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Björn Widmann (Foto: SWR3)

Mehr als 500 Menschen haben sich in Deutschland mit dem Corona-Virus infiziert, überall werden Veranstaltungen abgesagt, manche andere finden aber statt. Wer darf das eigentlich entscheiden?

Das neue Corona-Virus hat Deutschland und Europa fest im Griff. Jeden Tag werden mehr Infektionen mit der Lungenkrankheit gemeldet. Bei mehr als 500 Menschen in Deutschland wurde das Virus mittlerweile nachgewiesen. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, gibt es verschiedene Maßnahmen.

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Natürlich gehört richtiges Händewaschen und Hygiene dazu, aber unter anderem werden auch immer mehr Großveranstaltungen abgesagt oder verschoben. Ob die Leipziger Buchmesse, die Reisemesse ITB in Berlin oder das Mandelblütenfest in Neustadt – um das Virus in Schach zu halten, werden auch finanzielle Einbußen in Kauf genommen.

Auf der anderen Seite versammeln sich jedes Wochenende tausende Menschen in den Fußball-Stadien, um ihre Vereine anzufeuern. Auch hier besteht theoretisch die Gefahr, dass ein Infizierter unter den Zuschauern ist, der die Menschen um sich herum ansteckt. Aber bis jetzt wurden noch keine Bundesliga-Spiele wegen des Virus abgesagt.

Wer entscheidet, welche Veranstaltung abgesagt wird?

Das sieht auf den ersten Blick sehr willkürlich aus, denn schließlich sind auf einer Messe genau so viele Zuschauer unterwegs wie bei einem Bundesligaspiel. Dennoch gibt es gute Gründe, warum manche Großveranstaltungen stattfinden und manche nicht.

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Das Robert-Koch-Institut hat eine Handlungsempfehlung für Großveranstaltungen herausgegeben, in der ausgeschlüsselt ist, wie die Veranstalter das Risiko besser einschätzen können. Dabei teilt das RKI in drei Bereiche ein: Teilnehmer, Art der Veranstaltung und Veranstaltungsort.

Entscheidung liegt bei Veranstaltern und Behörden

Findet die Großveranstaltung zum Beispiel in einem Raum mit schlechter Belüftung statt, ist das Risiko einer Ansteckung theoretisch höher als im Freien. Auch wie eng die Teilnehmer aufeinander sind und wie viele Teilnehmer möglicherweise aus einem Risikogebiet kommen, sollten die Veranstalter abschätzen und mit den Gesundheitsbehörden abstimmen.

„Grundsätzlich ist es möglich, die Veranstaltung durchzuführen, unter Auflagen zu erlauben, das Format anzupassen, aber auch die Verschiebung oder Streichung der Veranstaltung sind möglich“, heißt es in der Handlungsempfehlung. Das sei aber den Veranstaltern vor Ort und den lokalen Behörden überlassen.

„Diese Massenveranstaltungen können in der Tat dazu führen, dass sich diese Viren schneller verbreiten“, sagt auch Dr. Marcus Panning vom Institut für Virologie an der Uniklinik Freiburg. Das Risiko müsse allerdings unterschiedlich bewertet werden – am Besten vor der jeweiligen Veranstaltung.

RKI gibt Veranstaltern Tipps

Um das Risiko gering zu halten, das Virus theoretisch weiter zu verbreiten, empfehlen die RKI-Experten zum Beispiel, den Veranstaltungsort angemessen zu belüften. Auch Infos über Hand- oder Husten- und Schnupfenhygiene sollten den Teilnehmern gegeben werden.

Ein weiterer Grund, warum viele Messen, Kongresse oder andere Großveranstaltungen abgesagt werden: Es ist sehr schwierig zurückzuverfolgen, woher mögliche Infizierte kamen. „Es kann unter ungünstigen Bedingungen zu einer Übertragung auf viele Personen kommen“, gibt das RKI zu bedenken.

In die Abwägung solle daher mit einbezogen werden, ob Schwierigkeit der schnellen Kontaktpersonenermittlung im Falle eines Ausbruchs zu erwarten seien, heißt es.

Wenige Veranstaltungen in SWR3-Land abgesagt

In Baden-Baden und Karlsruhe wurden bereits mehrere Kongresse und Messen, wie beispielsweise die IT-Trans abgesagt. In Rheinland-Pfalz wurde unter anderem das Mandelblütenfest in Neustadt abgesagt.

Oberbürgermeister Weigel begründete die Absage so: Die potentielle Ansteckungs- und Verbreitungsgefahr bei der Einladung von mehreren zehntausend Menschen aus allen Regionen Deutschlands schätze er als nicht vertretbar ein.

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