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Rauchende Cowboys vor Kinofilmen, E-Zigaretten auf Plakatwänden – damit soll Schluss sein, fordert die Bundesärztekammer. Wie der Rest der EU solle auch Deutschland Werbung für Tabakprodukte komplett verbieten.

Seit Monaten verhandelt die Große Koalition über ein Werbeverbot für Tabakprodukte. Aktuell ist Tabakwerbung zwar in Radio, Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften schon verboten. Plakat- und Kinowerbung sind aber noch erlaubt. Zur Diskussion steht jetzt ein komplettes Werbeverbot – sowohl für normale als auch für elektronische Zigaretten.

Bundesärztekammer fordert generelles Werbeverbot

Plakatwerbung für eine Zigarettenmarke an einer Hauswand; Foto: imago images / Peter Endig

Sollte es nach Ansicht der Bundesärztekammer nicht mehr geben: Außenwerbung für Zigarettenmarken.

imago images / Peter Endig

Bisher stand die Union einer strengeren Regelung im Weg, nun hat sie ihren generellen Widerstand aufgegeben. Dass sich die Regierungsparteien dennoch seit Monaten nicht einigen können, sorgt für Frust bei den Befürwortern eines Verbotes.

Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, sagte der Deutschen Presseagentur, die langwierige Diskussion sei „trostlos“. Er nannte es „unverständlich“, dass Deutschland als letztes Land der EU noch kein generelles Werbeverbot für Zigaretten und E-Zigaretten durchgesetzt habe.

Jugendliche besonders anfällig für Tabakwerbung

Gegenüber der dpa sagte Reinhardt, ein Verbot von Tabakwerbung sei notwendig, um die Gesundheit von Jugendlichen besser zu schützen. Diese seien nämlich besonders anfällig für die Klischeebilder in der Werbung. Nicht alles was legal sei, müsse auch beworben werden, so Reinhardt.

Da kann man der Industrie nicht entgegenkommen. Rauchen ist schädlich, Punkt.

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer

Merkel offen für Werbeverbot

Die Zigarettenbranche lehnt ein komplettes Werbeverbot ab. So eine Regelung sei ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Werbefreiheit. Ob Minderjährige zu rauchen beginnen, hinge vor allem davon ab, ob auch in der Familie und im Freundeskreis geraucht wird. Jugendschutz ist für Branchenvertreter deshalb kein Argument gegen Zigarettenwerbung.

Unterstützung bekommen die Pläne, Tabakwerbung komplett zu verbieten, hingegen von der SPD und der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig (CDU). Auch Kanzlerin Angela Merkel hatte sich bereits für eine strengere Regelung ausgesprochen. Bis Ende des Jahres wolle sie „eine Haltung“ zu der aktuellen Diskussion bekanntgeben.