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Kerstin Welter
Kerstin Welter; Foto: Kerstin Welter
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Zu viel Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt ist nie zu empfehlen. Insbesondere nicht für wilde Waschbären, wie sich in Erfurt herausgestellt hat. Denn der taumelnde Bär musste seinen Besuch teuer bezahlen...

Der Waschbär tapste am Samstagnachmittag ziemlich unbeholfen über den Weihnachtsmarkt und wurde sehr schnell zum Thema weltweit: Magazine und Zeitungen berichteten, User teilten Bilder von dem offenbar betrunkenen Bären, der sich an der Haltestelle Fischmarkt unter einem Mülleimer ablegte und zeitweise nicht mehr rührte.

Die Feuerwehr fängt den Waschbären auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt ein – er musst danach erschossen werden; Foto: Reuters News Picture Service - RNPS

So wurde der offenbar betrunkene Waschbär von der Erfurter Feuerwehr abtransportiert.

Reuters News Picture Service - RNPS

Vermutlich von Glühweinresten genascht

Die herbeigerufene Feuerwehr kam und fing den Waschbären in einem Hauseingang ein.

Der Stadtsprecher von Erfurt, Daniel Baumbach, sagte, die zuständige Jagdbehörde habe zunächst keine Zeichen für eine Krankheit bei dem Tier entdeckt – es sei denkbar, dass das Tier Glühweinreste aus weggeworfenen Bechern getrunken habe. Es sei aber auch möglich, dass es Rattengift gefressen habe.

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Stadtjäger musste das Tier erschießen

Zunächst hieß es, das Tier sei in ein Tierheim gebracht worden – dem widersprach der Stadtsprecher aber. Tierheime seien nur für Haustiere verantwortlich, der Waschbär aber sei ein Wildtier.

Und nicht irgend eines, sondern eine „invasive Art“, also eines, das eine Gefahr für heimische Tierarten, zum Beispiel Schlangen und Vögel, darstelle. Außerdem können sie auch Infektionskrankheiten verbreiten.

EU-Verordnung regelt: Invasive Arten müssen bekämpft werden

Gemäß einer EU-Verordnung von 2014 muss der Bestand dieser invasiven Arten eingedämmt werden – Waschbären stehen seit 2016 EU-weit auf der Liste der unerwünschten Tier- und Pflanzenarten. Der Stadtjäger von Erfurt musste den Waschbären deswegen erschießen. Eine Alternative dazu habe es nicht gegeben, so Baumbach. So steht es auch in der Pressemitteilung, welche die Stadt herausgegeben hat.

Neben vielen entsetzten Kommentaren von Waschbär-Fans finden sich im Internet unter #Waschbär auch Fakten zu den Anfängen der Waschbärenpopulation in Deutschland:

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Waschbären plündern gern Mülleimer – in Erfurt lief ein Waschbär über den Weihnachtsmarkt und musste erschossen werden; Foto: imago images / Design Pics

Waschbären sind vielerorts zur Plage geworden – EU-weit stehen sie auf der Liste der unerwünschten Tierarten.

imago images / Design Pics

Heftige Kritik im Internet

Die Verantwortlichen in Erfurt mussten sich mit vielen sehr heftigen Reaktionen beschäftigen, als bekannt wurde, dass der Waschbär getötet wurde: es hagelte Beschimpfungen und sogar Drohungen gegen die Jäger und die Feuerwehr. Die Stadt hält mit Aufklärung und Fakten dagegen: Die Waschbären seien vielerorts zur Plage geworden, in diesem Jahr seien schon 27 Exemplare im Innenstadtbereich gefangen und „tierschutzgerecht“ getötet worden. Das allerdings ohne mediale Aufmerksamkeit – diese hat erst der große Auftritt auf dem Weihnachtsmarkt gebracht.

Waschbären machen auch in Rheinland-Pfalz Probleme

Auch im Südwesten müssen jährlich hunderte Waschbären erlegt werden. In Rheinland-Pfalz leben sie vor allem im Westerwald, Taunus, Eifel und Hunsrück. Sie haben so gut wie keine natürlichen Feinde und breiten sich immer mehr aus.

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