STAND
AUTOR/IN
Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)
Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

Boris Johnson hat immer wieder für „bad news“ gesorgt. Jetzt tritt er als Chef seiner Partei ab und später als britischer Premier. Im Netz trendet ein unschmeichelhafter Begriff.

Jetzt also doch? Lange sah es nicht so aus, als würde Johnson von seinem Amt als Premierminister zurücktreten wollen. Und das, obwohl der Druck massiv war: Vier seiner Minister und 50 weitere Amtsträger traten innerhalb weniger Stunden zurück. Am Morgen forderte auch der neue Finanzminister Nadhim Zahawi den konservativen Politiker und damit seinen eigenen Chef zum Rücktritt auf – nur 36 Stunden, nachdem Johnson ihn ernannt hatte. Zuvor hatte der 58-Jährige auch andere lautstarke Forderungen nach seinem Rücktritt immer wieder zurückgewiesen.

Jetzt hat Johnson die Reißleine gezogen und ist als Chef seiner konservativen Tory-Partei zurückgetreten. Als Premierminister wolle er zumindest noch so lange weitermachen, bis ein Nachfolger gewählt sei, so der 58-Jährige.

#Clownfall: Viele halten Johnson schon lange für mindestens unseriös

Nach Johnsons Ankündigung macht in den sozialen Medien der Begriff „Clownfall“ die Runde, eine Kombination aus „Clown“ und „Downfall“, was auf Deutsch mit Untergang oder einem plötzlichen Verlust von Macht oder Status übersetzt werden kann. Das zeigt, dass Johnson durch seine Art, die manche als für den politischen Betrieb unkonventionell bezeichnen würden, von anderen seit langem nicht ernst genommen wurde.

Twitter-User @PolarOpposer sieht Johnsons Abgang offenbar in einer Reihe mit dem Machtverlust von Ex-US-Präsident Donald Trump.

#Clownfall II https://t.co/6ei9CYCfLZ

Mehr als „Clownfall“ müsse man zu Johnsons Rücktritt nicht sagen, schreibt @pd7seven und bezeichnet ihn als „extremen Lügner“.

#clownfall no more words needed for this arrant liar #BorisJohnson #BorisJohnsonResign #BorisOut https://t.co/sCGHVJf86E

Warum stand Johnson in der Kritik?

Die Liste der Skandale ist lang: Zuletzt traten vier von Johnsons Minister und 50 konservative Amtsträger zurück – aus Protest gegen die sogenannte Pincher-Affäre: Johnson hatte dem Tory-Abgeordneten Chris Pincher in Fraktionsamt anvertraut, trotz Vorwürfen gegen Pincher wegen sexueller Belästigung – Johnson soll davon gewusst haben, berichtete die britische BBC.

🚨 Exclusive: Boris Johnson was made aware of a formal complaint about Chris Pincher's "inappropriate behaviour" while Mr Pincher was a Foreign Office minister from 2019-20, the BBC News can reveal. More from me on BBC News at 10 tonight 📺 https://t.co/Ts97XdcUD5

In der vergangenen Woche trat Pincher dann zurück, weil er zwei Männer betrunken belästigt haben soll. Johnson erklärte daraufhin, er dulde ein solches Verhalten nicht.

#Partygate: Illegale Partys während des Corona-Lockdowns

Unter anderem sorgte auch eine Spendenaffäre für Schlagzeilen: Seine Partei musste 20.000 Euro Strafe zahlen. Der Grund: Eine nicht ordnungsgemäß angemeldete Spende für die Renovierung von Johnsons Dienstwohnung. Johnson machte das Skandal-Portfolio mit einer Partygate-Affäre komplett: Er geriet wegen Partys während des Corona-Lockdowns in Großbritannien in die Kritik. Bilder sollen den britischen Premier mit gefülltem Sektglas beim Zuprosten in der Downing Street zeigen. Er hatte wegen Teilnahme an einer der illegalen Zusammenkünfte einen Strafbefehl von der Polizei erhalten und ist damit der erste britische Regierungschef, der sich während seiner Amtszeit strafbar gemacht hat. Trotzdem stritt er lange jegliches Fehlverhalten ab.

Noch mehr Ärger für Party-Boris Johnson soll Evakuierung von Tieren aus Kabul angeordnet haben

Jetzt kommen zu den Party-Vorwürfen während des Lockdowns noch andere Vorwürfe: Der Briten-Premier soll die Evakuierung von Katzen und Hunden aus Kabul angeordnet haben.  mehr...

Daily Mail: Es wird schwierig für Boris Johnson

Trotz der vielen Skandale und kritischen Stimmen hielt sich Johnson lange. In letzter Zeit verlor er aber deutlich an Rückhalt. Das zeigte sich auch in den Medienberichten der konservativen Presse – sogar das regierungsfreundliche Boulevardblatt Daily Mail sah Johnsons Position als schwierig an.

Die Torys müssen jetzt einen neuen Parteichef bestimmen, der dann auch das Amt des britischen Regierungschefs übernehmen würde. Zuletzt waren auch die beiden am Dienstag zurückgetretenen Minister Rishi Sunak und Sajid Javid im Gespräch.

SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 7. August, 20:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

Dauer

Meistgelesen

  1. Klotten

    Unglück in Freizeitpark bei Cochem Horror in RLP: Frau fällt aus Achterbahn und stirbt

    Normalerweise spielen Fahrgeschäfte in Freizeitparks mit der Angst der Menschen und geben ihnen so einen Adrenalinkick. Jetzt ist eine Frau aber wirklich abgestürzt und gestorben.  mehr...

  2. Ungebetener Besuch mit acht Beinen Nosferatu-Spinne: Ludwigshafenerin berichtet von Szenen wie im Horrorfilm

    Sie ist bis zu acht Zentimeter groß und heißt wie ein Vampir. Die Nosferatu-Spinne breitet sich in SWR3Land aus. Eine Frau hat Dinge erlebt, die manchen wohl Alpträume bereiten...  mehr...

  3. Münster

    SWR3 Tatort-Check: „Es lebe der König“ Ritterliche Kulisse, dünne Handlung

    Viel Klamauk auf der Ritterburg. Der Burgherr dümpelt tot in Ritterrüstung im Burggraben. War es ein Unfall oder Mord? Und, wer hat dem Burgherren Manfred geholfen, in die Ritterrüstung zu klettern? Hat er oder sie ihn auch umgebracht?  mehr...

  4. Liveblog zum Krieg in der Ukraine Britischer Geheimdienst: Russland hat sechs hochrangige Militärs entlassen

    Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen: Während die Welt den Einmarsch verurteilt, zerstören russische Truppen Städte und Infrastruktur. Alle Infos dazu.  mehr...

  5. Warnung vor krebserregendem Stoff Häagen-Dazs: Hersteller ruft noch mehr Eissorten zurück

    Der Rückruf von Eis der Marke Häagen-Dazs weitet sich aus. Nun sind 15 Produkte betroffen, weil sie einen krebserregenden Stoff enthalten könnten. Hier erfahrt ihr, welche es sind.  mehr...

  6. Meinung geändert: „Ich würde mich nicht noch einmal impfen lassen.“

    Viele Menschen haben sich gegen Corona impfen lassen, sie waren keine Impfgegner. Aber heute würden manche es nicht noch einmal tun. Wie geht es ihnen? Und was hat ihre Meinung geändert?  mehr...