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Wir merken es auf der Zugfahrt, im Auto oder auf'm Dorf: Deutschland ist das Land der Funklöcher. Aber warum ändert sich nichts daran?

Wie viele Menschen in Deutschland genau vom Mobilfunknetz abgeschnitten sind, darüber gibt es keine verlässlichen Zahlen. Schätzungen zufolge könnten es rund zwei Millionen sein, vor allem im ländlichen Raum. Das hat wohl jeder schon mal zu spüren bekommen. Viel wird sich da aber eher nicht tun – aus Gründen.

Frau am Strand ohne Handynetz; Foto: dpa
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1) Zu wenige Funkmasten

Es gibt einfach zu wenige Mobilfunkmasten in Deutschland, vor allem auf dem Land. Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) hat dem SWR gesagt, dass die Suche nach geeigneten Standorten sehr schwierig sei. Speziell im Südwesten liege das auch an der hügeligen Landschaft.

Schuld sind aber auch die Mobilfunkbetreiber selbst:

2) Das Geschäft lohnt sich nicht

Die drei großen Anbieter Telekom, Vodafone und die O2-Mutter Telefonica konzentrieren sich vor allem darauf, Ballungszentren mit guten Handynetzen zu versorgen – das Geschäft auf dem Land lohnt sich für sie deutlich weniger. Schwach besiedelte Regionen mit neuen Funkmasten auszustatten kann sie mehrere Hunderttausend Euro kosten, sagte SWR-Wirtschaftsredakteur Alexander Winkler. Deutschland zu 100% mit Mobilfunk abzudecken, könnte schnell in die Milliarden gehen.

3) Die Regierung hält sich raus

Ausgerechnet das wirtschaftlich starke Deutschland steht in Sachen Mobilfunknetz ziemlich arm neben anderen EU-Ländern da. Die Menschen in Estland haben es zum Beispiel deutlich besser, sagt Winkler. Das liege vor allem daran, dass der Staat selbst den Netzausbau dort vorantreibe und die Mobilfunkanbieter die Pläne am Ende nur ausführten. In Deutschland sind Telekom, Vodafone & Co. komplett selbst dafür verantwortlich – dementsprechend wenig tut sich auch.

Einigung beim Mobilfunkgipfel

Verkehrsminister Andreas Scheuer; Foto: dpa
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Ganz tatenlos will der zuständige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) aber nicht dastehen: Er hat Vertreter der großen Anbieter Telekom, Vodafone und O2 zum Mobilfunkgipfel nach Berlin eingeladen und mit ihnen vereinbart: In den nächsten gut zwei Jahren sollen rund eine halbe Million Haushalte zusätzlich an das moderne 4G-Mobilfunknetz angeschlossen werden.

Wird mit 5G alles besser?

Vielleicht war das Zauberwort bei dieser Einigung auch: 5G. Denn im kommenden Jahr verteilt die Regierung die Lizenzen für den kommenden super-duper Mobilfunkstandard – ein Milliardengeschäft. Union und SPD haben sich darauf geeinigt, dass diese begehrten Frequenzen nur an die Anbieter vergeben werden, wenn sie dafür das Netz endlich flächendeckend ausbauen.


Autor
Jim-Bob Nickschas
Autor
SWR3