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Wer seine Organe nicht spenden will, muss in den Niederlanden ab 2020 der Organspende widersprechen. Sonst gilt man als Spender. Das hat das niederländische Parlament mit knapper Mehrheit beschlossen. In Deutschland gilt das umgekehrte Prinzip: Man muss der Spende zustimmen. Das führt offenbar dazu, dass es immer weniger Organspender gibt.

Die Niederlande ändern ihr Gesetz zur Organspende. Ab 2020 gilt jeder über 18 automatisch als Spender. Ähnliche Regelungen gibt es schon in vielen anderen Ländern, unter anderem in Spanien und Belgien. Wo die Organspende wie geregelt ist, zeigt das Video:

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Historischer Tiefstand in Deutschland

In Deutschland gibt immer weniger Organspender. Nachdem bereits im vorletzten Jahr von einem historischen Tief gesprochen wurde, soll die Zahl im vergangenen Jahr erneut gefallen sein – von 834 auf 769. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, habe Deutschland mit dem erneuten Rückgang auch die kritische Marke von 10 Spendern pro eine Million Einwohner unterschritten. Demnach gibt es hierzulande nur noch 9,3 Spender pro eine Million Einwohner. Die Zahlen sollen aus dem noch unveröffentlichten Jahresbericht der Stiftung Eurotransplant hervorgehen.

OP an einem Spenderherz; Foto: dpa/picture-alliance

OP an einem Spenderherz

dpa/picture-alliance

„Zutiefst besorgniserregend“

Zurückgegangen ist auch die Anzahl der transplantierten Organe von hirntoten Spendern: von 2927 auf 2664. Auch die Zahl der Lebendspender ging von 659 auf 620 zurück.

Die Situation sei „zutiefst besorgniserregend“, so der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organspende (DSO), Axel Rahmel. Von Jahr zu Jahr könne weniger Patienten mit einer Transplantation geholfen werden.

Warum gibt es zu wenig Organe?

Obwohl 70 Prozent der Menschen in Deutschland bereit sind, nach ihrem Tod Organe zu spenden, ist die Zahl der gespendeten Organe rückläufig. Ein Grund: Die Organspende in Deutschland ist schlecht organisiert. Ärzte erkennen mögliche Organspender oft nicht – oder melden sie nicht, obwohl viele Menschen spenden wollen.

Es gibt aber auch noch immer eine Angst vor einem Missbrauch durch Organhandel. Der Grund: In vielen Krankenhäusern fehlt das Bewusstsein für die Organspende. Zudem haben die Kliniken oftmals wenig Interesse daran, Organspenden durchzuführen. Die Folge: Bei vielen möglichen Organspendern kommt es nicht zu einer Spende.

Die häufigsten Fragen zur Organspende beantwortet die Tagesschau in diesem Artikel.

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Undankbare Aufgabenverteilung

Mehr als 1.300 sogenannte Entnahmekrankenhäuser gibt es bei uns. Diese Krankenhäuser haben die undankbarste Aufgabe im Räderwerk der Organspende: Sie sollen mögliche Organspender identifizieren, melden und dann die Organentnahme durchführen. Für Ärzte und Pflege auf den Intensivstationen bedeutet das vor allem zusätzliche Arbeit. Sie müssen mit den Angehörigen sprechen, zusätzliche Untersuchungen durchführen – oftmals zu Lasten anderer Patienten, die im Gegensatz zum möglichen Organspender noch eine Chance auf Heilung haben.

Spanien ist Vorbild in Europa

Im europäischen Vergleich liege Deutschland damit im Schlussfeld, schreibt die SZ. Nur Griechenland, Rumänien, Bulgarien und Albanien haben noch weniger Spender. Anders sieht es in Belgien und Kroatien aus. Beide Länder kämen auf 30 Spender je eine Million Einwohner. In Spanien seien es sogar 46,9 Spender je eine Million Einwohner.

Deutschland wird von anderen Ländern mitversorgt

Von der Spendenbereitschaft in diesen Ländern profitiert auch Deutschland. Aus dem Bericht geht hervor, dass rund 200 Organe aus anderen europäischen Ländern Deutschland erreicht hätten.