Autor
Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Im Nahen Osten ist die Situation gerade sehr angespannt: Zuerst, weil die USA den iranischen General Qassem Soleimani umgebracht haben – jetzt, weil verschiedene Akteure mit Vergeltung drohen. Daher spitzt sich die Lage zu.

In einem Interview mit CNN hat der iranische Außenministers Mohammed Dschawad Sarif die Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani als „staatlichen Terrorismus“ von Seiten der USA bezeichnet.

Dies ist eine Aggression gegen den Iran und läuft auf einen bewaffneten Angriff auf den Iran hinaus, auf den wir reagieren werden. Wir werden verhältnismäßig reagieren.

Mohammed Dschawad Sarif, iranischer Außenminister

Was hat die Spannungen ausgelöst?

Die USA hatten vergangene Woche den iranischen General Qassem Solaimani mit einer Drohne im Irak getötet. Er war der prominenteste Vertreter und das bekannteste Gesicht des iranischen Militärs im Ausland. Das Argument der USA für die Tötung: Man habe das Leben von vielen US-Amerikanern und Europäern damit gerettet. Das amerikanische Militär habe die Operation auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump ausgeführt, um Attacken auf amerikanische Kräfte in der Region zu verhindern.

Der Iran ist aber der Meinung, dass die USA mit der Aktion gegen geltendes Völkerrecht verstoßen haben. Das hat einen lange schwelenden Konflikt zwischen den beiden Ländern weiter entfacht. Denn die USA und der Iran sind seit langem in Konflikten verwickelt. Die USA wollen den Iran mit Wirtschaftssanktionen unter Druck setzen, um das Land zu einem Kurswechsel in seiner Atompolitik zu zwingen. Außerdem beschuldigen die USA den Iran, Terrorismus zu fördern.

Ein Rückblick: Irak, Iran und die USA

Die Spannungen sind dabei schon vor vielen Jahren entstanden – ein prägendes Ereignis war dabei der Iran-Irak-Krieg: Vor 40 Jahren jagte der damalige Präsident des Iraks, Saddam Hussein, sein Land in einen Krieg gegen den Iran. Er dauerte acht Jahre und kostete Hunderttausende das Leben. 2003 kamen dann die USA ins Spiel und stürzten Hussein – und damit die sunnitische Regierung im Irak. Die USA sorgten auch dafür, dass im Irak die Schiiten unter dem damaligen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki an die Macht kamen. Er setzte sich für die Schiiten ein – und unterdrückte viele Sunniten in dem Land.

Iraker wollen nicht vom Iran bevormundet werden

Für den Iran ist der Irak die erste Frontlinie im Konflikt mit den USA. Der Iran will deshalb verhindern, dass von irakischem Boden jemals wieder eine Gefahr ausgeht. Die Iraner pflegen deshalb ihre Kontakte zu befreundeten irakischen Politikern intensiv und unterstützen irakische Milizen, die sie gegen die US-Soldaten im Irak in Stellung bringen können. Dafür war wesentlich der iranische General Soleimani zuständig.

Seit Oktober 2019 gehen im Iran viele Menschen auf die Straße und demonstrieren gegen die korrupte, parteiische Regierung, die von Schiiten dominiert wird, und gegen den großen Einfluss des mehrheitlich schiitischen Irans im Land.

Welche Auswirkungen könnten diese Spannungen haben?

1. Der Iran könnte die USA angreifen: Der Iran hat Einfluss auf viele andere Staaten im Nahen Osten – wie auch die USA. Dazu gehören nicht nur der Irak, sondern zum Beispiel auch Syrien, Israel, Libanon und Jemen. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, dass der Iran nun – sozusagen als Racheakt – US-Einrichtungen wie Botschaften in diesen Ländern angreift. Oder direkt in den USA Anschläge verübt. Das gilt aber als eher unwahrscheinlich, denn die USA haben schon angekündigt, in so einem Fall wiederrum selbst reagieren zu wollen.

2. Der Iran könnte US-Verbündete angreifen: Eine andere Möglichkeit könnte sein, dass der Iran Verbündete der USA angreift – wie zum Beispiel Israel, aber natürlich auch Deutschland. Deshalb wird seit Tagen darüber diskutiert, die deutschen Soldaten der Bundeswehr im Irak abzuziehen. Am Dienstag hat die Bundeswehr jetzt 35 Soldaten aus Bagdad und einem weiteren Stützpunkt nach Jordanien und Kuwait verlegt. Schon am Freitag war die Ausbildungsmission im Irak angesichts der aktuellen Sicherheitslage vorsichtshalber vorübergehend ausgesetzt worden. Am Dienstagabend kündigte auch die Nato an, einen Teil ihrer Soldaten zeitweise aus dem Irak abzuziehen.

3. Der Iran könnte dem Schiffsverkehr schaden: Eine dritte Möglichkeit wäre eine wirtschaftliche – zum Beispiel indem der Iran die Straße von Hormus für die Schifffahrt gefährlicher macht, indem er gezielt Schiffe angreift. Oder der Iran könnte die Straße von Hormus einfach dicht machen. Das hätte bei uns Auswirkungen auf den Ölpreis, denn über diesen Weg gelangt momentan das meiste Öl aus dem Nahen Osten in den Westen – also auch nach Deutschland.

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