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Tim Stobbe
Tim Stobbe, SWR3; Foto: SWR3
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Kampfmontur, vier Schusswaffen, mehrere Kilo Sprengstoff: Stephan B. hatte den Anschlag in Halle an der Saale akribisch vorbereitet. Vor dem Ermittlungsrichter hat er die Tat gestanden und auch zu seinem Motiv ausgesagt.

Mehrere Stunden soll der Termin beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe gedauert haben: Dabei habe der 27-jährige Stephan B. nach ARD-Informationen die Tat gestanden. Zudem habe er bestätigt, dass sein Motiv rechtsextrem und antisemitisch war.

Waffen aus dem 3D-Drucker?

B. hat nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank bei der Tat vier Schusswaffen mit sich geführt. Es sei mindestens eine vollautomatische Schusswaffe dabei gewesen, zudem habe er mehrere Sprengsätze im Auto gehabt, als er zu der Synagoge in Halle gefahren sei, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Laut einem ZDF-Bericht wurden die Waffen teilweise mit 3D-Druckern hergestellt. Das Magazin Frontal 21 berichtete, Stephan B. habe die aus Kunststoff bestehenden Teile hergestellt und 3D-Anleitungen unter anderem für Magazine und andere Waffenteile ins Internet gestellt. Nach ARD-Informationen bestellte er die Bausätze im Darknet.

Generalbundesanwalt Frank beantragte Haftbefehl gegen Stephan B. wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes in mehreren Fällen. B. war am Mittwoch festgenommen worden und hält sich derzeit in Karlsruhe auf. Trotz seiner Verletzung, die er wahrscheinlich beim Schusswechsel mit der Polizei vor dem Döner-Imbiss erlitt, soll er vernehmungsfähig sein.

„Wollte möglichst viele Personen jüdischen Glaubens töten“

„Der Beschuldigte wollte sich zu dem Gotteshaus Zutritt verschaffen und möglichst viele Personen jüdischen Glaubens töten“, teilte der Generalbundesanwalt mit. Zum Zeitpunkt der Attacke hätten sich in der Synagoge 51 Gläubige zur Feier des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur aufgehalten.

Nachdem es ihm nicht gelungen war, die Tür der Synagoge aufzuschießen, erschoss er eine „zufällig vorbeikommende Passantin“ mit der vollautomatischen Schusswaffe. Weiter heißt es in der Mitteilung, der Täter habe aus Frust über sein Scheitern an der Tür der Synagoge den Entschluss gefasst, „Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund zu töten“. Daraufhin sei er zu dem Döner-Imbiss gefahren und habe einen Mann erschossen.

„Was wir erlebt haben, war Terror“

Nach Angaben des Generalbundesanwalts wollte der Täter mit seinem Video und einem Manifest weltweite Wirkung erzielen. Ein Vorbild des Mannes sei der Attentäter von Christchurch gewesen. „Was wir erlebt haben, war Terror“, sagte Frank. Noch sei unklar, wie sich der Tatverdächtige radikalisierte und warum er sich zu der Tat entschloss. Auch werde ermittelt, ob er Unterstützung bei der Beschaffung von Waffen und Sprengstoff bekam. Seine Wohnung war bereits durchsucht und Beweismittel sichergestellt worden.

Justizministerin Lambrecht räumt Versäumnisse ein; Foto: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Nachrichten Justizministerin Lambrecht räumt Versäumnisse ein

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Mitschuld der AfD?

Mit Blick auf den von einigen Politikern erhobenen Vorwurf der indirekten Mitverantwortung der AfD, sagte Bundesjustizminsterin Christine Lambrecht (SPD): „Ich glaube, es bringt wenig, jetzt in Richtung einzelner Parteien zu schauen, sondern es ist ein Nährboden, der sich hier ausbreitet. Es gebe eine widerliche Entwicklung (...) zu diffamieren, zu drohen, zu mobben“. Dieser Stimmung müsse deutlicher entgegen getreten werden. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte zuvor einigen AfD-Politikern im Zusammenhang mit dem Anschlag geistige Brandstiftung vorgeworfen.

Seehofer: „Darf uns eigentlich nicht passieren“

Seehofer hat mit Blick auf das Attentat in Halle von einer „Schande für unser Land“ gesprochen. „So etwas darf bei unserer Geschichte eigentlich nicht passieren“, sagte Seehofer vor Journalisten in Halle.

„Die Bundesrepublik Deutschland hat einen Schwur gegenüber der ganzen Welt abgegeben: 'Nie wieder'.“ Der Minister ergänzte: „Wir müssen der Wahrheit ins Gesicht blicken: Die Bedrohungslage durch Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus in Deutschland ist sehr hoch.“