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Alec Baldwin hat zum ersten Mal seit dem tödlichen Schuss am Film-Set von „Rust“ ein Interview gegeben. Unter Tränen beteuerte er seine Unschuld.

In Filmen spielt Alex Baldwin meistens harte, eiskalte Typen – im ersten Interview nach dem tödlichen Schuss auf Kamerafrau Halyna Hutchins war Baldwin genau das Gegenteil. Hochemotional und mit tränenerstickter Stimme schilderte der Hollywood-Star, was aus seiner Sicht am Set von „Rust“ in New Mexico passiert ist.

Baldwin brach im Interview in Tränen aus. „Ich habe nicht abgedrückt“, schluchzte Baldwin. „Ich würde niemals eine Waffe auf jemanden richten und abdrücken. Niemals.“ Interviewer George Stephanopoulos sagte Baldwin, man sollte am Filmset nie eine Waffe auf jemanden richten. Baldwin antwortete: „Es sei denn, die Person ist die Kamerafrau, die mich anweist, wo ich die Waffe für ihren Kamerawinkel hinhalten soll“.

In einem vorab veröffentlichten Interviewausschnitt hatte Baldwin schon gesagt, er habe den Abzug der Waffe nicht gezogen. Regieassistent David Halls bestätigte das nach Angaben von Baldwins Anwältin Lisa Torraco.

Emotionaler Alec Baldwin schildert im Interview Details

Im Interview mit dem Fernsehsender ABC schilderte Baldwin im Detail, was aus seiner Sicht am Set passiert ist. Man habe ihm gesagt, dass die Waffe „kalt“ sei – also keine scharfe Munition enthalte. Hutchins habe ihn dann dazu aufgefordert, die Requisitenwaffe in Richtung ihrer Achsel zu richten. Dann habe sie gewollt, dass er den Hahn zurückzieht.

Ich ließ den Hahn los. Peng. Die Waffe geht los

Alle sind entsetzt. Sie sind schockiert. Es ist laut“, beschrieb er die Reaktionen der Umstehenden. Er habe erst geglaubt, Hutchins sei ohnmächtig geworden oder habe einen Herzinfarkt bekommen, sagte Baldwin.

Baldwin: Habe erst Stunden später realisiert, dass Halyna erschossen wurde

Erst Stunden später, beim Polizeiverhör, habe er erfahren, dass Hutchins mit einer scharfen Kugel getötet wurde. Dass das ein Sabotageakt gewesen sei, glaubt Baldwin nicht. Es sei „sehr wahrscheinlich, dass es ein Unfall war“.

Es ist nur eine Frage zu klären, und das ist, wo kam die scharfe Munition her?

Alec Baldwin im ABC Interview (Foto: SWR, Screenshot: ABC)
Unter Tränen schilderte Alec Baldwin, was aus seiner Sicht am Set von „Rust“ passiert ist. Screenshot: ABC

Er sei unendlich traurig und bedauere zutiefst, was beim Dreh am 21. Oktober passiert sei, sagte Baldwin. Kamerafrau Halyna Hutchins wurde getötet, Regisseur Joel Souza verletzt. „Jemand ist verantwortlich für das, was geschehen ist, und ich kann nicht sagen, wer das ist“, sagte Baldwin im Interview.

„Ehrlich, wenn ich mich verantwortlich fühlen würde, hätte ich mich vielleicht umgebracht.“

Baldwin: Sicherheit am Set aus Kostengründen nicht vernachlässigt

Baldwin wolle „nicht als Opfer rüberkommen“, „weil wir hier zwei Opfer haben“. Von Klagen über laxe Sicherheitsmaßnahmen am Set sei ihm nie etwas zu Ohren gekommen, „nicht ein Wort“, sagte Baldwin, der auch Produzent von „Rust“ ist. Dass am Set Kosten gespart wurden, habe seiner Meinung nach die Sicherheit nicht verringert.

Nach der missglückten Drehprobe am 21. Oktober 2021 ist Alec Baldwin mehrfach verklagt worden. Dazu sagte er, „die strafrechtlichen Ermittlungen sollten sich darauf konzentrieren, herauszufinden, wer scharfe Munition auf das Set von 'Rust' gebracht hat“. Er selbst habe „nichts zu verbergen“.

Baldwin: Wurde als „Mörder“ beschimpft

Seit dem Vorfall sei Baldwin als „Mörder“ beschimpft worden. Einige Kritiker warfen ihm vor, er als Schauspieler sei dafür verantwortlich, die Waffen zu überprüfen. Das wies Baldwin zurück. Der Unfall habe die Dinge für ihn verändert, sagte Baldwin: „Ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder einen Film zu drehen, in dem eine Waffe vorkommt“.

Hannah Gutierrez-Reed, die Waffenmeisterin, die am Set von „Rust“ für die Schusswaffen verantwortlich war, hatte in einer Aussage bei der Polizei zugegeben, dass sie bei der Überprüfung des Revolvers kurz vor der Tat nachlässig gewesen sei.

Die Polizei ermittelt in dem Fall immer noch. Baldwin hält es aber für „höchst unwahrscheinlich“, dass er „strafrechtlich angeklagt wird“.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 4. Juli, 5:30 Uhr - SWR3 Nachrichten

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