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„Tote und Verletzte“ – so heißt es normalerweise nach Anschlägen, bei Kriegen oder Naturkatastrophen. Doch die Neujahrsnacht in Deutschland ging für viele tragisch aus.

So schlimm ist es selten: In Brandenburg sind unabhängig von einander zwei Männer im Alter von 19 und 35 Jahren durch ihre eigenen Feuerwerkskörper ums Leben gekommen.

In Kleinmachnow südlich von Berlin starb ein 19-Jähriger durch die Explosion eines selbst gebastelten Knallers an Kopfverletzungen. Ähnliches widerfuhr einem 35-Jährigen nahe Frankfurt/Oder: Er zündete ein Feuerwerk in seinem Garten und starb – trotz schneller erster Hilfe, wie die Polizei betont.

Elfjähriger schwer verletzt

Besonders tragisch ist der Fall eines elfjährigen Jungen in Flecken-Zechlin – ebenfalls in Brandenburg: Ihn traf ein sogenannter Polenböller ins Gesicht. Als „Polenböller“ werden umgangssprachlich Knallkörper bezeichnet, die in Deutschland verboten sind und oft im Nachbarland Polen gekauft werden.

Eine Gruppe von Jugendlichen hatte den Böller geworfen, der den Jungen traf. Er wurde „im Augenbereich“, wie es von Seiten der Polizei hieß, so schwer verletzt, dass er mit einem Rettungshubschrauber in ein Berliner Krankenhaus geflogen werden musste.

14-Jähriger „Brille weggesprengt“

Auch ein 14-jähriges Mädchen im thüringischen Triptis muss laut Polizei um sein Augenlicht fürchten, nachdem ein Böller in eine Menschengruppe geworfen wurde. Die Wucht der Explosion habe ihr die Brille „weggesprengt“.

Schlimme Unfälle gab es auch im Südwesten: In Simmern in Rheinland-Pfalz verlor ein 21-jähriger vier Finger der rechten Hand, als ein Polenböller beim Entzünden explodierte. Die Gliedmaßen wurden "unauffindbar in der Peripherie verstreut", wie die Polizei berichtete.

Zwei Glieder seines Zeigefingers verlor ein 25-Jähriger im baden-württembergischen Filderstadt-Plattenhardt beim Abbrennen eines "nicht definierbaren Böllers".

Ähnliche Unfälle gab es in ganz Deutschland: Überall wurde von abgetrennten Finger und Gesichtsverletzungen berichtet. Im Unfallkrankenhaus Berlin war das Team der Handchirurgie durchgehend in drei Operationssälen im Einsatz. Mindestens fünf Patienten hätten schwere Amputationsverletzungen durch Böller erlitten.

In Gelsenkirchen fuhr ein betrunkener Autofahrer einen Mann an, der ein Kind auf dem Arm hielt. Der 42-Jährige und das drei Jahre alte Kind wurden schwer verletzt und kamen ins Krankenhaus. Sie hätten am Fahrbahnrand gestanden und das Feuerwerk beobachtet, als sie von dem Auto erfasst wurden, teilte die Polizei mit. 

Feuerwehrleute mit Schusswaffen bedroht

In Stuttgart nahm die Polizei am Rande der Feierlichkeiten auf dem Schlossplatz ein Dutzend Feiernde fest. Sie hatten mit Feuerwerkskörpern gezielt in die Menge geschossen. Dabei wurden etliche Personen verletzt, darunter auch mindestens zehn Polizisten.

Nach Angaben der Leitstellen in Baden-Württemberg wurden auch Feuerwehrleute auf dem Weg zu Bränden und bei Löscharbeiten mit Böllern beworfen.

In Berlin wurden Feuerwehrleute sogar mit geladenen Schusswaffen bedroht, wie die Polizei berichtete. Die Berliner Feuerwehr sprach am Neujahrsmorgen von acht Angriffen auf Einsatzkräfte und 57 Angriffe auf ihre Fahrzeuge mit erheblichen Sachschäden. Randalierer in Leipzig attackierten Polizisten in der Silvesternacht mit Böllern und Steinen. Die Polizei setzte am Ende Wasserwerfer ein.