Autor
Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Hallstatt – das ist ein kleiner, hübscher Ort in Österreich mit magischem Flair, vor allem im Winter. Das denken wohl auch Fans des Disneyfilms Frozen II – sie spekulieren, dass Hallstatt das Vorbild für Elsas Königreich ist. Aber der Bürgermeister von Hallstatt will davon nichts wissen.

Aber von Anfang: Hallstatt in Österreich ist berühmt – vor allem in China. Denn 2011 wurde dort eine Kopie der malerischen Ortschaft gebaut. Das hat nicht nur für ein riesiges Medienecho gesorgt, sondern dem österreichischen Städtchen auch Scharen chinesischer Touristen eingebracht, erzählt Bürgermeister Alexander Scheutz im Interview mit dem Magazin Spiegel.

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Jahre zuvor hatte es außerdem bereits eine südkoreanische TV-Serie gegeben, in der ein Liebenspaar eine Verlobungsreise nach Hallstatt macht. Der Hype war geschaffen – und hält sich bis heute. Auf die Frage, was den Touristen an Hallstatt wohl so gefällt, antwortet der Bürgermeister:

Was die Menschen lockt, vermute ich, ist das Überschaubare, das Liebliche, das Kleine. Der See, der Berg, die Enge.

Alexander Scheutz, Bürgermeister von Hallstatt

Enge gibt es in Hallstatt genug: Die Ortschaft zählt gerade mal 778 Einwohner und besteht vor allem aus alpinen Gassen und Häusern aus dem 16. Jahrhundert. Dazu kommen dann noch zahlreiche Touristen. Laut Bürgermeister Scheutz hat sich die Anzahl der Übernachtungen in Hallstatt seit 2010 mehr als verdoppelt – von rund 70.000 im Jahr auf rund 140.000. Und dabei sind Tagestouristen noch gar nicht eingerechnet. 2019 hatte Hallstatt schätzungsweise mehr als eine Million Besucher.

Tourismus ist Fluch und Segen zugleich

Das führt natürlich dazu, dass das Städtchen viel Geld einnimmt, was Scheutz ausdrücklich freue, aber durch die vielen Touristen kommt es auch immer wieder zu Problemen. Zum Beispiel weil viele Touristen mit Bussen anreisen, die dann auf den Landstraßen um die Ortschaft abgestellt werden und den Verkehr behindern. Außerdem sei in dem kleinen Örtchen dadurch immer viel los – zum Leidwesen der Anwohner.

Ich bin stolz auf die Entwicklung und finde es toll, dass es den Menschen hier wirtschaftlich gut geht. Zugleich leiden die Hallstätter unter dem Boom, die Lebensqualität nimmt ab.

Alexander Scheutz, Bürgermeister von Hallstatt

Was hat nun Frozen mit alldem zu tun?

Dabei könnte der Andrang bald noch mehr werden: Seit Kurzem kursiert in den sozialen Medien das Gerücht, dass Arendelle, das Reich von Eiskönigin Elsa, durch Hallstatt inspiriert sein könnte. Dieser Fakt könnte der – ohnehin schon überlaufenen – Gemeinde noch mehr Touristen bescheren. Für Bürgermeister Scheutz keine schöne Vorstellung.

Das ist zusätzliche Werbung für uns – und wir halten das nicht mehr aus. Die vielen Touristen, die ohnehin inzwischen zu uns kommen, sind eine enorme Belastung für die Bevölkerung.

Alexander Scheutz, Bürgermeister von Hallstatt

Außerdem findet er, dass Hallstatt kein bisschen Ähnlichkeit mit Elsas Königreich hat. Schließlich gebe es dort eine Burg, deren Mauern einen Berg hinaufführen – in Hallstatt sei an dieser Stelle dagegen eine Standseilbahn. Außerdem meint Scheutz: „Und die Häuser am Wasser, so etwas sieht man doch auch anderswo, zum Beispiel in Deutschland am Rhein“.

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Laura Bisch
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