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Franziska Thees
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Nach zehn Jahren Bauzeit ging am Sonntag die Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm in den Regelbetrieb. Na ja, oder halt doch nicht....

Eigentlich sollte die Fahrt zwischen Stuttgart und Ulm mit der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Wendlingen und Ulm eine Viertelstunde schneller werden. Am Freitag war die rund vier Milliarden Euro teure Strecke feierlich eingeweiht worden, am Sonntag hatte sie den Betrieb aufgenommen und die Bahn sprach von einem „reibungslosen Start“.

Aber jetzt, schon einen Tag nach dem Startschuss, hat es erhebliche Verzögerungen gegeben. Wegen einer technischen Panne mussten mehrere Züge Richtung Stuttgart zurück nach Ulm geführt und über die alte, langsamere Strecke über die Alb geleitet werden. Ein Zug brauchte für die Strecke von Ulm nach Stuttgart fast drei Stunden. Dies sei aber ein Einzelfall, betonte eine Bahnsprecherin gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Panne auf Neubaustrecke: Problem eines Lokführers legt den Verkehr lahm

Der Grund für die Panne waren Probleme mit der neuen Zugleittechnik, European Control System (ETCS). Ein Lokführer machte wohl bei der Einwahl einen Fehler und konnte seinen Zug deshalb nicht mit den Steuerungssystemen des Zuges verbinden, erklärte einer Sprecherin der Bahn. „Die Sicherheitssysteme verhinderten die Weiterfahrt und der Zug musste umkehren.“

Wir können uns nicht auf der neuen Strecke einwählen. Am ersten Tag tut
uns das selber leid.

Die Strecke war nach Angaben der Bahn für knapp zwei Stunden blockiert. Mehrere Regional- und Fernverkehrszüge seien über die alte Strecke umgeleitet worden. Einige Fahrgäste steckten lange Zeit in einem Tunnel fest, ihnen wurde ein Heißgetränk als Entschädigung angeboten.

Probleme mit ETCS

Nach Informationen des SWR aus Bahnkreisen gibt es für die Probleme drei mögliche Ursachen, von denen wohl mindestens zwei aufgetreten sind:

  • Die Probeeinwahl in ETCS zwischen Augsburg und Ulm bzw. zwischen Stuttgart und Plochingen funktioniert nicht, wodurch der Zug über die alte Filstalstrecke fahren muss.
  • Die Probeeinwahl in ETCS funktioniert zwar, der Zug fährt somit auf die Neubaustrecke, kann sich dort aber nicht abschließend in ETCS einwählen. Dadurch bleibt der Zug stehen. Anschließend muss der Zug zurückfahren, was in der Fachsprache auch als "zurücksetzen" bezeichnet wird.
  • Es gibt offensichtlich auch Probleme, sich wieder von ETCS abzumelden. Kommt ein Zug von Ulm auf die Neubaustrecke, kann es passieren, dass er vor Wendlingen nicht vom ETCS-System zum alten System PZB wechseln kann. Das führt dazu, dass der Zug stehen bleibt und ebenfalls Fahrbefehle geschrieben werden müssen. Züge können in diesem Fall mit höchstens Tempo 50 und Sondergenehmigung weiterfahren, bis die Anmeldung schließlich funktioniert - im schlechtesten Fall klappt das erst in Stuttgart.

SWR3-Reporterin Verena Neuhausen erklärt, wo die Probleme mit der neuen Zugleittechnik ETCS liegen.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Chaos auf der Neubaustrecke: Probleme mit ETCS

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Verena Neuhausen erklärt, was die Probleme sind.

Bahn: Panne ein Einzelfall

Nach Angaben der Bahn war die Panne am Morgen eine Ausnahme. „Seit Betriebsstart am Sonntag sind 99 Prozent der Züge problemlos über die neue Strecke gefahren“, hieß es. DIe Lokführer würden aber noch einmal für die neue Technik sensibilisiert.

Mittlerweile rollt der Verkehr, nach Angaben der Bahn, wieder nach Fahrplan.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir dir, woher wir unsere Infos haben!

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