Autor
Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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In Australien wurde ein Elternpaar verurteilt, weil es seine kleine Tochter streng vegan ernährt hat – und das Kind unterentwickelt war. Der Fall dürfte bei vielen vor allem eine Frage aufwerfen: Kann man Kinder vegan ernähren, ohne dass sie in ihrer Entwicklung eingeschränkt werden?

19 Monate alt war das kleine Mädchen aus Australien als es gerade mal so weit entwickelt war, wie ein drei Monate altes Baby. Die Kleine wog gerade mal fünf Kilogramm – Zähne hatte sie noch gar keine.

Deshalb wurden die Eltern – eine 33-jährige Mutter und ein 35-jähriger Vater – am Donnerstag in Sydney zu 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Zum Vergleich: Als Höchststrafe wären fünf Jahre Haft möglich gewesen.

Mit Krämpfen ins Krankenhaus eingeliefert

Dieses Bild des Gerichts zeigt: Das Kind ist nicht vergleichbar mit Gleichaltrigen.; Foto: picture alliance/Hanna Higgins/AAP/dpa

Dieses Bild des Gerichts zeigt: Der Körper des Kindes ist nicht vergleichbar mit dem von Gleichaltrigen.

picture alliance/Hanna Higgins/AAP/dpa

Bekannt geworden war der Fall, weil das Kind mit Krämpfen ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

Auf die Frage, was die Eltern dem Kind zu essen gegeben hätten, antworteten sie: Obst, Haferflocken, Kartoffeln, Reis, Tofu, Brot, Erdnussbutter und Reismilch. Auf Fleisch oder andere tierische Produkte hätten sie strikt verzichtet. Wie lange die Mutter ihr Kind dabei gestillt hat und ob sie selbst Mangelerscheinungen hatte, ist nicht bekannt.

War das Problem wirklich die Ernährung?

Im Prozess hatten sich Mutter und Vater schuldig bekannt, das Kind vernachlässigt und in Gefahr gebracht zu haben. Ob sich die beiden damit nur auf die Ernährungsweise ihrer Tochter bezogen haben oder das Kind auch anderweitig vernachlässigt haben, ist unklar.



Bei der Bekanntgabe des Urteils schluchzten beide. Richterin Sarah Huggett sagte, die Ernährung des Kindes sei „völlig unangemessen“ gewesen:

Es liegt in der Verantwortung aller Eltern dafür zu sorgen, dass die Ernährung ihrer Kinder ausgewogen ist und ausreichend Nährstoffe enthält, um richtig zu wachsen.

Sarah Huggett, Richterin im Fall

Das Kind lebt jetzt bei Verwandten – die leiblichen Eltern dürfen es aber regelmäßig besuchen.

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