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In der Berliner Innenstadt ist ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. Nach Polizeiangaben ereignete sich der Vorfall nahe der Gedächtniskirche und des Kurfürstendamms.

Mutmaßlicher Täter muss in die Psychiatrie

Nach der tödlichen Amokfahrt in Berlin wird der mutmaßliche Täter in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Das hat das Amtsgericht Tiergarten mitgeteilt. Die Staatsanwaltschaft sieht bei ihm Anhaltspunkte für eine paranoide Schizophrenie.

Ermittler wollen mutmaßlichen Täter in Psychiatrie einweisen lassen

Die Berliner Staatsanwaltschaft will den Mann, dem sie einen tödlichen Angriff mit seinem Auto auf Passanten vorwirft, in eine psychiatrische Einrichtung einweisen lassen. Sie teilte mit, es gebe Anhaltspunkte dafür, dass der festgenommene 29-Jährige an einer paranoiden Schizophrenie leide. Die Ermittler rechnen damit, dass ein zuständiger Richter noch heute über den beantragten „Unterbringungsbefehl“ entscheidet.

Hessens Ministerpräsident verspricht Betroffenen finanzielle Unterstützung

Mitglieder der hessischen Landesregierung haben in Bad Arolsen die Kaulbach-Schule besucht, von der Schüler und Lehrkräfte in die Auto-Attacke in Berlin verwickelt wurden. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte danach, er habe der Schulgemeinde der Kaulbach-Schule und den Opfern jede denkbare Hilfe seitens des Landes Hessen zugesagt. Unter anderem habe er den Betroffenen finanzielle Unterstützung aus dem Opferfonds des Landes zugesichert. An dem Termin nahm auch Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) teil.

Sechs Menschen immer noch in lebensbedrohlichem Zustand

Nach der Todesfahrt in Berlin befinden sich laut Polizei weiterhin sechs Menschen in einem lebensbedrohlichen Zustand. Neben der toten Lehrerin seien nach neuesten Informationen 29 Menschen verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Dazu zählten auch Menschen, die unter Schock stünden. Neben den Betroffenen aus der Schülergruppe, mit der die getötete Lehrerin aus Hessen in Berlin unterwegs war, gebe es derzeit 14 weitere Betroffene. Weitere Schwankungen bei den Zahlen sind nach Angaben von Polizei und Feuerwehr wegen der dynamischen Entwicklung möglich.

Polizei: Insgesamt 29 Verletzte

Bei der Amokfahrt in Berlin sind nach jüngsten Angaben eine Frau getötet und insgesamt 29 weitere Menschen verletzt worden. Dies teilte die Polizei auf Anfrage mit. Die Ermittlungen zu der Tat liefen in alle Richtungen weiter. Die Gesamtzahl der Verletzten war zuvor noch unbekannt gewesen.

Der mutmaßliche Täter war am Mittwochmorgen nahe der Berliner Gedächtniskirche in eine Menschenmenge gefahren und hatte dabei eine Schulklasse aus Hessen erfasst. Ihre Lehrerin wurde getötet, ein weiterer Lehrer sowie mehrere Jugendliche wurden zum Teil schwer verletzt. Das Auto kam anschließend im Schaufenster eines Geschäfts zum Stehen.

Giffey nennt Vorfall mit Auto „Amoktat“

Der tödliche Vorfall mit einem Auto am Berliner Ku'damm wird von der Politik als Amoktat eingestuft. Nach Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) entsprechend: „Das hat sich gestern Abend verdichtet“, sagte Giffey im RBB-Inforadio.

Durch die Ermittlungen der Polizei sei klar geworden, „dass es sich um die Amoktat eines psychisch schwer beeinträchtigten Menschen handelt“. Mit Hilfe eines Dolmetschers werde versucht, mehr „aus den teilweise wirren Äußerungen, die er tätigt, herauszufinden“. Ob die Plakate mit Bezug zur Türkei, die in dem Tatfahrzeug des Deutsch-Armeniers lagen, eine Rolle gespielt hätten, werde noch ermittelt. Giffey sprach von einem „dunklen Tag in der Berliner Stadtgeschichte“.

Berichte über Bekennerschreiben nicht bestätigt

Berichte über ein Bekennerschreiben, das in dem Tatfahrzeug entdeckt wurde, wiesen sowohl Innensenatorin Iris Spranger wie auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) zurück. In dem Auto seien jedoch Plakate mit Äußerungen „über die Türkei“ entdeckt worden, sagte Spranger. Giffey sprach von „zwei Plakaten“ auf der Rückbank des Fahrzeugs. Aber es sei noch nicht geklärt, „ob das im Zusammenhang mit der Tat steht, wem die gehören und ob dahinter eine politische Aussage steht“, sagte sie im ZDF. In den ersten Vernehmungen des Mannes habe man noch keine klaren Aussagen bekommen, hieß es.

Scholz nach „grausamer Amoktat“ in Berlin tief betroffen

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz hat nach dem tödlichen Vorfall mit einem Auto nahe der Berliner Gedächtniskirche von einer Amoktat gesprochen. „Die grausame Amoktat an der Tauentzienstraße macht mich tief betroffen“, schrieb der SPD-Politiker am Mittwochabend bei Twitter. „Die Reise einer hessischen Schulklasse nach Berlin endet im Alptraum. Wir denken an die Angehörigen der Toten und an die Verletzten, darunter viele Kinder. Ihnen allen wünsche ich eine schnelle Genesung.“

Die grausame Amoktat an der #Tauentzienstraße macht mich tief betroffen. Die Reise einer hessischen Schulklasse nach Berlin endet im Alptraum. Wir denken an die Angehörigen der Toten und an die Verletzten, darunter viele Kinder. Ihnen allen wünsche ich eine schnelle Genesung.

Berliner Innensenatorin: Tödliche Autofahrt war Amoktat

Berlins Innensenatorin Iris Spranger hat die Todesfahrt eines 29-Jährigen in Berlin als „Amoktat“ bezeichnet. Sie twitterte:

Innensenatorin Iris Spranger: "Bin wieder in meiner Lagezentrale: Nach neuesten Informationen stellt sich das heutige Geschehen an der #Tauentzienstrasse als eine Amoktat eines psychisch beeinträchtigten Menschen dar."

Der 29-jährige mutmaßliche Täter war gegen 10.30 Uhr nahe der Berliner Gedächtniskirche in eine Menschenmenge gefahren und hatte dabei eine Schulklasse aus Hessen erfasst. Ihre Lehrerin wurde getötet, ein weiterer Lehrer sowie mehrere Jugendliche wurden zum Teil schwer verletzt, wie die Regierungen in Berlin und Wiesbaden mitteilten. Der Fahrer besitzt nach Polizeiangaben die deutsche und die armenische Staatsangehörigkeit und lebt in Berlin. Nach Angaben von Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik befand sich der Mann am Mittwoch zunächst für Untersuchungen in einem Krankenhaus.

Andacht in Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Nach dem tödlichen Auto-Vorfall in Berlin haben zahlreiche Menschen in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche der Toten und Verletzten gedacht. Unter den Gästen waren unter anderem Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) und Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey – aber auch Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei. Auch viele Bürgerinnen und Bürger drückten bei der Andacht ihre tiefe Anteilnahme aus.

Auf arglose Menschen sei bei dem Vorfall am Mittwoch „brutale Gewalt“ eingebrochen, sagte die Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein bei der Andacht. Und weiter: Viele Zeugen und Betroffene hätten noch die Schreie der Menschen in den Ohren.

Eine solche Situation verschlägt uns die Sprache.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 2. Juli, 12:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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