Gerade erst war der Student Otto Warmbier aus der Haft in Nordkorea in seine Heimat USA zurückgekehrt – dort ist er nun seinen schweren Verletzungen erlegen. Human Rights Watch fordert jetzt härtere Sanktionen gegen das Land.

Die USA stehen unter Schock: Der Fall des Studenten Otto Warmbier hatte bereits viel Aufsehen erregt, nun bestätigt seine Familie den Tod des 22-Jährigen. Er war vergangene Woche im Wachkoma von Nordkorea in seine Heimat ausgeflogen worden.

„Kein anderes Ergebnis als dieses ermöglicht“

Otto Warmbier bei der Verhandlung im März 2016; Foto: dpa/picture-alliance

In einem eine Stunde dauernden Prozess wurde Otto Warmbier zu 15 Jahre Arbeit in einem Straflager verurteilt. Es ist der letzte Beleg dafür, dass es ihm damals – noch einigermaßen – gut ging.

dpa/picture-alliance

Die qualvollen Misshandlungen, denen ihr Sohn in Nordkorea ausgesetzt gewesen sei, hätten kein anderes Ergebnis als dieses ermöglicht, ließen die Eltern mitteilen. Die Ärzte hatten bei Otto Warmbier schwere Hirnverletzungen festgestellt. Noch immer ist unklar, wie genau sie entstanden sind.

Was passierte in der nordkoreanischen Gefangenschaft?

Nordkoreas Regime hatte Otto Warmbier 2016 Straftaten gegen den nordkoreanischen Staat vorgeworfen. Er soll in einem Hotel ein Plakat von der Wand gerissen haben, um es zu stehlen. Eigentlich hatte Warmbier nur für ein paar Tage nach Nordkorea kommen wollen, bevor er ein Auslandsstudium in Hongkong beginnen sollte.

Otto Warmbier; Foto: dpa/picture-alliance

Der US-Student Otto Warmbier habe nach Angaben seines Vaters „neurologische Verletzungen“ in der nordkoreanischen Gefangenschaft erlitten.

dpa/picture-alliance

Doch aus dem kurzen Aufenthalt wurden viele Monate – mit einem furchtbaren Ausgang. Nun spekulieren Ärzte darüber, was den Blutfluss in seinem Gehirn lahmlegte, der den Medizinern zufolge zum Tod von Hirnzellen führte.

Die Eltern sagten, sie seien sicher, dass ihr Sohn während der Gefangenschaft „brutal behandelt und terrorisiert“ worden ist. Laut New York Times soll sich auch ein US-amerikanischer Beamter geäußert haben, der mit dem Fall betraut sei. Demnach sei Warmbier in Haft mehrfach geschlagen und misshandelt worden. Spuren, die das bestätigen würden, konnten die Ärzte aber nicht finden.

Nordkorea: Lebensmittelvergiftung und Schlaftablette sind schuld

Fred Warmbier; Foto: dpa/picture-alliance

Ottos Vater, Fred Warmbier, auf einer Pressekonferenz in Cincinnati

dpa/picture-alliance

Die nordkoreanischen Behörden haben eine ganz einfache Erklärung für Warmbiers Zustand. Sie ließen Warmbier nach diplomatischen Bemühungen von US-Außenminister Rex Tillerson und der schwedischen Anwälte, die den Studenten in Nordkorea vertreten, frei. Ihren Angaben zufolge litt Warmbier an einer äußerst seltenen Fleisch- beziehungsweise Lebensmittelvergiftung. Die können Menschen bekommen, die Verdorbenes oder falsch eingekochtes Gemüse gegessen haben, schreibt die Zeit.

Zusammen mit einer Schlaftablette, die er in diesem kranken Zustand eingenommen haben soll, sei Otto Warmbier dann kollabiert und nicht mehr aufgewacht. Seine Ärzte wollten darüber nicht spekulieren, Hinweise auf eine Vergiftung haben sie jedoch nicht finden können.

„Ein brutales Regime!“

US-Politiker reagierten mit Entsetzen auf die Nachricht, allen voran Präsident Trump. Er bezeichnete die Führung in Nordkroea als „brutales Regime“, sprach der Familie von Warmbier sein Beileid aus:

US-Außenminister Tillerson ging schon einen Schritt weiter und kündigte an, Nordkorea für den Tod des Studenten zur Verantwortung zu ziehen.

Chinesische Agentur stoppt Trips für US-Touristen nach Nordkorea

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat nach Warmbiers Tod härtere Sanktionen gegen Nordkorea gefordert. „Man muss scharfe Sanktionen über das jetzige Maß hinaus erlassen. Nicht wegen der Atomraketen-Tests, sondern wegen der Menschenrechtslage. Nordkorea ist das größte Freiluft-Gefängnis der Welt“, sagte der Deutschland-Direktor von Human Rights Watch, Wenzel Michalski, am Dienstag.

Eine chinesische Reisefirma, die bislang Trips für US-Touristen nach Nordkorea angeboten hatte, hat alle Reisen in das Land jetzt gestoppt. „Das Risiko eines Besuchs Nordkoreas ist für Amerikaner zu groß geworden“, begründete das Unternehmen Young Pioneer Tours seine Entscheidung. Trotzdem bewirbt die Agentur auf der eigenen Website Nordkorea aber als „eines der sichersten Länder der Welt“.