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Autos in der EU verbrauchen laut einer Untersuchung noch immer deutlich mehr Sprit als von den Herstellern angegeben – nämlich 39 Prozent mehr. Für Autofahrer heißt das: Sie zahlen drauf.

Die unabhängige Forschungsorganisation ICCT mit Sitz in Berlin hat die Untersuchung zum Spritverbrauch veröffentlicht. Für Autofahrer heißt das: Sie müssen deutlich mehr für Sprit ausgeben, als sie beim Kauf gedacht haben. Im Jahr sind das rund 400 Euro mehr.

Im Labor werden Klima- und Musikanlagen ausgeschaltet

Die ICCT hat für die Untersuchung die Daten von etwa 1,3 Millionen Fahrzeugen aus acht europäischen Ländern aus dem Jahr 2017 ausgewertet. Einer der Gründe für höheren Spritverbrauch im Alltag seien unterschiedliche Bedingungen im Laborbetrieb und auf der Straße. Zum Beispiel würden Klima- oder Musikanlagen in den Autos im Labor ausgeschaltet. Allein dadurch verbrauchen Autos dort schon mal weniger Sprit.

Dem Staat entgehen mehrere Milliarden Euro

Nicht nur für Autofahrer ist der abweichende Spritverbrauch ein Minusgeschäft – auch für den Staat. Weil die Kfz-Steuer auf Basis des CO2-Ausstoßes ermittelt wird, entgehen dem Staat hohe Einnahmen. Einer Studie zufolge sollen es 2016 in der EU rund zehn Milliarden Euro gewesen sein.

Umwelthilfe: anderes Genehmigungsverfahren für Pkw

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wiederholt angesichts der Untersuchungsergebnisse ihre Forderung ihre Forderung nach einem veränderten Typgenehmigungsverfahren für Pkw. Nach Ansicht der DUH sind Messungen unter realistischen Bedingungen im Straßenverkehr bereits im Rahmen der Typzulassung unerlässlich.

Automobilhersteller, die bei Angaben zum Spritverbrauch ihre Kunden täuschen, müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Ehrliche Spritangaben sind ein außerdem ein wichtiger Schritt, um die Minderung von CO2-Emissionen im Verkehr voranzutreiben und Klimaziele einzuhalten, sagt die DUH.

Neues Testverfahren

Die Autohersteller verweisen darauf, dass sie ihre Neuwagen seit September 2018 dem neuen Test WLTP unterziehen müssen – für neue Fahrzeugtypen gilt es bereits seit September 2017. Dabei werden auch verschiedene Situationen im Straßenverkehr, Geschwindigkeiten und auch verschiedenen Arten der Ausstattung berücksichtigt. Mit dem neuen Messverfahren würden Verbrauch und CO2-Werte realistischer angegeben, argumentieren die Hersteller. Die Kunden hätten damit mehr Sicherheit.

ICCT-Europa-Chef Peter Mock blickt schon weiter in die Zukunft: Ab 2021 sollen Hersteller verpflichtet werden, den Verbrauch ihrer Fahrzeuge mit Messgeräten zu protokollieren. Außerdem solle die EU-Kommissionen Strafen für fehlerhafte Verbrauchswerte einführen, forderte er.