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Wie können Dialekte wiederbelebt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann auf einer Konferenz mit Sprachwissenschaftlern in Stuttgart.

Für Winfried Kretschmann (Grüne) sind Dialekte wichtig. Schwäbisch fühle sich für ihn einfach „heimeliger“ an als Hochdeutsch, sagte er im SWR: „Dialekt ist für mich einfach die Sprache des Alltags und der Nähe.“

Schimpfwörter und Alltagsausdrücke besser im Dialekt

Manche Dinge ließen sich in der Mundart besser ausdrücken, wenn es zum Beispiel um tägliche Situationen oder bestimmte Stimmungen ginge. Viele Schimpfwörter seien außerdem im Dialekt nicht so hart und hätten noch dazu eine gewisse Ironie. „Halbdackel“ sei zum Beispiel so ein Ausdruck.

Es gebe aber auch Dinge, die sich im Dialekt sehr merkwürdig anhören würden:

Eine pathetische Liebeserklärung im Schwäbischen ist sicher extrem schwer.

Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident Baden-Württemberg

Und man würde auch nicht eine Leichenrede oder eine Rede zu Europa auf Schwäbisch halten, so Kretschmann weiter.

Eltern sollten mit Kindern Dialekt sprechen

Um den Dialekt zu retten, könne man natürlich keine Sprachpolitik machen, das könne die Politik nicht wirklich steuern, betonte Kretschmann: „Was wir aber machen können, ist erstens, dass der Dialekt nicht diskriminiert wird und zweitens, dass er wertgeschätzt wird.“

So gebe es Eltern, die beide Schwäbisch sprächen, es mit ihren Kindern aber nicht mehr machten. Das müsse sich ändern.

Wer Dialekt spricht, ist mehrsprachig

Dialekt sei auch immer ein „Zeichen von Vielfalt und Mehrsprachigkeit“. Viele würden befürchten, dass Kinder, die Dialekt sprächen, dann das Hochdeutsche verlernen würden. Das Gegenteil sei aber der Fall, so Kretschmann.