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Mit einer emotionalen Trauerfeier wurde in Hanau der Opfer des Anschlags vor zwei Wochen gedacht. Politiker riefen zum Zusammenhalt auf. Die Schwester eines Getöteten erklärte, warum sie keinen Hass für den Täter empfinde.

Bei einer zentralen Trauerfeier haben in Hanau fast 700 Gäste der Opfer des rassistischen Anschlags gedacht. Unter den Teilnehmenden waren auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

„Wir stehen zusammen. Wir halten zusammen“

Steinmeier nannte die Tat einen „Anschlag auf das Grundverständnis von unserem Zusammenleben“. In die Trauer und Wut mische sich aber auch Entschlossenheit: „Wir stehen zusammen. Wir halten zusammen. Denn wir wollen zusammen leben“, sagte er. In seiner Rede rief er außerdem die gesamte Gesellschaft zur Verteidigung der Demokratie auf.

Die ganz große Mehrheit der Menschen in Deutschland ist gegen Ausgrenzung und Ressentiments, gegen Hass und Gewalt. Aber es reicht nicht, zu wissen, dass man in der Mehrheit ist.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Das Schweigen der Vielen dürfe nicht zur Ermutigung der Wenigen werden. „Ja, es gibt Rassismus in unserem Land“, sagte Steinmeier – „und das nicht erst seit einigen Wochen. Ja, es gibt eine weit verbreitete Muslimfeindlichkeit.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Angehörige der Opfer legen bei der Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags von Hanau Blumen nieder (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Kai Pfaffenbach/Reuters-Pool/dpa)
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Angehörige der Opfer legen bei der Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags von Hanau Blumen nieder. picture alliance/Kai Pfaffenbach/Reuters-Pool/dpa

Steinmeier: Recht auf einen Staat, der sie schützt

Menschen mit dunklerer Hautfarbe oder mit Kopftuch erlebten Diskriminierungen, würden Opfer von Angriffen, von Beleidigungen und von Gewalt. Sie alle hätten ein Recht darauf, dass ihre Mitbürger Anteil nähmen, widersprächen und eingriffen. Sie alle hätten ein Recht darauf, dass ihr Staat hinsehe, verfolge, bestrafe. „Sie alle haben ein Recht auf einen Staat, der sie schützt.“

Die Rede des Bundespräsidenten bei der Gedenkfeier für die Opfer von Hanau

Bei dem Anschlag vor zwei Wochen hatte ein 43-jähriger Deutscher neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen und weitere verletzt. Der Mann erschoss auch seine Mutter, dann nahm er sich selbst das Leben.

„Ich will, dass wir uns alle von Hass abgrenzen“

Die Schwester eines der Anschlagsopfer ergriff bei der Trauerfeier auch das Wort. „Mein Bruder Hamza wurde völlig unerwartet aus der Mitte unserer Familie gerissen“, sagte Ajla Kurtovic. „Zurückgeblieben ist grenzenloser Schmerz, eine unfassbare Leere und Fassungslosigkeit.“

Sie selbst empfinde keinen Hass, sagte sie. „Ich möchte an dieser Stelle deutlich machen, dass Hass den Täter zu seiner rassistischen Tat getrieben hat. Damit liegen Hass und Rassismus sehr nah beieinander. Ich will, dass wir uns alle von Hass abgrenzen.“ Sie wünsche sich ein Miteinander statt ein Gegeneinander. Kurtovic rief die anwesenden Politiker auf, dafür zu sorgen, dass die Tat restlos aufgeklärt werde und Lehren aus ihr gezogen würden, damit es keine Wiederholung gebe. „Das sind wir den Ermordeten schuldig

Auch andere Angehörige sprachen sehr persönlich und emotional über die Opfer des Anschlags:

Heute fand eine Trauerfeier für die Menschen statt, die am 19.02.2020 in #Hanau ermordet wurden. In diesem [THREAD] kommen Kemal Kocak, Ajla Kurtovic und Saida Hashemi zu Wort. Sie sind Freunde und Angehörige der Opfer von Hanau. Hört ihnen zu. #hanaustehtzusammen

Debatte im Bundestag: Schäuble mit deutlichen Worten

Mit Blick auf den Anschlag von Hanau debattiert der Bundestag heute über Rechtsextremismus. Zum Auftakt wird Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble – laut einem vorab verbreiteten Redemanuskript – ungewöhnlich deutlich Selbstkritik an der Politik üben.

In dem Manuskript heißt es, der Staat müsse sich eingestehen, rechtsextremistische Gefahr zu lange unterschätzt zu haben. Jetzt müsse das Recht mit allen Mitteln konsequent durchgesetzt werden.

Die Rede des Bundestagspräsidenten zum Anschlag von Hanau

Die Parlamentsdebatte findet am Vormittag statt.

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