STAND
AUTOR/IN

Während der Corona-Pandemie war Spanien eines der am schwersten getroffenen Länder in Europa. Die Menschen hatten nichts zu lachen. Ganz anders jetzt: Ein Restaurations-Fiasko lässt kein Auge trocken.

Ein Spruch, der wie die Faust auf’s Auge passt: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Klappe halten“. Das hätte ein Kunstsammler in Spanien einem Restaurator sagen sollen. Stattdessen durfte der ein Bild restaurieren – das jetzt aussieht wie von einem Kind gemalt.

Evolution einer Katastrophe: So wird aus Kunst Müll

Evolution einer Kunst-Katastrophe: So wird aus Kunst Müll

Bild beim Restaurieren versaut (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sammler/EUROPA PRESS/dpa)
Die zweite Version des „restaurierten“ Marienabbildes. picture alliance/Sammler/EUROPA PRESS/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Der erste Versuch, das Bild zu restaurieren, ist auch schon schief gegangen. picture alliance/Sammler/EUROPA PRESS/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Das Original eines Marienabbildes des spanischen Malers Bartolomé Esteban Murillo picture alliance/Sammler/EUROPA PRESS/dpa Bild in Detailansicht öffnen

Der Restaurator hat das wertvolle Bild bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet. Der Auftraggeber habe dem Restaurator vorab 1.200 Euro für seine Arbeit bezahlt. Als er das Gemälde wieder abholen wollte, kam er aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Bild hatte mit dem Original nichts mehr zu tun.

Restaurator bekam sogar zweite Chance – und patzte wieder

Der Besitzer des Bildes äußerte seinen Unmut über das Ergebnis der Arbeit und gab dem Restaurator noch eine zweite Chance. Er sollte das Bild wieder in den Ursprungszustand zurücksetzen. Aber auch das ging gründlich in die Hose. Der völlig überforderte Urheber der Kunst-Katastrophe bekam nur eine zweite Version seiner Kinderzeichnung zustande. Jetzt solle ein anderer Experte das Bild zu retten versuchen, die Hoffnungen seien aber gering, berichtet die Nachrichtenagentur Europa Press.

Das Gemälde ist eines der Marienbildnisse des Barockmalers Bartolomé Esteban Murillo, der 1618 in Sevilla auf die Welt kam und 1682 dort starb. Das einzig Postitive am „Marien-Gate“ ist, dass es sich bei dem zerstörten Werk um eine Kopie gehandelt hat.

Nicht der erste Fall in Spanien

Vor acht Jahren sorgte ein ähnlicher Fall in Spanien schon für Aufsehen. Eine damals 80 Jahre alte Hobby-Restauratorin sollte eine Wandmalerei in der Kapelle in Borja bei Saragossa ausbessern.

Von dem Bild aus dem 19. Jahrhundert ist heute nichts mehr übrig – die Frau hat es komplett zerstört. Also benannten es Medien in Spanien um. Aus „Ecce Homo“ (lat. „Siehe, ein Mensch“), wie die Darstellung des dornengekrönten Christus in der Kunst heißt, wurde „Ecce mono“ („Siehe, ein Affe“) – oder wie einige Medien damals spöttisch schrieben: „Affen-Jesus“.

Bild beim Restaurieren versaut (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa)
Das Original „Ecce Homo“ und die neue Variante „Ecce Mono“ picture alliance / dpa

Solche Kunstpannen sind gar nicht so selten, wie man denken mag. Sie „kommen leider viel häufiger als angenommen vor“, sagte die Koordinatorin des spanischen Restauratoren-Verbandes ACRE, María Borja Ortiz. „Es gibt unzählige Fälle, bei denen Personen ohne ausreichende Ausbildung Kunstwerke für immer und ewig zerstören.“

Spanischer Ort macht aus Panne eine Touristenattraktion

Die Ortschaft Borja ließ sich aber nicht aufs Korn nehmen: Der „Affen-Jesus“ wurde dank verschiedener Marketing-Aktionen zur großen Touristen-Attraktion. Es gibt T-Shirts und Tassen von dem verunstalteten Bild.

Zwischen 2013 und 2018 besuchten mehr als 200.000 Touristen aus dem In- und Ausland das 4900-Seelen-Dorf in Aragonien. Die Besucher zahlen sogar Eintritt, um ein Selfie mit dem „Affen-Jesus“ machen zu dürfen.

STAND
AUTOR/IN
  1. Deutscher Schulpreis Zwei von Deutschlands besten Schulen sind in Baden-Württemberg

    Gleich zwei Schulen aus Baden-Württemberg sind mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden: Eine Grundschule im Schwarzwald und eine Gemeinschaftsschule im Kreis Rastatt.  mehr...

  2. Verschwörungstheorie macht die Runde Chinesische Virologin: Coronavirus absichtlich aus Labor freigesetzt

    Ende 2019 tauchten die ersten Berichte über Kranke auf, die sich in China mit einem bis dahin unbekannten Virus infiziert hatten. Seitdem machen die wildesten Theorien die Runde. Jetzt sorgt eine chinesische Virologin mit ihrer Theorie für Diskussionen.  mehr...

  3. Immer mehr Risikogebiete Spanien, Österreich & Co.: Ist mein Herbsturlaub in Gefahr?

    Das Robert-Koch-Institut hat neue Risikogebiete ausgewiesen. Mittlerweile ist jedes zweite EU-Land davon betroffen. Was bedeutet das für die Herbstferien?  mehr...

  4. Zu viel Süßkram Mann isst jeden Tag Lakritz – und stirbt

    Dass Süßigkeiten nicht gesund sind, weiß jeder. Einem Mann im US-Staat Massachusetts ist seine große Lakritz-Liebe jetzt zum Verhängnis geworden. Selbst kleine Mengen können Auswirkungen haben.  mehr...

  5. Verliebter Politiker in Argentinien Blanke Brüste auf Riesenleinwand sorgen für Parlaments-Skandal

    Ein Abgeordneter hat während einer Video-Konferenz im argentinischen Parlament für einen Skandal gesorgt. Mitten in der Debatte küsste er die Brüste seiner Partnerin – und lieferte seltsame Erklärungen dafür.  mehr...

  6. Aufregung um Namensgebung X Æ A-XII Musk: So sprichst du den Namen korrekt aus

    Nach der Geburt des jüngsten Sohnes von Tesla-Chef Elon Musk gab es viele Diskussionen um die Namenswahl. Der kleine Junge solle auf den Namen X Æ A-12 hören. Jetzt hat Papa Elon verraten, wie man den Namen ausspricht.  mehr...