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Ein Pariser Berufungsgericht hat die Wiederaufnahme der künstlichen Ernährung eines Wachkomapatient angeordnet. Bereits am Montag wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen zunächst eingestellt.

Der Franzose Vincent Lambert hatte sich bei einem Motorradunfall 2008 schwere Kopfverletzungen zugezogen. Er liegt seitdem im Koma und ist querschnittsgelähmt. Die Ärzte hatten bereits vor Jahren angekündigt, die lebenserhaltenden Maßnahmen einstellen zu wollen. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. Lamberts Eltern wollten, dass die Maßnahmen fortgesetzt werden, Lamberts Frau und seine Ärzte wollten sie einstellen.

Nachdem der Wunsch von Lamberts Frau mehrfach gerichtlich bestätigt worden war, wurden am Montag die Geräte abgeschaltet. Unter anderem hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und das oberste französische Verwaltungsgericht geurteilt, die lebenserhaltenden Maßnahmen einzustellen.

Frau Lambert; Foto: picture alliance / AP Photo

Vincent Lamberts Frau spricht sich für eine Abschaltung der Apparate aus.

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Rechtsstreit geht weiter

Mit der Entscheidung des Pariser Gerichts geht der Rechtsstreit jetzt in die nächste Runde. Als nächstes muss die Behindertenkommission der UNO zu dem Fall Stellung nehmen. Die Eltern argumentieren, dass ihr Sohn nicht sterbenskrank, sondern schwerbehindert sei.

Um solche Fälle zu regeln, fordern Experten und Mediziner in Frankreich ein neues Gesetz. Das bestehende Ethikgesetz stoße in diesem Fall an seine Grenzen. Passive Sterbehilfe ist in Frankreich unter bestimmten Umständen zulässig, aktive Sterbehilfe dagegen ist eine Straftat.

Lamberts Frau: „Mein letzter Beweis der Liebe“

Die Frau des Komapatienten und auch sechs seiner Geschwister fordern seit Jahren, Lamberts künstliche Ernährung einzustellen. Die Ärzte sagen, er vegetiere in einem Zustand, den man als minimales Bewusstsein bezeichne und werde durch einen Schlauch am Leben erhalten. „Vincent gehen zu lassen“, sagte seine Frau Rachel im Jahr 2013, „ist mein letzter Beweis der Liebe.“