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Der deutsche Strommarkt wird offenbar neu gemischt: Die bisherige RWE-Tochter Innogy soll zerschlagen werden. Was bedeutet das für Mitarbeiter und Kunden?

Was ist überhaupt los?

Die beiden deutschen Energieriesen Eon und RWE wollen den Strommarkt neu unter sich aufteilen. Eon will von RWE die Ökostrom-Tochter Innogy übernehmen. Im Gegenzug soll der langjährige Konkurrent RWE dann am eigenen Unternehmen beteiligt werden.

Eon soll den lukrativen Teil Innogys erhalten, der das Stromnetz betrifft. Der Part mit den erneuerbaren Energien soll unter dem Dach von RWE vereint werden. Das steht in der von beiden Konzernen überraschend veröffentlichten Vereinbarung.

Damit würde Innogy, das RWE erst im Oktober 2016 an die Börse gebracht hatte, zerschlagen.

RWE bekommt demnach zusätzlich zum Geschäft mit den Erneuerbaren auch noch Eons Geschäft mit den Ökoenergien. Eon hingegen soll sich komplett auf Energienetze und Endkundengeschäft konzentrieren.

Was bedeutet das für Innogy-Mitarbeiter?

Eon rechnet nach der Übernahme der Stromnetzsparte von Innogy mit dem Abbau von bis zu 5.000 Arbeitsplätzen. Gleichzeit hofft der Konzern jedoch, im kommenden Jahrzehnt Tausende neue Jobs schaffen zu können. RWE erwartet bei er Umstrukturierung bislang keine Jobverluste.

Eon-Chef Johannes Teyssen warb bei den Mitarbeitern am Dienstag für Vertrauen: „Wir haben großen Respekt vor ihrer Leistung“. Zusammen mit den Eon-Beschäftigten entstehe eine „starke, leistungsbereite und kreative Mannschaft“.

Durch die Übernahme von Innogy gebe es Unsicherheiten bei den Mitarbeitern: „Wenn aber zwei führende Unternehmen ihre Kräfte bündeln und sich so bessere Chancen für die Zukunft erarbeiten, dann bin ich sicher, zahlt sich das auch langfristig für die Mitarbeiter aus“, so RWE-Chef Rolf Martin Schmitz.

Die Gewerkschaft Verdi hat Sicherheit für die Beschäftigten gefordert. „Die mit der Transaktion stattfindende Neuordnung des Energiemarktes in Deutschland muss nach Ansicht von Verdi für die Beschäftigten der betroffenen Unternehmen Arbeitsplatz- und Tarifsicherheit beinhalten“, sagte Andreas Scheidt, Mitglied des Verdi-Bundesvorstandes und stellvertretender Aufsichtsratschef von Eon.

Für jeden betroffenen Mitarbeiter müsste Eon eine faire individuelle Lösung aushandeln, sagte Scheidt weiter.

Was heißt das für Stromkunden?

Erst mal ist das jedenfalls nichts Schlimmes für die Kunden. Verbraucherschützer schätzen, es gebe keine Nachteile. „Die Alternativen und der Wettbewerb sind groß genug“, sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding.

Die Zentrale von Innogy in Essen; Foto: dpa/picture alliance

Die Konzernzentrale von innogy in Essen

dpa/picture alliance

Die großen Stromanbieter hätten ohnehin nicht mehr die Marktmacht vergangener Jahre.

Trotzdem: Jeder Wettbewerber, der vom Strommarkt verschwinde, sei für den Verbraucher „eine traurige Nachricht“, sagte Klaus Müller, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentrale, dem Handelsblatt.

Aber da Innogy ein „eher teurer Grundversorger“ sei, bleibe die Hoffnung darauf, dass Eon die Strompreise senken werde. Doch noch ist der Deal nicht durch.

Geht das denn so einfach?

Nein. Erst mal muss das Kartellamt noch einen Blick auf die Neuaufteilung werfen. Und auch die Gremien beider Konzerne müssen noch zustimmen.

Müller von dem Bundesverband der Verbraucherzentrale sagt, dass die Kartellbehörde einen besonders kritischen Blick auf die Fusion werfen sollte – um sicherzugehen, dass keine Nachteile für Endkunden entständen.

Und hat die Politik gar nichts zu sagen?

Nicht wirklich. Politiker können allerdings ihre Einschätzungen abgeben. Die geschäftsführende Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hat sich eher positiv zu den Plänen geäußert.

Sie sagte: „Es ist gut, wenn es in Deutschland wettbewerbsfähige und international orientierte Energieversorger gibt. Die jetzigen Pläne können dazu ein Beitrag sein.“

Und ihr Nachfolger, der designierte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), reagierte wenig überrascht. Die Entscheidung mache deutlich, „dass die großen Energieversorger sich auf die Energiewende einstellen und neue Geschäftsmodelle etablieren“, sagte er der Rheinischen Post.

Innogy – Das Ende des grünen RWE-Stromtraums

Vor zwei Jahren war es der große Hype: RWE gründet eine Ökostrom-Tochter. Innogy legte einen fulminanten Börsengang hin, der gleich mal rund 5 Milliarden Euro brachte. Heute ist Innogy so gut wie Geschichte. Innogy wird aufgeteilt. SWR3-Topthema von Bertram Quadt.

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Autor
Lena Seiferlin
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SWR3