In Deutschland wird immer häufiger gegen Juden gehetzt. Die meisten Delikte wurden dabei von Rechtsextremen begangen.

Der Antisemitismus wächst. Es gibt mehr Attacken und Beleidigungen, aber auch eine steigende Zahl von Gewalttaten. Das berichtet die Zeitung Die Welt und beruft sich auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck.

Immer häufiger Hetze gegen Juden

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 681 Delikte erfasst. Das sind 27 Taten mehr als im Vorjahreszeitraum, also rund vier Prozent mehr. Auch die Zahl der Gewaltdelikte sei von 14 auf 15 leicht gestiegen, sowie die Fälle von Volksverhetzung: von 425 auf 434. 93 Prozent der Taten wurden von Rechtsextremisten begannen. Allerdings werden „Juden raus“-Schmierereien in Statistiken generell als rechtsextrem betrachtet, obwohl diese Parole auch in islamistischen Kreisen populär sei.

In einem Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus wird dies kritisiert, denn damit entstehe möglicherweise ein nach rechts verzerrtes Bild über die Tatmotivation und den Täterkreis. Nur drei Prozent der Fälle haben demnach einen religiösen Hintergrund. Die restlichen Delikte können nicht zugeordnet werden.

Polizeiliche Statistiken und Wahrnehmung unterschiedlich

Benjamin Steinitz, Leiter der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus in Berlin, sagte der Welt, es gebe eine „Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Betroffenen von antisemitischen Angriffen, Beleidigungen und Beschimpfungen und den polizeilichen Statistiken“. Bei Umfragen unter Juden wurden demnach bei 62 Prozent der Beleidigungen und 81 Prozent der körperlichen Angriffe muslimische Personen als mutmaßliche Täter angegeben. Trotzdem wurden „Sieg Heil“-Rufe bei einer antisemitischen Demonstration im Juli 2014 in Berlin in der Polizeistatistik als politisch motivierte Kriminalität mit rechtsextremen Motiven gewertet.