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Die Vereinten Nationen warnen vor dem zweiten erheblichen Getreidemangel in diesem Jahrzehnt. Es wurden knapp 30 Millionen Tonnen weniger Weizen und Mais geerntet als verbraucht werden.

Schuld ist unter anderem die Trockenheit – und dass zunehmend mehr Getreide gebraucht wird: Es fehlen knapp 30 Millionen Tonnen vor allem an Mais und Weizen.

Eine Ursache ist die Dürre 2018

Das erwarten sowohl die Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen als auch der Internationale Getreiderat (IGC) in London. Die Experten der UNO erwarten eine Gesamternte auf der ganzen Welt von fast 2,66 Milliarden Tonnen – etwa 30 weniger, als verbraucht werden.

Solch einen Mangel gab es zuletzt im Agrarjahr 2012/2013, als die Farmer in den USA unter den Folgen einer mehrjährigen Dürre litten. Auch jetzt ist die Dürre aus 2018 in weiten Teilen Europas teilweise Ursache für den Mangel. Doch auch der Fakt, dass die Menschen mehr Tiere essen, erzeugt die Lücke zwischen Ernte und Verbrauch.

Das sagt der Vorstandschef Klaus-Josef Lutz des Unternehmens Baywa in München, Europas größter Händler von Agrar-Rohstoffen. „Die Wahrheit ist einfach: Die Menschen wollen mehr Fleisch essen, dazu brauchen wir Getreide.“

Weizen für Menschen, Mais für Tiere, die der Mensch isst

Der angebaute Weizen ist überwiegend direkt für Menschen gedacht, während der größere Teil der Maisernte für die Futterproduktion für Rinder, Schweine und andere „Nutztiere“ verwendet wird. Auch Lutz sehe, dass es einigerseits die rückläufige Produktion, andererseits aber den höheren Verbrauch gebe.

Maiskolben; Foto: (c) dpa

Ein Maiskolben

(c) dpa

„Das ist das dritte und vierte Jahr in Folge, dass klimatische Kapriolen uns das Geschäft schwer machen“, sagt der Vorstandschef allerdings. 2018 sei nicht der Ausreißer gewesen. Die Folgen des knappen Weizens sind schon jetzt spürbar.

Hungersnöte werden nicht erwartet

Die Erzeugerpreise für Mais und Weizen, also das, was die Hersteller verlangen, sind laut Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie im Januar sind im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 Prozent angestiegen. Die Preise für andere Lebensmitteln hingegen kaum. Und schon im vergangenen Jahr gab es bei Brot und anderen Getreideprodukten im Durchschnitt größere Preiserhöhungen als bei anderen Lebensmitteln.

Ein Minus in der Getreideernte bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Hungersnöte drohen. Die Lagerhäuser und Speicher auf der ganzen Welt sind gut gefüllt. In den Vorjahren war die Getreideproduktion zunächst deutlich angestiegen – wegen des wachsenden Bedarfs. Der Internationale Getreiderat in London geht aber davon aus, dass die weltweiten Vorräte sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr schrumpfen werden.

Autor
SWR3