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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Zwei Tage nach dem Vulkanausbruch in Neuseeland wird deutlich, dass die Lage schlimmer ist, als zunächst angenommen: Viele Gerettete sind so schwer verletzt, dass nicht klar ist, ob sie überleben.

Vulkanausbruch in Neuseeland; Foto: picture alliance/Michael Schade/XinHua/dpa

Viele der in Sicherheit gebrachten Touristen filmten den Ausbruch des Vulkans

picture alliance/Michael Schade/XinHua/dpa

Als der Vulkan am Montagnachmittag ausbrach, waren laut Polizei 47 Menschen auf White Island. Unter ihnen seien auch vier Deutsche gewesen. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, dass nach den vorliegenden Informationen Bundesbürger verletzt worden seien. Auf deutsche Todesopfer gebe es bislang keine Hinweise, hieß es aus dem Ministerium.

Mehr als 30 Menschen wurden durch den Ausbruch verletzt, die meisten von ihnen so schwer, dass mehr als 70 Prozent ihrer Körperoberfläche verbrannt ist. Die Schwerstverletzten liegen in Spezialkliniken. Die Regierung von Neuseeland geht davon aus, dass nicht alle ihre schweren Verletzungen überleben werden. Fünf Menschen sind bei dem Ausbruch ums Leben gekommen, ein Opfer erlag im Krankenhaus in Auckland seinen schweren Verletzungen.

Dass die acht noch Vermissten auf White Island überlebt haben, daran glaubt die Polizei aber nicht.

Polizei ermittelt nach Ausbruch

Die Polizei in Neuseeland hat mittlerweile auch Ermittlungen eingeleitet. Dabei gehe es zunächst um die Umstände des Unglücks, erklärte die Polizei. Um strafrechtliche Ermittlungen handele es sich vorerst nicht.

Möglicherweise geht es um die Frage, ob vor dem Ausbruch des Vulkans gegen Sicherheitsstandards verstoßen wurde. Denn die Touristen durften auf die Insel, obwohl die Alarmstufe wegen der Vulkan-Aktivität erst vergangenen Monat angehoben wurde. „Diese Fragen müssen gefragt und sie müssen beantwortet werden“, sagte Premierministerin Jacinda Ardern im Parlament.

Kurz vor Ausbruch Wanderer am Krater

Wanderer am Krater des Vulkans; Foto: picture alliance/Uncredited/GeoNet/AP/dpa

Kurz vor dem Ausbruch: Wanderer sind am Krater unterwegs

picture alliance/Uncredited/GeoNet/AP/dpa

Auf Bildern einer Überwachungskamera am Vulkan ist zu sehen, wie kurz vor der Eruption am Montagmittag noch eine Gruppe Wanderer am Krater unterwegs ist. Nur wenige Minuten später – um 14:11 Uhr neuseeländischer Zeit – bricht die Übertragung ab, der Vulkan bricht aus.

Bis zum Abend wurden 23 Menschen von der Insel gerettet und in Sicherheit gebracht. Die Polizei habe keine Hoffnung, dass die noch Vermissten den Ausbruch des „Te Puia O Whakaari“ überlebt hätten, teile die Behörde mit.

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Höhere Aktivität in den letzten Wochen

Die White Island liegt in der „Bay of Plenty“, einer riesigen Bucht im Norden von Neuseeland, etwa 50 Kilometer vom Festland entfernt. Jedes Jahr kommen etwa 10.000 Besucher auf die Insel, die ihren letzten größeren Vulkanausbruch 2016 erlebt hat. Damals gab es aber keine Verletzten.

In den letzten Wochen ist der Vulkan auf der Insel wieder aktiver geworden, trotzdem sind die Touren nach White Island weitergegangen. Die Insel ist in Privatbesitz – geworben wird mit dem „am einfachsten zugänglichen aktiven Meeresvulkan der Welt“. Das Betreten ist aber nur mit ausgebildeten Führern erlaubt.

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Polizei kann „White Island“ nicht betreten

Aus Angst, der Vulkan könnte noch einmal ausbrechen, wollen Polizei und Rettungskräfte vorerst noch nicht auf die Insel, sagte ein Feuerwehrsprecher. Zu groß sei die Gefahr, dass der „Te Puia O Whakaari“, übersetzt „der dramatische Vulkan“, noch einmal ausbricht.

„White Island“ wurde 1769 vom britischen Seefahrer James Cook entdeckt. Er nannte sie „weiße Insel“, weil sie ständig in einer Wolke von weißem Dampf und Rauch zu sehen war. Dass ein Vulkan der Grund dafür war, wusste Cook allerdings nicht.

Neuseeland liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Auch Erdbeben sind dort keine Seltenheit. In der Stadt Christchurch kamen bei einem Beben im Februar 2011 mehr als 180 Menschen ums Leben.