Es geht in Washington gerade ziemlich viel um Zahlen: Wie viele Menschen haben beim „Women's March“ gegen den 45. Präsidenten der USA demonstriert? Und noch viel brisanter: Wie viel sind wirklich zu seiner Amtseinführung gekommen?

US-Regierungssprecher Sean Spicer hat den Medien eine falsche Berichterstattung über die Vereidigung Donald Trumps als Präsident vorgeworfen. Die Presse habe den Eindruck erwecken wollen, dass deutlich weniger Menschen zur Amtseinführung in Washington gekommen seien, als dies der Fall gewesen sei, sagte Spicer am Samstagabend.

Dies war das größte Publikum, das je bei einer Vereidigung dabei war. Punkt.

Regierungssprecher Sean Spicer

Spicer kritisierte insbesondere, dass Fotos auf Twitter eingestellt worden seien, die große leere Flächen auf dem Parkstreifen vor dem Kapitol zeigten, wo Trump am Freitag den
Amtseid ablegte. "Solche Versuche, den Enthusiasmus über die Vereidigung zu mindern, sind beschämend und falsch", sagte der Sprecher.

Trump will Medien zur Rechenschaft ziehen

In den Medien werde viel darüber geredet, dass es eine Pflicht gebe, Trump zur Rechenschaft zu ziehen. „Ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass das für beide Seiten gilt. Wir werden die Presse ebenso zur Verantwortung ziehen.“ Spicer ließ keine Fragen der Journalisten zu. Er äußerte sich, nachdem am Samstag mehr Teilnehmer zu einer Demonstration von Frauen gegen Trump gekommen waren, als erwartet.

Auch Trump selbst hatte sich schon beschwert, dass in Berichten die Zuschauerzahlen bei seiner Amtseinführung zu niedrig gewesen seien:

Trump Inflates Numbers at His Inauguration

President Trump is spending his first full day as president lying about inauguration crowds

Posted by NowThis Politics on Saturday, January 21, 2017

Luftaufnahmen sprechen gegen Trumps Aussage

Luftaufnahmen zeigen, dass sich am Freitag deutlich weniger Menschen auf dem Washington Mall versammelten als bei der Amtseinführung von Trumps Vorgänger Barack Obama vor acht Jahren. Nach Behördenschätzungen kamen damals 1,8 Millionen Zuschauer, so viele wie noch nie. Zu den kompletten Teilnehmerzahlen in diesem Jahr lägen keine Zahlen vor, sagte Regierungssprecher Spicer. Der für 720.000 Menschen vorgesehene Platz sei aber voll gewesen, als Trump seinen Eid abgelegt habe.

Ein Zeitraffer-Video des US-Senders PBS zeigt, wie viele Menschen auf den Streifen vor dem Kapitol gekommen sind – und zwar bis zum gleichen Zeitpunkt, an dem das Vergleichs-Foto im Jahr 2017 geschossen wurde.

Auch in der Washingtoner Metro weniger Menschen

Statistiken der Washingtoner Verkehrsbetriebe zufolge nutzten 2017 eine Stunde, bevor der Amtseid abgenommen wurde, deutlich weniger Menschen die U-Bahn als 2009: Während dieses Jahr um 11.00 Uhr 193.000 Fahrgäste in die Bahnen der Hauptstadt strömten, waren es 2009 zur gleichen Uhrzeit 513.000. Am Samstag zum Zeitpunkt des Frauen-Marsches seien es um 11.00 Uhr 275.000 Fahrgäste gewesen.

Trump hat seit langem ein angespanntes Verhältnis zu den Medien. Mehrfach hat er ihnen im Wahlkampf vorgeworfen, falsch über ihn zu berichten. Monatelang gab er keine
Pressekonferenzen, sondern wandte sich bevorzugt über Twitter an die Öffentlichkeit.