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AUTOR/IN
Stefan Troendle

Es sind beunruhigende Nachrichten aus der Ukraine. Die russische Armee hat das größte europäische Atomkraftwerk beschossen. Stefan Troendle im SWR3-Topthema mit einer Einschätzung.

Stand jetzt ist im Atomkraftwerk Saporischschja aber wohl keine Radioaktivität ausgetreten. Dennoch:

„Ein Angriff auf ein Kernkraftwerk – egal, wo die Rakete dann einschlägt – geht überhaupt nicht. Und ist eine Sache, die unterbleiben muss.“

Akw Saporischschja in der Ukraine in russischer Hand

Die Anlage in Saporischschja verfügt über sechs Blöcke. Bis auf einen, der in reduziertem Umfang läuft, sind derzeit wohl alle runtergefahren. Der Direktor der internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi, sagte, er stehe im Kontakt mit den Mitarbeitern dort.

I'm deeply concerned with situation at #Zaporizhzhia Nuclear Power Plant. Spoke with #Ukraine PM Denys Shmygal; @IAEAorg's monitoring and in close contact with #Ukraine's nuclear regulator and operator. I appeal to parties to refrain from actions that can put NPPs in danger.

Auf diesem Satellitenfoto von Planet Labs PBC ist das Kernkraftwerk Saporischschja in Enerhodar, Ukraine, am 2. September 2019 zu sehen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Planet Labs PBC via AP | Planet Labs Pbc)
Auf diesem Satellitenfoto von Planet Labs PBC ist das Kernkraftwerk Saporischschja in Enerhodar, Ukraine, am 2. September 2019 zu sehen. picture alliance/dpa/Planet Labs PBC via AP | Planet Labs Pbc

Das Atomkraftwerk und sein Kontrollraum werden weiter von ukrainischen Mitarbeitern betrieben, das Gelände ist aber in der Hand von russischen Truppen. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ging am Freitagmorgen auf den Angriff ein – und erklärte, dass es wohl nicht zu einem Austritt von Radioaktivität gekommen ist:

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Nachrichten Bundeskanzler Scholz: Sind vorbereitet auf Situation mit Austritt radioaktiver Elemente

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Bundeskanzler Olaf Scholz nach Brand im ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja: Sind vorbereitet auf Situation mit Austritt radioaktiver Elemente

Das klingt eher nach Beschwichtigung und Beruhigung. Klar ist natürlich: Auf so eine Situation kann man sich überhaupt nicht vorbereiten.

Konfliktforscher: In diesem Krieg in der Ukraine ist vieles widersprüchlich

Hier ein paar grundsätzliche Anmerkungen: Wir sind bei unserer Berichterstattung auf Angaben aus der Ukraine angewiesen, die wir oft nicht überprüfen können. Anderen Medien geht es auch so. Und wir weisen darauf hin, dass solche Angriffe natürlich auch Propaganda-Zwecken dienen.

Konfliktforscher Andreas Zick von der Uni Bielefeld sagt, dass in diesem Krieg vieles widersprüchlich und eine Einschätzung aus Expertensicht fast unmöglich ist. Nach Einschätzung von Zick will Putin beweisen, wozu Russland fähig ist.

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Nachrichten Konfliktforscher Zick: Es ist ein Droh-Szenario Seiten Russlands

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Konfliktforscher Andreas Zick: Putin will der Welt zeigen, das er der atomaren Bedohung näherrücke.

Auch das ist nicht so richtig beruhigend. Das bestätigt General a.D. Hans-Lothar Domröse im Deutschlandfunk, der noch mal an Putins Drohungen mit Atomwaffeneinsatz erinnert:

„Es gehört zur Routine einer kriegführenden Partei, alle Systeme in Bereitschaft zu stellen.“

Experte: Die Brennelemente im Akw sind der Knackpunkt

Natürlich sind Reaktoren zum Beispiel auch gegen Flugzeugabstürze gesichert – aber nicht gegen Kriegshandlungen oder Beschuss. Einen direkten Treffer braucht es aber gar nicht unbedingt. Denn selbst, wenn Reaktoren heruntergefahren und Brennelemente ausgelagert sind, sagt Wolfgang Renneberg, Leiter des Büros für Atomsicherheit, dann müssen diese Brennelemente weiter gekühlt werden:

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Nachrichten Atomexperte Renneberg: Jeder Treffer, der die Stromversorgung unterbricht, kann zum Supergau führen

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Wolfgang Renneberg, Leiter des Büros für Atomsicherheit: Jeder Treffer, der die Stromversorgung und die Kühlung eines Atomkraftwerks unterbricht, kann zu einem Supergau führen.

Russland ist in der Lage, einen Supergau zu erzeugen

Die Botschaft aus der Ukraine lautet leider, dass Russland jederzeit in der Lage ist, einen Supergau zu erzeugen. IAEA-Chef Grossi hat zugesagt, dass er bereit ist nach Saporischschja zu fahren. Er soll die ukrainische und die russische Seite bereits kontaktiert haben.

Er will zudem ein Treffen mit Regierungsvertretern, in dem Rahmenbedingungen vereinbart werden, damit sich die nukleare Gefahr durch den Krieg nicht weiter erhöht. Man kann ihm nur wünschen, dass er Erfolg hat.

Liveblog: Der Krieg in der Ukraine Russische Rakete trifft Wohnhaus in Charkiw

Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen. Der Krieg hat auch Auswirkungen auf Europa und die ganze Welt. Alle Infos dazu.

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Stefan Troendle

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