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Lena Seiferlin
Lena Seiferlin, SWR3; Foto: SWR3
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Eine Erinnerung an gemachte Versprechen – das ist der Kompromiss, der für die Abschlusserklärung der UN-Klimakonferenz gefunden wurde. Nichtregierungsorganisationen sind gefrustet.

Mit mehr als 36 Stunden Verspätung ist die Weltklimakonferenz COP25 in Madrid geendet. Und mit einer gemeinsamen Abschlusserklärung – aber ohne konkrete Lösungen, wie in internationaler Zusammenarbeit das Klima besser geschützt werden kann. Eine herbe Enttäuschung für all jene, die hofften, dass Klimaschutz ganz oben auf der Agenda der Welt stehen würde.

Ein Kompromiss, der an gegebene Versprechen erinnert

Erst am Sonntagvormittag einigten sich die vertretenen Staaten auf eine Abschlusserklärung. Ihre Meinungen klaffen allerdings weit auseinander. Aus Kreisen der deutschen Delegation hieß es zuvor:

„Es ist ein harter Kampf, hier wenigstens keine Rückschritte zu erleiden.“

Die deutsche Delegation in Madrid

Nun ist die Abschlusserklärung ein Kompromiss geworden. Darin erinnert das Plenum der Weltklimakonferenz alle Staaten an ihre Zusage, im nächsten Jahr ihre Klimaschutzziele für 2030 möglichst zu verschärfen. Dabei geht es um die Versprechen des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015.

Plenum nimmt Abschlusserklärung an; Foto: SWR3.de

Nachrichten Plenum nimmt Abschlusserklärung an

Dauer

Damals wurde vereinbart, dass die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad begrenzt werden soll, möglichst auf 1,5 Grad. Die zugesagten Maßnahmen der Staaten reichen dafür aber bisher bei weitem nicht aus.

„Is COP25 over?“

Daneben ist vor allem Geld das bestimmende Thema: Auch am Sonntag sind sich die Regierungen noch nicht einig darüber, wie der Handel mit Klimaschutz-Gutschriften geregelt werden soll. Dies war eines der wenigen konkreten Verhandlungsziele der diesjährigen UN-Konferenz, die seit dem 2. Dezember tagt.

Auf Twitter wurde ein Account namens @IsCOP25over eingerichtet, der beinahe stündlich fragt – und auch beantwortet –, ob die Konferenz vorbei ist.

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Schlupflöcher beim Emissionshandel vermeiden

196 Staaten und die Europäische Union sind vertreten. Die deutsche Bundesregierung wollte vor allem den Handel mit Emissionspapieren regulieren. Ihre Befürchtung ist, dass Schlupflöcher entstehen könnten. Die würden dann möglicherweise dafür sorgen, dass der Klimaschutz eher ausgebremst würde, etwa dann, wenn solle Gutschriften auf dem Papier doppelt zählen würden.

Deutschland und andere Staaten forderten im Endspurt der Konferenz gemeinsam mit 16 anderen Ländern Mindeststandards für den Handel. Sie veröffentlichten ein Papier, in dem es unter anderem hieß, dass der Schutz der Umwelt gewährleistet sein müsse. Sie forderten zudem ein Verbot, alte Gutschriften aus der Zeit vor dem Pariser Klimaabkommen weiterhin zu nutzen.

Doch die Debatte über den Handel mit Klimaschutz-Gutschriften wurde vertagt, auf das kommende Jahr.

Greta: Entscheidungsträger laufen ihrer Verantwortung davon

Die „Fridays for Future“ und andere Umweltschutzorganisationen haben den Klimagipfel schon vor seinem Ende abgeschrieben. Initiatorin der Bewegung Greta Thunberg sagte, politische Entscheidungsträger versuchten immer noch, vor ihrer Verantwortung davonzulaufen. „Wir müssen dafür sorgen, dass sie das nicht tun können.“

Luisa Neubauer, führende Aktivistin der Bewegung in Deutschland, sagte, die Regierungen seien damit gescheitert, ihre Ambitionen der Krisenrealität anzupassen. „Die COP25 lässt uns nach einem Jahr mit beispiellosen Klimaprotesten ohne signifikanten Fortschritt zurück.“

Brot für die Welt: Entwurf ist „eine Katastrophe“

Nichtregierungsorganisationen hatten schon den Entwurf des Abschlusstextes kritisiert. Eine Vertreterin von Brot für die Welt nannte ihn eine Katastrophe. Nachdem die Abschlusserklärung veröffentlicht worden war, machte die Organisation den Industriestaaten schwere Vorwürfe: „Es ist extrem verantwortungslos, egoistisch und Kurzsichtig, dass sie Finanzzusagen gegenüber den ärmsten Staaten für die Bewältigung von Klimaschäden verwehren“, hieß es in einer Mitteilung.

„Es scheint in den Köpfen der Delegationen aus Industrienationen kein angemessenes Bewusstsein für das Ausmaß der Klimakrise zu geben, das sie angerichtet haben und weiter anrichten und für deren katastrophale Auswirkungen auf die ärmsten Bevölkerungsgruppen.“

Brot für die Welt

Die Umweltschutzorganisation WWF bezeichnete die Beschlüsse als „so müde wie die Delegierten nach zwei durchverhandelten Nächten“ und betonte, die Konferenz sei ein „gruseliger Fehlstart in das für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens so entscheidende Jahr 2020“.

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