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Wer sind die aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Chefin? Das sind die drei Favoriten: Jens Spahn, Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer. Wir stellen sie vor.

Jens Spahn

– ein Kurzportrait von Berlin-Korrespondent Dirk Rodenkirch –

Jens Spahn; Foto: dpa/picture-alliance

Jens Spahn

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Jens Spahn gilt als der Außenseiter im Rennen um den CDU-Vorsitz. Als der Unerfahrene, als derjenige, der noch warten kann. Aber warten ist nicht das Ding des 38-Jährigen.

Ich hör 38 wäre hier noch blutjung. Wenn man mit 38 noch blutjung ist in der CDU ist das vielleicht auch Teil es Problems.

Jens Spahn

Schon mit 22 zog der gelernte Bankkaufmann aus dem Münsterland in den Bundestag ein, machte sich als Merkel-Kritiker einen Namen und bekam Mitte März 2018 dennoch den Posten als Gesundheitsminister. Und Jens Spahn ist bereit für den nächsten Schritt, den Neuanfang der CDU anzuführen. Er fordert einen echten Generationenwechsel, für den seine Mitwerber aus Spahns Sicht eben nicht stehen.

Die Lage braucht keine Kontinuität und kein zurück in die Vergangenheit. Was wir brauchen ist ein echter Neustart, Mut zum Aufbruch.

Jens Spahn

Spahns Selbstbewusstsein scheint grenzenlos. Auch Kanzler traut er sich zu, ist aber schlau genug zu sagen, dass das nicht sofort sein muss.

Eins kann ich ihnen jedenfalls versprechen: Wenn ich Parteivorsitzender werde, wird meine erste Frage im Kopf nicht sein, wie komm ich jetzt zum nächsten Amt.

Jens Spahn

Er habe die Zeit, die Ruhe und die Gelassenheit mit der Bundeskanzlerin, mit Angela Merkel, weiter zu arbeiten. Der Rest, weiß Spahn, ergibt sich dann als CDU-Chef sowieso von selbst.

Friedrich Merz

– ein Kurzportrait von Berlin-Korrespondent Uwe Lueb –

Friedrich Merz; Foto: dpa/picture-alliance

Friedrich Merz

dpa/picture-alliance

Friedrich Merz will noch mal durchstarten, CDU-Chef werden und mit der CDU andere Wahlergebnisse erreichen als zuletzt.

Bis zu 40% und die AfD in den Parlamenten halbiert. Das geht. Und ich traue mir das zu.

Friedrich Merz

Zugetraut hat sich Merz in seinen 63 Lebensjahren Einiges. Schon immer lebt er im Sauerland. Von dort zieht der Jurist ins Europaparlament ein, später in den Bundestag, wird im Jahr 2000 Vorsitzender der Unionsfraktion. Zwei Jahre später verdrängt ihn Angela Merkel. Merz wechselt von der Politik in die Wirtschaft, verdient viel Geld. Auf die Frage, ob er Millionär ist, druckst er rum. Auf die wiederholte Frage, warum er nicht einfach ja sagt, antwortet er:

Ich liege jedenfalls nicht drunter.

Friedrich Merz

Jetzt möchte er zurück in die Politik. Sein Angebot an die CDU: ein anderes Profil.

Ich bin von meiner ganzen Überzeugung und Neigung her ein wirtschaftsliberaler, ein wertkonservativer und ein sozialpolitisch engagierter Mensch.

Friedrich Merz

Im innerparteilichen Wahlkampf grenzt Merz sich von Merkel ab, positioniert sich weiter rechts. Er stellt das individuelle Asylrecht in Frage, kassiert das aber wieder ein. Doch die Episode zeigt: Es könnte spannend werden zwischen ihm und Bundeskanzlerin Merkel. Auch, wenn Merz sagt, das gehe gut. Denn es komme erst das Land und dann die Partei.

Annegret Kramp-Karrenbauer

– ein Kurzportrait von Berlin-Korrespondent Julia Barth –

Annegret Kramp-Karrenbauer; Foto: dpa/picture-alliance

Annegret Kramp-Karrenbauer

dpa/picture-alliance

„Ich weiß, mein Name ist kompliziert“, gibt Annegret Kramp-Karrenbauer gerne selber zu. Seit 34 Jahren trägt sie den Zungenbrecher-Doppelnamen, seit ihrer Hochzeit mit dem Bergbauingenier Helmut Karrenbauer. Drei Kinder haben die beiden – ein Grund, weshalb die Saarländerin sich durchaus schwer damit getan hat, in der Politik durchzustarten.

Eine Entscheidung, die ich nur deshalb treffen konnte, weil ich in dem Moment mit meinem Mann die Rollen getauscht habe und klar war, mein Mann bleibt dann für diese Zeit auch fest zuhause.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Bundestagsabgeordnete, erste Innenministerin in einem deutschen Bundesland, Ministerpräsidentin des Saarlandes und aktuell: CDU-Generalsekretärin. Ihre Karriere kann sich sehen lassen. Ihre Erfolge auch. Nicht umsonst betont Kramp-Karrenbauer im parteiinternen Wahlkampf gerne ihre Erfahrung in Regierungs- und Parteiämtern – und ihre Wahlsiege an der Saar.

Ich weiß, wie gut sich 40% anfühlen und ich will, dass 40% wieder die Erfolgsziffer für die CDU Deutschlands wird.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern setzt AKK, wie sie kurz genannt wird, auf eine Art Umarmungstaktik. Die 56-Jährige betont vor allem das C in der Partei. Denn sie ist sehr konservativ, wenn es um gesellschaftspolitische Themen geht. Ihr erklärtes Ziel: Mit ihrer Politik alle Flügel der Partei mitnehmen und einbinden.

Der politische Gegner sitzt immer in den anderen politischen Parteien. Er sitzt nie in den eigenen Reihen.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Dabei verspricht sie – auch in Abgrenzung zu Angela Merkel – ein Stückchen mehr Basisdemokratie und mehr Debatte in der CDU. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Kanzlerin dürfte ihr von allen drei Kandidaten allerdings am leichtesten fallen.

Autor
Svenja Maria Hirt
Autor
SWR3