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Viele Badeseen waren am vergangenen Wochenende so „gut“ besucht, dass die Polizei einschreiten musste. Der Kreis Heilbronn hat durchgegriffen. Baden-Württembergs Sozialminister ist desillusioniert.

Nichts geht mehr: Seit Donnerstag ist der Breitenauer See bei Obersulm zu – inklusive Liegewiesen und Parkplätzen. Damit soll ein Massenansturm in Corona-Zeiten wie am vergangenen Wochenende unmöglich gemacht werden. So war es dort und an anderen Seen zugegangen:

„Bleiben Sie dem Breitenauer See fern!“

Vor allem die Einhaltung der Abstandsregeln hatte allerorts für Diskussionen gesorgt (hier die Corona-Regeln in deutschen Urlaubsregionen). So war es am Breitenauer See dermaßen voll, dass die Polizei immer wieder die Zufahrt sperren musste.

10.000 Besucher sollen alleine am Sonntag dort gewesen sein. An die Abstandsregeln der Corona-Verordnung habe sich trotz Polizeipräsenz kaum jemand gehalten, klagt die Polizei – vor allem aus Platzmangel.

Lucha: „Die Realität holt uns leider ein Stück weit ein.“

Die Situation habe sich erst am Nachmittag entspannt, als die ersten Badegäste wieder nach Hause fuhren, teilte die Polizei mit. Die Gemeinde Obersulm hatte schon vor dem Wochenende öffentlich darum gebeten, nicht an den Breitenauer See zu kommen: „Bleiben Sie an Schönwetterwochenenden dem Breitenauer See fern!“ hieß es. Nach den Regentagen letzte Woche war es den Verantwortlichen der Kommune klar, dass es einen Massenansturm geben würde.

Jetzt ist der Breitenauer See dicht. Sozialminister Manne Lucha meint dazu: „Ich hatte gehofft, dass die Menschen aus der Erkenntnis der vergangenen Wochen und Monate heraus Disziplin und Eigenverantwortung walten lassen bei ihren Freizeitaktivitäten“, sagte er am Mittwoch in Stuttgart. „Die Realität holt uns leider ein Stück weit ein.“

Auch andere Badeseen waren völlig überfüllt

Ähnliche Situationen gab es am Wochenende auch an der Ehmetsklinge bei Zaberfeld (Kreis Heilbronn) oder dem Tiroler See bei Forchtenberg (Hohenlohekreis). Auch der Silbersee nördlich von Mannheim musste wegen Überfüllung geschlossen werden.

Warum ist es an den Badeseen so voll?

Da einige Schwimmbäder wegen des Coronavirus noch geschlossen haben oder weniger Badegäste einlassen dürfen, suchen die Menschen an anderen Orten Abkühlung. Dabei sind vor allem die frei zugänglichen Badeseen im Südwesten beliebt.

Ein Helfer der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) steht vor einem DLRG-Logo (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die DLRG warnt: Fließgewässer sind keine Badestellen Picture Alliance

Doch das ist nicht ungefährlich. „Gerade weil der Besuch von Schwimmbädern noch eingeschränkt ist, erinnern wir mit Nachdruck daran, dass man nur als geübter Schwimmer im Badeseen abseits der Hüfttiefe schwimmen sollte und selbst dann nicht vor einem Unfall gefeit ist“, sagte Simon Deck von der DLRG Karlsruhe am Sonntag. Außerdem warnten DLRG und Polizei erneut davor, im Rhein zu baden. Fließgewässer sind keine Badestellen, sagte Sprecher Marco Vogt von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Rheinland-Pfalz.

Der Rhein ist so stark befahren wie etwa eine Autobahn. Die würde man auch nicht mit dem Fahrrad befahren.

Mehrere Badeunfälle am Wochenende

Am Sonntag starb ein 23-Jähriger, nachdem er im Rhein gebadet hatte. Zeugen hatten gesehen, wie der Mann am Samstag bei Worms-Rheindürkheim im Rhein mit den Armen wedelte und dann nach unten sank. Insassen eines vorbeifahrenden Sportboots konnten ihn zwar nach einigen Minuten aus dem Wasser ziehen – doch der 23-Jährige konnte nicht wiederbelebt werden. Am Sonntagmorgen starb der junge Mann im Krankenhaus.

Einen weiteren Badeunfall gab es am Epplesee bei Rheinstetten (Kreis Karlsruhe). Nach Angaben der DLRG hatte eine Frau einen Mann untergehen, aber nicht wieder auftauchen sehen. Taucher konnten den 60 Jahre alten Mann wenig später in etwa 10 Metern Tiefe finden und brachten ihn an die Oberfläche. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen verstarb der Mann am frühen Abend im Krankenhaus.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 28. Juli, 03:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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