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Christian Kreutzer (Foto: SWR3)
Hans Liedtke (Foto: SWR3)

Der ausrangierte Bus in dem der berühmte Aussteiger Christopher McCandless verhungert ist, steht jetzt im Museum. Die Schwester des Abenteurers hat sich nun auch zu Wort gemeldet. Die Geschichte hinter dem Drama.

Der Bus war Mitte Juni 2020 von den Behörden in Alaska aus der Wildnis am „Stampede Trail“, unweit des Denali National Parks, entfernt worden. Das Gefährt mit dem Beinamen „Magic Bus“ hatte immer wieder Wanderer und Abenteurer angelockt, teilweise mit tödlichen Folgen.

Im Sommer hatte die Nationalgarde ihn mit einem Hubschrauber abtransportiert und in ein Museum im alaskanischen Fairbanks gebracht.

Der Bus aus den 1940er Jahren, der zeitweise Bauarbeitern als Notunterkunft diente, war 1996 durch den Jon-Krakauer-Roman „Into the Wild“ bekannt geworden. Oscar-Preisträger Sean Penn verfilmte das Buch 2007 mit Emile Hirsch in der Hauptrolle des jungen US-Aussteigers.

Die ebenso tragische wie verrückte Geschichte, die dahinter steckt:

Der Aussteiger Chris McCandless war 22, hatte wohlhabende Eltern – und keine Lust auf ein bürgerliches Leben. 1990 begann er, durch die USA zu wandern und landete nach zwei Jahren in Alaska.

In der weitgehend unberührten Natur des riesigen Bundesstaates, gefiel es ihm. Alaska ist rund fünfmal so groß wie Deutschland, hat aber nur etwas mehr Einwohner als Frankfurt am Main.

An dieser Stelle begann McCandless' Weg in den Tod: Der junge Mann ging auf den berühmten „Stampede Trail“ im Denali Nationalpark, überquerte irgendwann den Teklanika-River und fand nach ein paar Tagen den ausrangierten Bus.

Alaska, Teklanika-Fluss (Foto: dpa picture alliance/Bildagentur-online)
Der weit verzweigte Teklanika-Fluss bei schönem Wetter und Niedrigwasser. dpa picture alliance/Bildagentur-online

Keine Axt, kein Kompass, keine vernünftige Landkarte

Dort zog er ein, sammelte Beeren, jagte Vögel und Eichhörnchen mit einem alten Jagdgewehr – und nahm dabei immer weiter ab. Was er nicht dabei hatte, waren Dinge wie eine Axt oder beispielsweise einen einfachen Kompass. Nach rund drei Monaten wollte er zurück, doch der Teklanika war mittlerweile wegen der Schneeschmelze geschwollen und unpassierbar.

McCandless hatte auch keine detaillierte Karte dabei, sonst hätte er gewusst, dass nur 400 Meter weiter eine von Hand betriebene Schwebefähre über den Fluss wartete. Der Aussteiger kehrte zu seinem Bus zurück und hoffte darauf, von Jägern gefunden zu werden. Rund vier Wochen später war er verhungert. Auf diesem Foto sieht man ihn bereits völlig abgemagert, vermutlich nicht allzu lange vor seinem Tod:

Twenty-six years ago on this date, Chris McCandless summoned the last of his energy to walk outside the bus where he lay...Gepostet von Christopher McCandless am Donnerstag, 16. August 2018

Ein gefährliches Pflaster

Vermutlich um den 18. August 1992 starb McCandless. Da hatte er rund vier Monate in dem Bus gelebt. Keine drei Wochen später kamen Elchjäger an seinem Lager vorbei und fanden die Leiche.

Heute sind viele Experten der Meinung, McCandless sei ein verantwortungsloser Naivling gewesen. Die Natur Alaskas habe er komplett unterschätzt.

Dennoch ist er berühmt: Vier Jahre nach seinem Tod beschrieb der berühmte Natur-Journalist Jon Krakauer sein Schicksal in einem Buch. 2007 drehte Sean Penn einen viel beachteten Film mit Emile Hirsch in der Hauptrolle (Film und Buch tragen den Titel „Into the Wild“ – „In die Wildnis“).

Im Buch und im Film wird McCandless, der Anthropologie studiert hatte und sich in Armenvierteln engagierte, eher als nachdenklicher Eremit dargestellt, der sich tragischerweise mit den falschen Beeren vergiftete.

„Ich will nicht, dass das jemand beschönigt“

Kurz nachdem der Bus nach Fairbanks angekommen war, meldete sich McCandless Schwester Carine zu Wort. Sie arbeitet mit dem Museum an der Aufarbeitung der Geschichte ihres Bruders.

Carine McCandless hält den Bus für ein wertvolles Auflkärungsinsrument – gerade was die Fehler angeht, die Christopher damals gemacht hat. „Er war nicht vorbereitet“, so McCandless zur Online-Seite Alaska Public Media. Und mit Blick auf die vielen Abenteurer, die die Geschichte trotz ihres tragischen Ausgangs fasziniert: „Ich will nicht, dass das jemand beschönigt.“

Vom Hochwasser weggespült

Weder das Buch noch der Film sind nämlich dem eigentlichen Problem so richtig nahe gekommen: Dass die Wälder Alaskas für Menschen, die sich nicht eingehend damit befasst haben, die sich für topfit und die Wildnis für harmlos halten, ein gefährliches Pflaster sind.

Nach Erscheinen des Buches, vor allem aber nach Sean Penns Film ging das lange einfach so weiter: Immer wieder machten sich Leute von Healy auf, um den berühmten Bus aufzusuchen. Etliche gerieten dabei in Gefahr oder kamen ums Leben.

Zuletzt traf es im Juli 2019 eine Frau aus Weißrussland: Die 24 Jahre alte Veramika M. und ihr gleichaltriger Freund Piotr M. waren auf dem Weg zum Bus und standen irgendwann ebenfalls vor dem Teklanika.

Der war nach heftigen Regenfällen wieder mal stark angeschwollen. Die beiden versuchten dennoch, zu dem Bus auf der anderen Seite zu kommen. Dabei verlor die junge Frau den Halt und wurde unter Wasser gezogen.

Als ihr Freund sie einige hundert Meter weiter endlich zu fassen bekam und aus dem Wasser zog, war sie bereits ertrunken.

Auch Deutsche mussten schon gerettet werden

Im Tweet unten: Der „magische Bus“ wie ihn viele nennen. Der Text darüber: „Wann werden die Leute mit den Pilgerreisen zu diesem Bus aufhören? McCandless war kein Held; er war psychisch krank, dachte nicht daran Überlebenstipps zu beachten und starb einen tragischen und sinnlosen Tod. Es reicht.“

When will people stop the pilgrimage to this bus? McCandless wasn't a heroic figure; he was mentally ill, refused to heed survival advice, & died a tragic & senseless death. Enough already. "Woman dies trying to reach bus made famous by Into the Wild" https://t.co/h70xWMcX2x

M. war nicht das einzige Opfer ihrer eigenen Selbstüberschätzung. Und immer wieder war es der Teklanika, der zur Todesfalle wurde: 2010 ertrank beispielsweise ein Schweizer beim Versuch, ihn zur falschen Zeit zu überqueren – gerade eine Meile von dem Bus entfernt.

2013 mussten drei deutsche Wanderer im gleichen Gebiet per Hubschrauber gerettet werden. Sie hatten den Bus gefunden und Nahrung für wenige Tage im Rucksack. Auf ihrem Rückweg war der Teklanika so geschwollen, dass er nicht mehr passierbar war. Wenigstens waren sie so schlau, es nicht zu versuchen.

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