putzen auf der Internationalen Raumstation ISS; Foto: picture alliance/-/Alexander Gerst/ESA/dpa

Alexander Gerst aus Künzelsau war insgesamt fast ein ganzes Jahr auf der ISS. Dort lebte er auf engstem Raum mit anderen Astronauten.

picture alliance/-/Alexander Gerst/ESA/dpa

Wenn man wie Alexander Gerst 363 Tage eingesperrt auf engstem Raum in der Internationalen Raumstation ISS verbringt, ist man eigentlich Profi, was Isolation betrifft. In 400 Kilometer Höhe einfach mal in den Park gehen oder hinter sich die Tür zumachen und mal für sich sein – unmöglich.

Deswegen hat Gerst für uns einen Tipp, wie wir den Lagerkoller in der Corona-Quarantäne verhindern oder zumindest würdevoll überstehen können: „Es ist sehr wichtig in solchen Zeiten, dass man positiv nach vorne schaut“, sagte Gerst in einer Online-Videoschalte der Initiative Asteroid Day und der Europäischen Weltraumorganisation (Esa).

Herausforderung gut fürs Gemeinschaftsgefühl

Gerst sei „sehr positiv, dass wir alle zusammen das hinkriegen“. So eine Herausforderung zu überwinden, habe etwas Gutes für das Gemeinschaftsgefühl. Und auch Astro-Alex ist überzeugt davon, dass es ein sehr wirkungsvolles Mittel gebe, die Krankheit einzudämmen: zu Hause zu bleiben.

Damit habe man Kontrolle über die Situation und das sei auch in der Raumfahrt wichtig, um Ängsten vorzubeugen. Seine Erfahrungen im Weltall hat er aus seinem Home Office mit der Welt geteilt: „Wir konnten die Isolation auf der ISS gut auffangen, weil wir wussten, dass sie eine Gefahr ist.“

Den Blick auf Dinge ändern

Sollte es doch einmal Meinungsverschiedenheiten geben, müsse man „den Standpunkt des anderen als Bereicherung“ ansehen. So könne man auch über kontroverse Dinge reden, ohne zu streiten. „Wenn man lange zusammen im selben Raum ist, muss man aufeinander aufpassen“, sagte Gerst.

Er lebte in einer Space-Dreier-WG auf der ISS – mit seinen Kollegen Serena Aunon-Chancellor und Sergej Prokopjew. Eine Einstellung nach dem Motto „Tust du mir das an, tu ich dir das an“ sei falsch.

Jeder Mensch braucht einen Rückzugsraum

Gerst sagt aber auch: Jeder Mensch braucht einen Rückzugsraum. Auf der ISS seien das die Schlafkabinen der Astronauten gewesen – die seien aber selten geschlossen gewesen. „Denn wenn man um die Möglichkeit weiß, sich zurückziehen zu können, ist die Notwendigkeit gar nicht mehr so groß.“

Und noch einen wichtigen Punkt sprach Gerst an: wer nun am gleichen Ort lebe und arbeite – wie man das als Astronaut auch im All erlebt – solle Grenzen schaffen, um die Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu halten.

Auch der ehemalige Esa-Astronaut Thomas Reiter war in der Videokonferenz zugeschaltet. Er sagte, es sei auch wichtig, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man verändern könne – und sich mit dem Unveränderlichen abzufinden. In Quarantäne solle man Routinen folgen, nicht in den Tag hinein leben.

Dank an Ärzte und Pflegekräfte

Gerst und Reiter bedankten sich auch bei den Pflegekräften, Ärzten und Beschäftigten in der Versorgung für ihre Leistung. Diese Menschen hielten derzeit das Land am Laufen.
„Respekt“, sagte Gerst.

Der Baden-Württemberger Alexander Gerst ist mit 43 Jahren schon zweimal auf der ISS gewesen: Von Mai bis November 2014 und von Juni bis Dezember 2018 verbrachte er insgesamt 363 Tage auf der ISS.

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Björn Widmann
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Isabel Gebhardt
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