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Die USA fordern von Großbritannien die Auslieferung von Wikileaks-Gründer Julian Assange, um ihm den Prozess zu machen. Nun hat die US-Justiz die Anklageschrift erweitert - es drohen bis zu 175 Jahre Haft.

Die US-Justizbehörden haben die Anklage gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange deutlich verschärft und 17 neue Punkte hinzugefügt. Für jeden davon gäbe es nach Angaben des US-Justizministeriums maximal zehn Jahre Haft – Assange würde damit im Fall einer Auslieferung an die USA und einer Verurteilung eine Höchststrafe von insgesamt bis zu 175 Jahren im Gefängnis drohen.

Jetzt auch Spionagevorwurf gegen Assange

Assange ist in Großbritannien wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen zu 50 Wochen Haft verurteilt worden und sitzt dort in Haft. Die USA, die ihm Verschwörung mit der amerikanischen Whistleblowerin Chelsea Manning vorwerfen, haben offiziell einen Auslieferungsantrag gestellt. Nach der neuen Anklageschrift, die die bisherige wegen der Veröffentlichung von Geheimdokumenten ersetzt, wird der 47-jährige nun auch unter dem US-Spionagegesetz angeklagt. Assange wird darin unter anderem beschuldigt, in Zusammenarbeit mit Manning geheime Dokumente zur nationalen Verteidigung erhalten und veröffentlicht zu haben. Weil er dabei die Klarnamen von US-Informanten genannt habe, habe Assange diese Menschen großer Gefahr ausgesetzt.

Whistleblowerin Chelsea Manning und Wikileaks sind eng verbunden

In der alten Anklageschrift warfen die US-Behörden Assange lediglich Verschwörung mit Chelsea Manning vor, um ein Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken. Manning hatte im Jahr 2010 schwere Verfehlungen von US-Militärangehörigen unter anderem im Irak und in Afghanistan über Wikileaks öffentlich gemacht. Ein Video zeigte unter anderem, wie eine US-Hubschrauberbesatzung im Irak Zivilisten tötete. Das Video war der erste große Enthüllungserfolg von Wikileaks. Chelsea Manning – die von Ex-US-Präsident Obama begnadigt worden war – sitzt derzeit wieder in Beugehaft, weil sie sich weigert, über Assange auszusagen.

USA verschärfen Anklage gegen Assange: es drohen bis zu 175 Jahre Haft; Foto: picture alliance/Dominic Lipinski/PA Wire/dpa

Wikileaks-Gründer Julian Assange bekommt Unterstützung von Demonstranten, nachdem die USA und Schweden Auslieferungsanträge gestellt haben.

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Tauziehen mit Schweden um die Auslieferung

Neben den USA hat allerdings auch die schwedische Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen Julian Assange beantragt – wegen des Verdachts der Vergewaltigung. Der gebürtige Australier hatte sich 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen. Assange behauptete stets, die Vorwürfe in Schweden seien nur ein Vorwand, um ihn festnehmen und an die USA ausliefern zu können. Am 11. April dieses Jahres wurde Assange schließlich festgenommen, nachdem ihm die Regierung in Quito das Botschaftsasyl entzogen hatte.