Vor genau 20 Jahren, am 21. April 1997, ist zum ersten Mal die Asche von Toten ins All geschossen worden. Allerdings war der eigentliche Job dieser Rakete ein anderer. Die Rakete brachte den ersten Satelliten in den Weltraum, den Spanien selbst entwickelt hatte. Doch eine US-Firma nutzte den Start auch für die erste Weltraumbestattung – und stahl den spanischen Satellit-Entwicklern damit die Show.

Gene Roddenberry; Foto: Imago

Gene Roddenberry kurz vor seinem Tod im Jahr 1991.

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Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben den 21. April 1997. Gene Roddenberry, der Erfinder der berühmten Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“ ist auf dem Weg von Gran Canaria ins All. Eine Reise, die der Weltraum-Fan immer schon unternehmen wollte. Allerdings ist Roddenberry 1997 schon einige Jahre tot – und nur noch ein Teil seiner Asche auf der Reise in den Himmel. Roddenberry gehört damit zu den Teilnehmern der ersten Weltraumbestattung.

Interessanter als der Satellit

Hinter dem Projekt steht eine US-Firma. Sie bringt die ersten 24 Urnen aber nicht selbst ins All – die Amerikaner nutzen dafür einen spanischen Raketenstart, die Mission „Minisat 01“. So heißt ein Satellit, den spanische Wissenschaftler entwickelt haben. Es ist der erste, der komplett in Eigenregie in einem europäischen Land entstanden ist. Spanien ist stolz auf das Projekt. Noch ahnen die Wissenschaftler aber nicht, dass nach dem Start so gut wie niemand mehr über den Satelliten sprechen wird – stattdessen über die Weltraumbestattung.

„Ich bin aufgewachsen mit der Liebe für den Weltraum“

Die US-Firma lässt die Urnen mit der Asche der Toten an der spanischen Rakete befestigen. Diese feuert sie dann zusammen mit dem Satelliten in 11.000 Metern Höhe in eine erdnahe Umlaufbahn. Das Ganze funktioniert – und sorgt für staunende Gesichter bei den Hinterbliebenen. „Ich bin aufgewachsen mit der Liebe für den Weltraum, die mein Vater hatte. Das ist nun perfekt für ihn“, sagt einer der Angehörigen.

Eine kleine Urne; Foto: dpa/picture-alliance

So sehen die Mini-Urnen aus, die ins All geschickt werden.

dpa/picture-alliance

Urnen so groß wie Lippenstifte

Allerdings fliegen nicht die kompletten sterblichen Überreste der Toten ins All. Die Urnen sind winzig klein, haben etwa die Größe eines Lippenstifts. Hinein passen maximal sieben Gramm Asche. Das sorgt für Kritik. Der Bundesverband Deutscher Bestatter hält die Asche von Verstorbenen aus ethischen Gründen grundsätzlich für unteilbar. Die Organisation ist daher gegen Weltraumbestattungen.

Weltraumbestattung ab 5.000 Dollar

Die amerikanische Firma bietet sie aber bis heute an Der Preis: 5.000 US-Dollar aufwärts. Die Mini-Urnen sollen mindestens 18 Monate, eventuell sogar Jahrzehnte lang um die Erde kreisen. Irgendwann verglühen sie wie eine Sternschnuppe.