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Acht Minuten und 46 Sekunden – so lange dauerte der Todeskampf des Afroamerikaners George Floyd. Und so lange schwiegen gestern Tausende Demonstranten in vielen deutschen Städten.

Im Südwesten strömten Tausende Demonstranten trotz der Corona-Pandemie zu den „Black Lives Matters“-Demonstrationen. Der große Zuspruch überraschte Veranstalter und Polizei.

In Stuttgart waren eigentlich „Silent Demos“ geplant – mit Transparenten und Körpersprache sollte auf das Problem von Rassismus und Polizeigewalt in den USA aufmerksam gemacht und an den brutalen Tod von George Floyd gedacht werden. Dann wurde es doch lauter: „Black Lives Matter“-Rufe (deutsch: „Schwarze Leben zählen“) hallten über den Stuttgarter Schlosspark, es gab Reden und Musik.

Demo-Mitorganisator Lionel Nijoya sagte:

Ich stehe heute hier, weil der Traum von Martin Luther King nicht in Erfüllung gegangen ist.

Rassismus töte. Er begegne ihm im Fitnessstudio, im Zug, in den Medien oder im Urlaub.

Deutschlandweit demonstrierten Tausende gegen Rassimus

Die Idee zu den „Silent Demos“ kam der Stuttgarterin Nadia Asiamah. Die 22-Jährige hatte die Demo in der Stadt angemeldet:

Für mich war es nicht genug, wenn man auf Social Media postet. Man muss mehr dafür tun.

Anfangs habe sie 20 Mitstreiterinnen und Mitstreiter gesucht. Am Samstag zeigte sich aber: Das Interesse war offensichtlich größer. Mehrere Städte folgten der baden-württembergsichen Landeshauptstadt deutschlandweit.

Proud to call this place home. Stuttgart standing up for Black Lives Matter. Do not stay silent, use your voice, use your privilege. We stand with you. #blacklivesmatter https://t.co/9qPIFIV8wx

In Stuttgart waren 700 Menschen zu der Demonstration angemeldet, doch es strömten Tausende in den Schlosspark vor der Oper.

Zahlreiche Menschen nehmen in Stuttgart an einer Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt teil (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)
picture alliance/Christoph Schmidt/dpa

In Mannheim waren es nach Angaben der Polizei 600 Demonstranten und in Karlsruhe etwa 3.000. Auch in Tübingen, Trier und Konstanz wurde demonstriert. In Mainz versammelten sich rund 2.500 Menschen am Rheinufer.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mahnte auf Twitter, sich wegen der Corona-Pandemie an die Abstandsregeln zu halten.

Der Kampf gegen Rassismus braucht unser gemeinsames Engagement. Jeden Tag. Doch dicht gedrängte Menschenmengen mitten in der Pandemie besorgen mich. Auch bei wichtigen Anliegen gilt: Abstand halten, Alltagsmaske tragen, aufeinander acht geben. Um uns und andere zu schützen.

Ausschreitungen bei Demos in Stuttgart und Berlin

Dabei blieb es unter anderem in Karlsruhe und Mannheim friedlich – die Polizei sagte, es habe keinerlei Probleme gegeben. In Stuttgart sei es zu Ausschreitungen gekommen. Demnach warfen Demonstranten mehrfach mit Gegenständen nach den Beamten und entzündeten Pyrotechnik. Ein Teilnehmer habe auch Steine nach einem mit Polizisten besetzten Fahrzeug geworfen. Am Rande eines der Aufzüge sei zudem ein Passant attackiert worden, der anschließend durch Rettungskräfte betreut werden musste, teilten die Beamten mit.

#BadCannstatt #Mitte Demonstrationen im Stadtgebiet - es kam zu Zwischenfällen. Zur Pressemeldung ▶ https://t.co/k03AdoTXz5 #Demo #Polizei #Stuttgart https://t.co/26sXTgbNQY

Nach einer friedlich verlaufenen Demonstration kam es in Berlin nach Angaben der Polizei zu einem Gewaltausbruch. Dabei wurden 93 Menschen festgenommen und 28 Polizeibeamte leicht verletzt.

Was ist George Floyd passiert?

Hintergrund der weltweiten Demos ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA. Er starb Ende Mai, nachdem ihm ein Polizist minutenlang das Knie auf den Hals gedrückt hatte. Der Vorfall wurde von Augenzeugen gefilmt. Seither kommt es vor allem in den USA zu Demonstrationen und Ausschreitungen. US-Präsident Donald Trump hatte gedroht, das US-Militär gegen die Proteste einzusetzen.

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