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Tim Stobbe
Tim Stobbe, SWR3; Foto: SWR3
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Wie sicher können Konsumenten sein, keine Wurst mehr des hessischen Produzenten Wilke auf dem Teller zu haben? Von den Rückrufen sind auch Betriebe in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz betroffen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

In den bundesweit verkauften Wurstwaren wurden in mehreren Fällen Keime entdeckt. Sie werden mit zwei Todesfällen und Dutzenden von Erkrankten in Verbindung gebracht. Auch Betriebe in Rheinland-Pfalz haben Wurst des Herstellers Wilke gekauft – beispielsweise Großhändler oder Supermärkte. Das Landesuntersuchungsamt in Mainz sagte dem SWR, der Rückruf laufe zwar. Möglicherweise sei aber immer noch Wilke-Wurst im Verkauf.

Die Behörden in Baden-Württemberg erklärten, nach jetzigem Stand lägen keine Informationen über keimbelastete Wilke-Wurst vor. Auch der Möbelkonzern IKEA hatte Aufschnitt von Wilke in seinen Restaurants angeboten. Er hat den Verkauf aber bereits am vergangenen Mittwoch gestoppt.

Wie viel Wilke-Wurst ist noch im Umlauf?

Die Behörden haben zum Stand der Rückrufaktion und den betroffenen Firmen bisher keine Angaben gemacht. Dennoch dürfte ein Großteil der Wilke-Waren in Deutschland aus dem Verkehr gezogen sein: Nachdem der Fall vergangene Woche bekannt wurde, nahmen viele Unternehmen die Produkte aus den Regalen. Großhändler informierten ihre Kunden. Auch die Namen der Fremdmarken mit Wilke-Fleisch sind bekannt. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hält es aber für wahrscheinlich, dass noch Wilke-Produkte in Umlauf sind.

Woran erkennen Verbraucher betroffene Produkte?

Laut den Unternehmen befindet sich auf den Verpackungen das ovale Identitätskennzeichen „DE EV 203 EG“. Betroffene Produkte können im Einzelhandel zurückgegeben werden. An der Wursttheke oder in Kantinenessen sind Wilke-Produkt nicht zu erkennen, hier müssen sich Verbraucher auf den Betreiber verlassen. Das Land Hessen empfiehlt Kunden, bei Zweifeln gezielt nachzufragen.

Welche Keime wurden in Wilke-Wurst festgestellt?

In den Produkten wurden Listerien nachgewiesen. Diese Bakterien kommen in der Natur vor und können die sogenannte Listeriose hervorrufen. Daran erkranken nur wenige Menschen: Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig. Mitunter lassen sich leichte, grippeähnliche Symptome feststellen. Gefährlich ist die Infektion für Menschen, deren Abwehr geschwächt ist und für Schwangere. Die Zahl der jährlichen Krankheitsfälle in Deutschland schwankt zwischen 300 und 600 Fällen. Im Durchschnitt enden sieben Prozent tödlich. Listeriose gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen mit der höchsten Sterberate. Allerdings enthält nicht jedes Wilke-Produkt zwangsläufig Keime.

Wie stand es um die Hygiene bei Wilke?

Medienberichte über langjährige eklatante Hygienemängel haben die Behörden bisher nicht kommentiert. Sicher ist, dass Wilke seit Monaten wegen Listerienfunden auffällig war und deshalb Besuch von Aufsichtsbehörden bekam. Das Unternehmen sei „seiner Verantwortung als Lebensmittelunternehmen nicht vollumfänglich nachgekommen“, erklärte das hessische Umweltministerium.

Gab es Versäumnisse beim Krisenmanagement?

Die Behörden hielten es zunächst nicht für nötig, Listen mit Wilke-Produkten zu veröffentlichen. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg erklärte, die Fleischwaren seien nur unter dem Firmennamen verkauft worden. Wie später bekannt wurde, gab es aber auch Handelsmarken mit Wilke-Fleisch. Vollständige Listen der belieferten Unternehmen fehlen weiter: Laut dem Land Hessen legte Wilke eine Listen der direkten Kunden vor, die Großhändler umfasst. Wie die Ware nach mehreren Vertriebsstufen im Einzelhandel landete, sei unbekannt. Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler sagte, der Fall zeige, dass die durch europäisches Recht vorgeschriebene Rückverfolgbarkeit von Waren nicht funktioniere.

Wie sind die Behörden auf Wilke aufmerksam geworden?

Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren muss der Fleischhersteller Wilke in Nordhessen die Produktion stoppen; Foto: picture alliance/Uwe Zucchi/dpa

Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren muss der Fleischhersteller Wilke in Nordhessen die Produktion stoppen

picture alliance/Uwe Zucchi/dpa

Dem Robert-Koch-Institut waren bundesweit Patienten aufgefallen, die an Listeriose erkrankt waren und deren Erkrankung vermutlich auf eine gemeinsame Infektionsursache zurückzuführen ist. Das Institut hatte seine Informationen daraufhin den Lebensmittelbehörden für Ermittlungen zur Verfügung gestellt. Nach Angaben des Landkreises Waldeck-Frankenberg hatte es in Südhessen zwei Todesfälle bei älteren Personen gegeben. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass „ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Verzehr von Wurstprodukten besteht“, sagte ein Sprecher des Kreises Waldeck-Frankenberg.

Gibt es andere Listeriose-Fälle?

Einen ähnlichen Fall gibt es in den Niederlanden. Dort hat der niederländische Wurstwarenbetrieb Offerman nach eigener Darstellung die gesamte Produktion der betroffenen Fabrik aus dem Handel genommen. Die Gesundheitsbehörden hatten festgestellt, dass in den vergangenen zwei Jahren drei Menschen durch Listerien in Wurstwaren dieser Firma gestorben waren. Auch in Spanien gab es in diesem Sommer einen Listeriose-Ausbruch. Mindestens vier Tote und 216 Infizierte sollen nach Behördenangaben gezählt worden sein. Sieben Schwangere sollen ihre ungeborenen Babys verloren haben.