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Coffee-to-go im Mehrwegbecher, Stoffbeutel beim Einkaufen und Wasser aus der Leitung statt aus der Plastikflasche. Viele Menschen versuchen auf Plastik zu verzichten. Da ist das sogenannte Bio-Plastik doch eine gute Alternative? Nein, sagen Wissenschaftler jetzt.

Es gibt Tüten aus sogenanntem Bio-Plastik. Sie werden als Mülltüten oder Hundekotbeutel angeboten und machen beim Kaufen ein gutes Gewissen. Jetzt haben sich Forscher das Material einmal genauer angeschaut und haben leider keine gute Nachricht für uns: Der biologisch abbaubare Kunststoff ist gar nicht so gut wie gedacht.

Tragetasche aus Bioplastik; Foto: picture alliance / Karl Schöndor

Experten raten, auf solche Plastiktüten zu verzichten.

picture alliance / Karl Schöndor

Bio-Plastiktüten belasten Natur länger als gedacht

Die Wissenschaftler aus Großbritannien haben untersucht, wie lange die Tüten wirklich brauchen, um sich abzubauen. Dafür besorgten sie sich in Geschäften normale Plastiktüten und Tüten aus biologisch abbaubaren, kompostierbaren und oxo-abbaubaren Kunststoffen. Drei Jahre lang beobachteten sie, wie gut sich der sogenannte Bio-Plastik wirklich auflöst.

Die Forscher, die zum Team „Meeresabfälle“ der Universität Plymouth gehören, setzten die Tüten normaler Luft aus, vergruben sie in Erde und legten sie in Meerwasser – eben genauso wie viele weggeworfene Plastiktüten enden. Die Erkenntnisse sind ernüchternd, denn das Plastik belastet die Natur länger als viele Menschen denken.

Wie werden Plastiktüten abgebaut?

Im Fachmagazin Environmental Science & Technology berichten die Forscher, dass nur die Plastiktüten, die Luft, Licht und Sonne ausgesetzt waren, komplett zerfielen. Die anderen waren alle noch da — und teilweise sogar noch so gut erhalten, dass sie bis zu zwei Kilogramm Gewicht tragen konnten. Am besten schnitten noch die Tüten aus kompostierbarem Kunststoff ab. Nach drei Jahren im Meerwasser hatten sie sich komplett aufgelöst. Die, die in die Erde eingegraben waren, waren zwar nicht verschwunden – sie hatten aber als einzige ihre Belastbarkeit verloren.

Wie die Wissenschaftler die Plastiktüten untersucht haben, ist in diesem Video zu sehen:

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Naturschützer raten von Bio-Plastiktüten ab

Aufgrund ihrer Ergebnisse kritisieren die Wissenschaftler die Bezeichnung von biologisch abbaubarem oder kompostierbaren Plastik. Naturschutzverbände raten schon seit längerem von Plastiktüten aus Biokunststoff ab. Einige Müllabfuhren nehmen Tonnen, in denen solche Plastiktüten sind, gar nicht mit, weil sie nicht für die ortsansässige Müllanlage geeignet sind. Nicht nur im Biomüll können sie Probleme machen, auch das Recycling ist problematisch. In der Kunststoffverwertung werden Maschinen eingesetzt, die das Bioplastik nicht erkennen. So werden die Tüten mit dem normalen Hausmüll verbrannt.

Der NABU warnt außerdem davor, dass Bioplastik aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr oder Maisstärke hergestellt werden. Die müssten auf großen Felder angebaut werden und damit trete das Produkt in Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion.

Autor
Isabel Gebhardt
Autor
SWR3