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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)
Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)
Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

Zum Glück ging es nicht um Atomwaffen! Eine Britin ist auf Twitter mit der neuen Premierministerin verwechselt worden – und hat viele ein wenig veräppelt.

Der Handwerker Olaf Scholz aus Oer-Erckenschwick registriert sich 2012 bei Twitter. Nach der Bundestagswahl 2021 wundert er sich: Plötzlich erwähnt US-Präsident Joe Biden ihn in Tweets! Scholz ist kurz überrascht – aber dann gönnt er sich den Spaß und twittert in seiner neuen Rolle als Bundeskanzler... Eine fiktive Geschichte, aber so ähnlich ist sie jetzt in Großbritannien passiert.

@trussliz ist nicht dasselbe wie @liztruss

Liz Trussel hat eigentlich nichts mit der neuen Premierministerin Liz Truss gemeinsam, außer einige Buchstaben ihres Namens. Nur zwei Buchstaben am Ende machen den Unterschied. Als @Liztruss twittert sie schon seit 2009, berichten britische Medien. Doch spätestens seit Montag, als die konservative Tory-Partei offiziell die Wahl ihrer neuen Vorsitzenden und damit der Premierministerin bekannt gab, bekommt ihr Twitteraccount plötzlich viel mehr Aufmerksamkeit als in den mehr als zwölf Jahren davor.

Wenn dich plötzlich Politiker antexten...

Eine britische Zeitung berichtet, auch Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson habe sie zunächst mit der neuen Premierministerin verwechselt – die ist auf Twitter aber als @trussliz unterwegs, also mit umgekehrtem Vor- und Nachnamen. Offenbar merkte das Team der schwedischen Ministerpräsidentin den Fehler, denn der Tweet wurde später gelöscht. Mittlerweile ist nur noch der Glückwunsch-Tweet an die echte Politikerin online:

Congratulations to @trussliz as she assumes the role of Prime Minister of the UK. Sweden 🇸🇪 and UK 🇬🇧 will continue our deep and comprehensive cooperation. Important for our citizens, economies and security.

Die Reaktion der Fast-Namensvetterin auf die Glückwünsche aus Schweden? Sehr präsidial! „Ich freue mich auf einen baldigen Besuch! Macht die Fleischbällchen fertig.“

@SwedishPM Looking forward to a visit soon! Get the Meatballs ready

Und so gönnt sie sich noch ein paar Späße mehr und foppt die Öffentlichkeit ein wenig. Am Mittwoch kurz vor Mitternacht zieht Liz Trussel dann etwas erschöpft Bilanz. „Man, was für ein Tag!“

Phew, what a day… 💁🏻‍♀️

Nach der Wahl twitterte die echte Ministerpräsidentin: „Ich fühle mich geehrt, zur Vorsitzenden der Konservativen Partei gewählt worden zu sein.“

I am honoured to be elected Leader of the Conservative Party. Thank you for putting your trust in me to lead and deliver for our great country. I will take bold action to get all of us through these tough times, grow our economy, and unleash the United Kingdom’s potential. https://t.co/xCGGTJzjqb

Wir werden liefern, wir werden liefern, wir werden liefern.

SWR3-Reporterin Franziska Hoppen berichtet über den Moment der Wahl aus London:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Truss wird neue britische Premierministerin

Dauer

Wer ist die neue Premierministerin Liz Truss?

Die 47-Jährige setzte sich im internen Wahlkampf gegen den früheren Finanzminister Rishi Sunak durch, der rund 60.000 Stimmen erhielt.

  • Truss wird dem rechten Flügel der Partei zugeordnet. Früher war sie entschiedene Brexit-Gegnerin, mittlerweile betont sie schon länger die Vorteile des EU-Ausstiegs.
  • Die 47-Jährige konnte vor allem damit überzeugen, dass sie trotz enorm hoher Inflation sofort die Steuern senken will.
  • Außerdem sammelte sie bei der Parteibasis – die deutlich älter, männlicher und wohlhabender ist als der Durchschnitt der britischen Bevölkerung – Punkte mit populistischen Äußerungen zu Flüchtlingen, Linken, Umweltaktivisten sowie gesellschaftlichen Minderheiten.
  • Als größte Herausforderung für die designierte Regierungschefin gelten die hohen Energiepreise. Es wird erwartet, dass Truss innerhalb weniger Tage ihre Pläne im Kampf gegen die steigenden Kosten für Strom und Gas vorstellt.

ARD-London-Reporter Sven Lohmann mit mehr Einzelheiten zur Johnson-Nachfolgerin Liz Truss:

Liz Truss: Dritte Regierungschefin nach Thatcher und May

Königin Elizabeth II. hat Truss an diesem Dienstag auf ihrem Schloss Balmoral in Schottland zur Premierministerin ernannt. Damit wird Truss die dritte Frau an der britischen Regierungsspitze nach Margaret Thatcher und Theresa May.

Und was wird aus Ex-Premier Boris Johnson?

Am Dienstag wird sich Johnson ein letztes Mal als Premier an die Bevölkerung wenden, bevor er in Schottland von der Queen aus dem Amt entlassen wird. Der 58-Jährige war nach nach zahlreichen Skandalen auf Druck seines Kabinetts und der Fraktion zurückgetreten.

Die Liste dieser Skandale ist lang: Zuletzt traten vier von Johnsons Minister und 50 konservative Amtsträger zurück – aus Protest gegen die sogenannte Pincher-Affäre: Johnson hatte dem Tory-Abgeordneten Chris Pincher ein Fraktionsamt anvertraut, trotz Vorwürfen gegen Pincher wegen sexueller Belästigung – Johnson soll davon gewusst haben, berichtete die britische BBC.

🚨 Exclusive: Boris Johnson was made aware of a formal complaint about Chris Pincher's "inappropriate behaviour" while Mr Pincher was a Foreign Office minister from 2019-20, the BBC News can reveal. More from me on BBC News at 10 tonight 📺 https://t.co/Ts97XdcUD5

In der vergangenen Woche trat Pincher dann zurück, weil er zwei Männer betrunken belästigt haben soll. Johnson erklärte daraufhin, er dulde ein solches Verhalten nicht.

#Partygate: Illegale Partys während des Corona-Lockdowns

Unter anderem sorgte auch eine Spendenaffäre für Schlagzeilen: Seine Partei musste 20.000 Euro Strafe zahlen. Der Grund: Eine nicht ordnungsgemäß angemeldete Spende für die Renovierung von Johnsons Dienstwohnung. Johnson machte das Skandal-Portfolio mit einer Partygate-Affäre komplett: Er geriet wegen Partys während des Corona-Lockdowns in Großbritannien in die Kritik.

Bilder sollen den bisherigen britischen Premier mit gefülltem Sektglas beim Zuprosten in der Downing Street zeigen. Er hatte wegen Teilnahme an einer der illegalen Zusammenkünfte einen Strafbefehl von der Polizei erhalten und ist damit der erste britische Regierungschef, der sich während seiner Amtszeit strafbar gemacht hat. Trotzdem stritt er lange jegliches Fehlverhalten ab.

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