STAND
AUTOR/IN

Bei der traditionellen Delfinjagd auf den Färöer-Inseln sind Hunderte Delfine abgeschlachtet worden. Ist damit jetzt endlich Schluss?

Auf den Färöer-Inseln – die liegen zwischen Schottland und Island im Atlantik – sind bei einer Jagd am Wochenende mehr als 1.400 Delfine abgeschlachtet worden. Der dänische Rundfunk berichtet, dass durch die Aktion die Debatte um die traditionelle Jagd wieder losgegangen ist.

Der „Grindadrap“ hat seine Ursprünge in der Wikingerzeit: Seit mehr als 1.000 Jahren treiben Walfänger jedes Jahr Hunderte Wale und Delfine in einen Fjord. Dort werden die Delfine und Grindwale brutal abgeschlachtet. Das Fleisch wird im Anschluss an die Teilnehmer verteilt.

Bilder von Delfinjagd schockieren die Welt

Für die Menschen auf den Färöer-Inseln ist das sinnlose Abschlachten der Tiere jedes Jahr eine völlig normale Tradition. Auf Bildern bei Twitter ist unter anderem zu sehen, wie Kinder auf den getöteten Walen sitzen, als seien es Tiere auf einem Karussell.

#Biodiversityloss is not taught in the #FaroeIslands 💔💔💔💔🤷 #BoycottFaroeIslands https://t.co/EfRh662w00

Auf anderen Bildern ist das grausame Abschlachten der Tiere zu sehen: Die Walfänger umzingeln die Tiere und töten sie. Um die Gruppe herum ist das Wasser vom Blut der Meeressäuger rot gefärbt.

Cruelty thy name is #FaroeIslands !! #BoycottFaroeIslands https://t.co/ZgabludbFw

Doppelt so viele tote Tiere wie vergangenes Jahr

Die Verantwortlichen auf den Färöer-Inseln, die zu Dänemark gehören, haben gesagt, dass bei der Jagd im vergangenen Jahr 576 Grindwale und 35 Weißseitendelfine getötet wurden. Dieses Jahr sollen es mehr als 1.400 Tiere gewesen sein – also mehr als doppelt so viele wie im letzten Jahr.

Das hat online und auch bei Umweltschützern für Fassungslosigkeit gesorgt. Die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd bezeichnete die Praxis als „barbarisch“. Trotzdem stellt sich die Regierung der Inseln hinter die Walfänger: Die Jagdpraxis sei „gut organisiert und vollkommen reguliert“. Normalerweise würden beim „Grindadrap“ Grindwale und nicht Delfine gejagt.

Zweifellos ist die Waljagd auf den Färöer-Inseln ein dramatischer Anblick für Menschen, die mit der Jagd und dem Schlachten von Säugetieren nicht vertraut sind.

Ex-Walfang-Vorsitzender: Das war völlig überzogen

Ein Fernsehreporter, der über das Spektakel berichtete, sagte, dass so viele Delfine getötet wurden, sei ungewöhnlich. „Es hat einige Zeit gedauert, sie alle zu töten. Normalerweise geht das ziemlich schnell.

Kritik kommt auch von der Vereinigung für den Grindwalfang: Der ehemalige Vorsitzende sagte, dass so viele Delfine getötet wurden, sei völlig überzogen. Und auch der heutige Leiter der Vereinigung macht sich Sorgen: Er fürchtet um den Ruf der Färöer-Inseln.

Soll die Jagd auf Wale und Delfine auf den Färöer-Inseln verboten werden?

Es sei an der Zeit, ernsthaft darüber zu diskutieren, ob die Jagd von Delfinen weiterhin zugelassen bleiben sollte, sagte er dem Online-Medium In.fo.

Wie grausam das Abschlachten der Tiere ist, hat die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd auf Facebook dokumentiert. In einem Video ist zu sehen, wie Männer die Tiere aus dem blutroten Wasser ziehen.

WARNING! GRAPHIC IMAGES! 🛑

In possibly the largest single slaughter of cetaceans in recorded history, whalers in the...Posted by Sea Shepherd on Tuesday, September 14, 2021

Sea Shepherd: So viele Delfine abgeschlachtet wie niemals zuvor

Laut Sea Shepherd haben die Walfänger eine so große Herde Meeressäuger abgeschlachtet wie noch niemals zuvor auf den Färöer-Inseln. Ein Nutzer schrieb unter das Video, eine Delfinschule sei etwas Schönes, das man bewundern und nicht auf einen blutgetränkten Strand ziehen sollte.

Die Jagd ist sinnlos und verursachte gemäß Augenzeugenberichten großes Tierleid. Hier wurde eine Grenze überschritten und eine neue Dimension der Jagd erreicht“, kritisierte auch die Meeresschutzorganisation Ocean Care.

😢😡Grösste Massentötung von Weissseitendelphinen fand auf den Färöern am vergangenen Sonntag, 12. September 2021 statt....Posted by OceanCare on Tuesday, September 14, 2021

STAND
AUTOR/IN
SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 25. September, 02:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

Dauer

Meistgelesen

  1. Fridays for Future: Protesttag Greta Thunberg: Deutschland ist einer der größten „Klima-Schurken“

    Fridays for Future ist weltweit auf die Straßen gegangen. Greta Thunberg trat in Berlin auf und rechnete mit der Regierung ab.  mehr...

  2. News-Ticker zum Coronavirus USA starten mit Booster-Impfungen

    Auf den Intensivstationen liegen wieder mehr Covid-19-Patienten, die Impfquote steigt nur noch langsam. Aktuelle Entwicklungen im Corona-Ticker.  mehr...

  3. Doch kein „Freedom Day" am Montag Unterricht in BW: Masken müssen weiter getragen werden

    Ursprünglich sollte die Maskenpflicht an Schulen in Baden-Württemberg ab der dritten Woche nach den Sommerferien wegfallen. Die beginnt Montag - aber von Maskenbefreiung keine Spur. Warum?  mehr...

  4. Die Lava scheint sie zu verschonen So bizarr ragen die mysteriösen „Wunderhäuser“ aus der Kanaren-Lava

    Meterhoch türmt sich die Lava auf der Kanareninsel La Palma auf, verschluckt alles auf ihrem Weg Richtung Meer. Manche Häuser bleiben aber verschont.  mehr...

  5. Vulkanausbrüche Die drei aktivsten Vulkane sind in Italien, auf Island und im Kongo

    Vulkanausbrüche sind faszinierend: Spektakuläre Bilder, die eher selten sind. Allerdings sehen das die Menschen rund um die aktivsten Vulkane der Welt nicht ganz so entspannt.  mehr...

  6. Ahrweiler

    An Ahr und Mosel: So viel Geld gibt es Ab Montag können Flut-Betroffene in RLP Wiederaufbauhilfe beantragen

    In Rheinland-Pfalz werden weiter die Flut-Schäden beseitigt und der Wiederaufbau läuft. Ab Montag können die Flut-Betroffenen Geld dafür beantragen.  mehr...