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Vor fünf Jahren fuhr ein Attentäter mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt vor der Berliner Gedächtniskirche. Am Sonntagabend haben Politiker und Angehörige der 13 Todesopfer an den Anschlag erinnert.

Die Sicherheitsvorkehrungen zum ökumenischen Gedenkgottesdienst am Abend waren hoch, der Breitscheidplatz wurde weiträumig abgesperrt. Die Beleuchtung am Weihnachtsmarkt wurde ausgeschaltet, es wurde still. Die Namen der Opfer wurden vorgelesen, während an den Absperrgittern schweigend zahlreiche Besucher standen. Kurz nach 20:02 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlags, läuteten auch in diesem Jahr die Glocken der Gedächtniskirche dreizehnmal für die Toten.

Heute Abend um 20:02 werden die Glocken der Gedächtniskirche 13 mal schlagen. Wir gedenken der 13 Todesopfer des terroristischen Anschlags am #Breitscheidplatz vor 5 Jahren und sprechen Angehörigen und dort an Körper und Seele Verletzten unser Mitgefühl u. unsere Solidarität aus.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier räumte bei einer Andacht in der Kirche Fehler des Staates ein.

Der Staat hat sein Versprechen auf Schutz, auf Sicherheit und Freiheit nicht einhalten können.

Der Staat stehe „in der Pflicht, die Fehler, Versäumnisse und Probleme auszuräumen, die dazu beigetragen haben, dass dieser Anschlag nicht verhindert wurde“.

Unter den Teilnehmern der Andacht waren auch die neue Bundesinnenministerin Nancy Faeser, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, seine designierte Nachfolgerin Franziska Giffey (alle SPD) und mehrere Berliner Senatoren.

13 Menschen starben bei Anschlag auf Weihnachtsmarkt

Zwölf Menschen waren bei dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 getötet worden. Ein weiterer starb im Oktober 2021 an den Folgen einer schweren Verletzung, die er sich zugezogen hatte, als er Erste Hilfe leistete. Fünf der 13 Todesopfer stammten aus Polen, Israel, Italien, der Ukraine und Tschechien. Der Islamist Anis Amri hatte einen Sattelschlepper in die Besuchermenge des Weihnachtsmarktes gefahren. Es war der bislang schlimmste islamistische Terroranschlag in Deutschland. 

In Gedenken an die Opfer des Terroranschlags vom #Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016. https://t.co/WA5A45KxoP

Alle Namen der Opfer sind am Mahnmal zu lesen.

"Unsere Gedanken sind heute bei den Familien der Opfer, den Verletzten und den mutigen Ersthelferinnen und -helfern. Für sie sind auch 5 Jahre nach dem schrecklichen Anschlag der Schmerz und die Trauer weiterhin präsent." Bundesjustizminister @MarcoBuschmann #Breitscheidplatz https://t.co/afJrwoJGu9

„Großes geleistet und Schreckliches gesehen“

Feuerwehrmann Frank Hoedt war am 19. Dezember 2016 der Einsatzleiter für den Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr. Um 20:11 Uhr traf er am Anschlagsort ein. Gemeinsam mit dem Leitenden Notarzt sichtet er in dieser Nacht die Verletzten, koordiniert den Einsatz der Rettungssanitäter. Danach fiel noch eine Aufgabe in seine Zuständigkeit: die Bergung der Toten – zusammen mit der Mordkommission. Frank Hoedt ist bis heute gezeichnet von den Erinnerungen. Sie quälen ihn bis heute. Für den heute 58-Jährigen ist ein Bummel auf dem Weihnachtsmarkt seitdem unvorstellbar. 

Die ruhige besinnliche Vorweihnachtszeit ist für mich seit diesem Einsatz einfach vorbei.

Manchmal kann man Trauer und Gedanken nicht in Worte fassen. Auch wir halten heute am 5. Jahrestag des Anschlags auf dem #Breitscheidplatz in Stille inne und sind in Gedanken bei allen Opfern und Verletzten. 🕯 https://t.co/BOfcZlZ8oa

Die Berliner Feuerwehr war in dieser Nacht mit 160 Einsatzkräften vor Ort. Sie alle haben, so sagt es der Stellvertretende Landesbranddirektor Karsten Göwicke, „Großes geleistet und Schreckliches gesehen“.

Ein goldener Riss im Boden 

Teil des Mahnmals am Breitscheidplatz ist ein knapp 17 Meter langer, goldener Riss im Boden. Er soll die tiefe Wunde symbolisieren, die das Attentat im Leben der Betroffenen hinterließ. 

Am Breitscheidplatz zünden viele Menschen immer noch Kerzen an. Das Mahnmal „Goldener Riss“ im Boden soll an die Opfer erinnern. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Soeder)
Am Breitscheidplatz zünden viele Menschen immer noch Kerzen an. Das Mahnmal „Goldener Riss“ im Boden soll an die Opfer erinnern. Der knapp 17 Meter lange Riss symbolisiert die Trennung zwischen einem „Davor“ und einem „Danach“. picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Die Ampel-Parteien hatten sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, dass es einen „nationalen Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt“ geben soll. Vorgesehen ist dafür der 11. März, der bereits europäischer Gedenktag für die Opfer des Terrorismus ist.

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Radionachrichten 29. Januar, 4:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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