Die Lufthansa hat Air Berlin geschluckt – die Mitarbeiter sollen mit Extra-Geld zu einer Lufthansa-Tochtergesellschaft gelockt werden. Das finden die bisherigen Mitarbeiter nicht besonders lustig.

Eurowings ist die Billiglinie der Lufthansa. Was viele nicht wissen: Eurowings ist nicht gleich Eurowings. Sie besteht aus verschiedenen Firmen, die den Mitarbeitern unterschiedlich viel Geld bezahlen. Es gibt einen deutschen Zweig, in dem relativ viel Geld bezahlt wird. In einer österreichischen Tochtergesellschaft wird allerdings deutlich weniger gezahlt, die Sozialstandards sind auch niedriger. Womöglich deshalb haben viele Mitarbeiter von Air Berlin schon im Vorfeld gesagt, dass sie dort nicht hinwollen.

Genau dort will die Lufthansa sie aber aus verschiedenen Gründen hinlocken. Und das passiert jetzt mit Geld. Unter anderem mit dem Versprechen, dass ausnahmsweise auch für neu eingestelltes Personal in Österreich annähernd so viel gezahlt wird wie in Deutschland.

„Schlag ins Gesicht“

Das finden die Menschen, die schon länger dort arbeiten, alles andere als gut. In einem anonymen Brief, der auch SWR3 vorliegt, beschweren sie sich. In dem Schreiben ist von einem „Schlag ins Gesicht“ die Rede. Und: „Wer unsere Arbeit nur mit 60 Prozent von dem honoriert, was die Kollegen an den anderen Basen erhalten, der darf sich am Ende nicht wundern wenn unsere Leistung auch dementsprechend geringer ausfällt.“ Das sei ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Unternehmenswelt, schreiben die Verfasser: „Neues Personal wird besser vergütet und behandelt und dem Stammpersonal diese Anpassung verweigert.“

Sie beklagen sich außerdem darüber, dass sich die neuen Kollegen der Air Berlin aussuchen könnten, wo sie stationiert würden – nämlich an den attraktiveren Orten, an denen die alten Mitarbeiter bisher nicht arbeiten durften.

Die Lufthansa selbst weist die Vorwürfe von sich. Schon vor ein paar Tagen hat Konzernchef Spohr in einem Interview mit der Rheinischen Post gesagt, dass die Gehälter auch bei der Billig-Tochter attraktiv seien: „Bei Eurowings kann ein Pilot bis zu 150.000 Euro pro Jahr verdienen, also mehr als 12.000 Euro im Monat.“ Über die Bedingungen der restlichen Mitarbeiter, also bei Flugbegleitern und Bodenpersonal, hat er sich dort nicht geäußert.

Klappt die Übernahme?

Doch das Problem mit dem Personal ist nicht das einzige, das die Lufthansa gerade beschäftigt. Die Monopolkommission hat Bedenken, dass die Lufthansa mit der Übernahme der Air Berlin-Anteile einzelne Strecken ganz allein bedienen will. Um auch anderen Airlines die Chance zu geben, bestimmte Strecken zu fliegen, sei es sehr wahrscheinlich, dass die Lufthansa bestimmte Start- und Landerechte an Wettbewerber abgeben müsse, sagte der Chef der Kommission Wambach der Rhein-Neckar-Zeitung.

Kritik an Überbrückungskredit

Achim Wambach, Chef der Monopolkommission; Foto: dpa/picture-alliance

Achim Wambach, Chef der Monopolkommission

dpa/picture-alliance

Wambach glaubt aber auch, dass sich die Lufthansa vor dem Kauf der Air-Berlin-Anteile hat gut beraten lassen und genau wisse, wo es „mögliche kartellrechtliche Schranken“ gibt. Dass der Staat eingesprungen ist, um der Fluggesellschaft einen Kredit über 150 Millionen Euro zu geben, findet Wambach grenzwertig. In so einem Fall müsse es „andere Lösungen geben – zum Beispiel Insolvenzversicherungen wie bei Pauschalreisen“.

Jobgarantie nicht für alle Beschäftigten

Beide Fluggesellschaften haben gestern mitgeteilt, dass sie sich auf die Bedingungen für eine Übernahme geeinigt haben. Die Lufthansa übernimmt die Air-Berlin-Tochtergesellschaft LGW und den österreichischen Ableger Niki sowie 20 weitere Flugzeuge. Allerdings garantiert die Lufthansa damit nach Gewerkschaftsangaben nur 1.450 Beschäftigten einen Arbeitsplatz. Die anderen Mitarbeiter müssten sich bei Eurowings neu bewerben – das sei beim Verkauf von Unternehmensanteilen ungewöhnlich und auch recht umstritten, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle.

Verdi kritisiert Lufthansa

Lufthansa-Chef Carsten Spohr; Foto: dpa/picture-alliance

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

dpa/picture-alliance

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte, dass etwa 3.000 der insgesamt 8.000 Beschäftigten von Air Berlin zur Lufthansa wechseln könnten. Bei einer internen Jobbörse in der Zentrale von Air Berlin will die Lufthansa-Tochter Eurowings heute offene Stellen anbieten. Das kritisiert Gewerkschaftlerin Behle: Die Lufthansa plane offenbar, durch die Neueinstellungen eine gezielte Personalauswahl zu betreiben, „bei der vermutlich Jüngere und somit billigere Arbeitskräfte bevorzugt eingestellt werden sollen“.

Offizieller Kauf erst in ein paar Monaten

Die Lufthansa übernimmt auch nicht alle Flugzeuge der Air Berlin: 81 von 134 Flugzeugen gegen an die Lufthansa. Dafür bekommt Air Berlin 210 Millionen Euro. In knapp zwei Wochen müssen die Gläubiger entscheiden, ob sie mit dem Kauf einverstanden sind. Dann wird die europäische Wettbewerbsbehörde in Brüssel das Geschäft prüfen. Das wird vermutlich mehrere Monate dauern. Und erst dann kann die Lufthansa Air Berlin wirklich kaufen.

Letzter Flug am 27. Oktober

Easyjet will auch einen Teil der Air Berlin-Flotte übernehmen: bis zu 30 Maschinen samt Verkehrsrechten und Besatzungen. Allerdings laufen die Verhandlungen dafür noch. Klar ist dagegen, dass der letzte Flug von Air Berlin am 27. Oktober von München nach Berlin gehen wird. Die Maschine mit der Flugnummer AB6210 startet um 21:35 Uhr in München und soll um 22:45 Uhr in Berlin-Tegel landen.