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Das Bundesverkehrsministerium hat offenbar die Voraussetzungen dafür geschaffen, ältere Diesel-Autos mit Hardware nachzurüsten. Der Bayrische Rundfunk berichtet, das Ministerium habe eine Richtlinie erarbeitet, die es dem Kraftfahrtbundesamt ermöglicht, Einbausätze für Euro 4 und 5 Diesel zuzulassen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte versprochen, dass noch in diesem Jahr die technischen Vorschriften für die Hardwarenachrüstung von älteren Diesel-Autos vorgestellt werden – und er hat scheinbar Wort gehalten. Der Bayrische Rundfunk und der Spiegel berichten, dass in den vergangenen entsprechenden Richtlinien erstellt wurden.

Nachrüster müssen Dauerhaltbarkeit garantieren

In dem 30-seitigen Papier – das dem BR-Rechercheteam vorliegt – wird von den Nachrüstern unter anderem eine Garantie verlangt, dass das nachträglich eingebaute technische System zur Abgasreinigung bei Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro 4 und 5 „bis Minimaltemperaturen von -7 Grad (...) wirksam und funktionsfähig“ ist. Die entsprechend spezialisierten Unternehmen müssen zudem zusichern, dass für ihre Anlagen „eine Kilometerleistung von 100.000 km oder eine Lebensdauer von bis zu fünf Jahren (...) gewährleistet ist“. Außerdem darf das Auto nach der Nachrüstung nicht lauter sein als vorher.

In der neuen Richtlinie festgeschrieben ist den Berichten nach auch, dass der NOx-Ausstoß nachgerüsteter Diesel-Fahrzeuge nicht über dem Grenzwert von 270 Mikrogramm pro Kilometer liegen darf. Auf diesen Wert hatte sich die Große Koalition bereits im Rahmen ihres im Oktober verabschiedeten Diesel-Konzepts geeinigt.

Autobauer bleiben weiter skeptisch

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie hält Nachrüstungen allerdings nicht für zweckmäßig und warnte in der Zeitung Die Welt, Besitzer älterer Diesel könnten bei technischen Problemen nach einem Umbau nicht mit Unterstützung der deutschen Hersteller rechnen.

Aktuell geht es nur bei Daimler mit dem Thema Nachrüstung voran. Der Stuttgarter Autobauer hat bereits im November einen Workshop veranstaltet, bei dem sich Experten mit Nachrüstern ausgetauscht haben. Außerdem gibt es eine firmeninterne Arbeitsgruppe zu diesem Thema.

BMW lehnt eine Hardwarenachrüstung hingegen weitern ab. Der Konzern teilte allerdings mit, Kunden „mit Maßnahmen zur Sicherung ihrer Mobilität im Umfang von bis zu 3.000 Euro“ zu unterstützen. Welche das sein werden, steht nach eigenen Angaben noch nicht fest.

Bei VW ist man ebenfalls skeptisch. Auf eine BR-Anfrage, in welchem Rahmen VW mit den Nachrüstern kooperiere, antwortete ein Unternehmenssprecher, VW könne „die Entwicklungen der Hardware-Nachrüster aus haftungsrechtlichen Gründen nicht unterstützen“. Zudem sei der Konzern davon überzeugt, „dass Nachrüstungen nicht die richtige Lösung sind“, er zweifele „an der Dauerhaltbarkeit“. 

Wann kann Nachrüstung beginnen?

Die Bundesregierung will die jetzt fertiggestellte Richtlinie in den nächsten Tagen veröffentlichen.  Dann können die Nachrüster beim Kraftfahrtbundesamt einen Antrag auf eine Allgemeine Betriebserlaubnis für ihre jeweiligen Anlagen stellen. In der Regel werden das Systeme mit SCR-Katalysator sein. Dieser reinigt die Abgase mit Hilfe einer Harnstofflösung, besser bekannt unter dem Markennamen „Ad Blue“.