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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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Den Amazon-Konzern gibt es jetzt schon 25 Jahre. Immer wieder steht der Online-Händler wegen schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik. Jetzt hat eine US-Show Amazon genau unter die Lupe genommen.

John Oliver hat im amerikanische Fernsehen eine eigene Show. In „Last Week Tonight“ spricht er über Politik, Fußball und viele andere Dinge. In seiner letzten Sendung hat er Amazon zum Thema gemacht. Konkret ging es um die Arbeitsbedingungen bei dem Online-Versandhändler.

John Oliver kritisiert Amazon
John Oliver bei einer Preisverleihung; Foto: picture alliance/AP/Invision

John Oliver bei einer Preisverleihung.

picture alliance/AP/Invision

Oliver zeigt, was wirklich passiert, wenn man auf den Bestell-Knopf drückt. Sein Ergebnis: Es muss schnell gehen – immer. Die Mitarbeiter bekommen laut dem Bericht kaum Toilettenpausen und müssen weite Strecken in den Lagerhallen zurücklegen.

Die Kritik war – wie in der Show üblich – in Humor verpackt. An der ein oder anderen Stelle blieb den Zuschauern dann aber doch das Lachen im Hals stecken.

Amazon ist der Michael Jackson des Versandhandels: Am besten in dem, was es tut, niemand versucht auch nur, das nachzumachen, und niemand, der Hintergründe erfährt, ist glücklich darüber.

John Oliver in „Last Week Tonight“

Amazon hat mittlerweile auf den Bericht reagiert. Auf Twitter teilte Amazon-Mitarbeiter Dave Clark Senior mit, dass er zwar Fan der Show sei und gerne zusieht, wenn Oliver die Mängel bei Unternehmen und Regierungen aufzeigt – aber dieses Mal würde die Kritik nicht stimmen.

Wie sind die Amazon-Arbeitsbedingungen in Deutschland?

In den letzten Jahren gab es bei Amazon eine positive Entwicklung. Der Konzern ist auf seine Mitarbeiter zugegangen. Als Einstiegsgehalt wird mehr als der Mindestlohn gezahlt, es gibt Weihnachtsgeld und die Versandzentren haben mittlerweile Gesundheitsmanager, die sich um die Arbeitsbedingungen an jedem Standort kümmern sollen.

SWR3 Onlineredakteur Alexander Winkler; Foto: SWR3/Stephanie Schweigert

SWR-Wirtschaftsredakteur Alexander Winkler

SWR3/Stephanie Schweigert

„Mein Eindruck ist allerdings, Amazon tut damit nur das mindeste, dass die Stimmung in der Belegschaft gerade so nicht kippt“, sagt SWR-Wirtschaftsredakteur Alexander Winkler. Amazon lehne Tarifverträge weltweit ab und die Belastung für alle Mitarbeiter sei extrem hoch. „Da kommen teils Laufwege von 15 Kilometern am Tag zusammen und Arbeitsplätze lassen sich oft nicht auf große oder kleine Mitarbeiter anpassen – das sorgt für Rückenprobleme“, erklärt Winkler weiter.

Die Gewerkschaft Verdi hat schon mehrfach Streiks organisiert, auch am Amazon-Standort Pforzheim. Allerdings beteiligt sich nur ein Bruchteil der Angestellten daran. „Mir haben schon Beschäftigte erzählt, dass sie froh sind, dass sie einen Job haben – sei es, weil sie vorher arbeitslos waren, oder weil die Bedingungen woanders noch schlechter sind“, so Winkler. Und viele hätten auch nur befristete Verträge und wollen eine Weiterbeschäftigung nicht aufs Spiel setzen.


NDR-Reporter Kaveh Kooroshy hat 2017 verdeckt bei Amazon in Winsen an der Luhe gearbeitet. Was er erlebt hat, erzählt er hier:

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