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In Deutschland beginnt eine weitere klinische Studie für einen Corona-Impfstoff: Die Tübinger Biotechfirma Curevac startet als zweites Unternehmen hierzulande nach dem Mainzer Konkurrenten BionTech eine klinische Studie mit einem potenziellen Impfstoff. Am Donnerstag ging es los.

Die erste klinische Studie mit dem Corona-Impfstoffkandidaten der Firma CureVac hat am Donnerstag an der Uniklinik Tübingen begonnen. Die Studie an mehr als 100 Menschen im Alter von 18 bis 60 Jahren wird am Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie durchgeführt, wie die Uniklinik mitteilte. Damit wird der Impfstoff im Rahmen einer klinischen Studie zum ersten Mal am Menschen erprobt. Ziel sei es, die Verträglichkeit sowie eine spezifische Immunantwort gegen das Virus zu ermitteln, erklärte der Institutsdirektor und Studienleiter, Professor Peter Kremsner.

Impfstoffkandidat wird in mehreren Phasen getestet

Die Studie wird laut Uniklinik in mehreren Phasen ablaufen. Erst soll der Impfstoff den Probanden in der niedrigsten Dosierung von zwei Mikrogramm verabreicht werden. Die Zahl der Teilnehmer sowie die Dosis des Wirkstoffs sollen abhängig von der Verträglichkeit erhöht werden. Im nächsten Schritt – voraussichtlich im Spätsommer – sollen die Altersgrenzen erweitert werden, ebenso soll dann international getestet werden.

Genehmigung erst seit einem Tag bekannt

Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass das Tübinger Unternehmen CureVac mit klinischen Tests seines Impfstoffkandidaten beginnen darf. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institu hatte die Genehmigung dafür erteilt.

Das Institut hatte Ende April mit dem Impfstoffprogramm von Biontech erstmals eine klinische Studie mit einem Corona-Impfstoff in Deutschland genehmigt. CureVac hatte bereits angekündigt, im Juni erste klinische Studien mit gesunden Freiwilligen starten zu wollen.

Bund kauft sich bei Curevac ein

Zuvor war bekannt geworden, dass der Bund im weltweiten Rennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus beim deutschen Biotech-Unternehmen Curevac einsteigt. Wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Montag sagte, übernimmt die staatliche Förderbank KfW für 300 Millionen Euro rund 23 Prozent der Anteile.

Altmaier sagte bei der Pressekonferenz am Montag, man wisse nicht, welches Unternehmen wann den ersten Impfstoff gegen das Coronavirus entwickeln und auf den Markt bringen werde. Aber man wisse eines: Das Tübinger Unternehmen Curevac sei bei der Entwicklung ganz vorne mit dabei und darauf sei man stolz.

Ziel sei es, dem Unternehmen von Mehrheitseigner Dietmar Hopp finanzielle Sicherheit zu geben, sagte Altmaier. Auf Geschäftsentscheidungen wolle der Staat dagegen keinen Einfluss nehmen. Die Firma mit Sitz in Tübingen forscht seit Januar an einem Impfstoff.

Was erhofft sich der Bund vom Curevac-Einkauf?

Normalerweise – also wenn das Land nicht in einer Krise wie der Coronavirus-Krise steckt – kauft sich der Bund nicht ohne weiteres in Unternehmen ein, denen es wirtschaftlich gut geht. Das passiert normalerweise nur, wenn Unternehmen gerettet werden müssen, wie es zum Beispiel gerade bei der Lufthansa passiert ist.

Nun ist Curevac nicht das einzige Biotech-Unternehmen, das gerade an einem Impfstoff gegen das Coronavirus forscht und diesen schließlich auf den Markt bringen möchte – nicht mal in Deutschland. Auf der ganzen Welt läuft ein wissenschaftliches Wettrennen um einen solchen Impfstoff. Denn dahinter, das ist Konsens, verbirgt sich auch jede Menge Geld. Und Sicherheit – das weiß auch die Bundesregierung. Mit ihrem Einkauf bei Curevac gehe die Bundesregierung angesichts des gewaltigen Bedarfs an einem Imfpstoff bewusst ein Risiko ein, glaubt SWR-Berlin-Korrespondent Dirk Rodenkirch. Allerdings nicht ganz ohne Kalkül, meint Rodenkrich:

Man kann wohl nicht näher als mit einer Beteiligung an der Quelle eines möglichen Impfstoffes sitzen – wenn Curevac dann eben Erfolg hat.

Dirk Rodenkirch, SWR-Berlin-Korrespondent in SWR3

Außerdem gehe man im Moment nicht davon aus, dass es nur eine Firma geben wird, die einen Coronavirus-Impfstoff auf den Markt bringen – und damit viel Geld verdienen wird. Deshalb sei diese Wette – also die Beteiligung an einem von vielen potentiellen Anbietern – gar nicht so schlecht platziert, meint Rodenkirch.

Impfallianz unter vier Ländern?

Am Wochenende hatte die Meldung bereits für Schlagzeilen gesorgt, dass vier Länder – Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlanden – zusammen 400 Millionen Impfdosen bei einem britisch-schwedischen Pharmakonzern bestellt haben, obwohl auch dieses Unternehmen derzeit noch keinen fertigen Impfstoff hat. Ob das geschickte Strategie oder eher Verzeiflung ist? Rodenkirch meint: Strategie – für Verzweiflung gebe es noch keinen Grund.

Andere Länder sicherten sich teils schon Impfstoff

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte dazu gesagt, Deutschland und die Partnerländer stellten mit dieser Bestellung sicher, dass Europa nicht mit leeren Händen dastehen werde, wenn ein Impfstoff da ist. Damit sind Deutschland und seine Partnerländer in dieser Sache nicht die ersten, die auf Schnelligkeit setzen – auch die USA und Indien sollen sich schon für sehr viel Geld große Mengen an Impfstoff bei eben diesem britisch-schwedischen Pharmakonzern gesichert haben. Indien alleine soll eine Million Impfdosen geordert haben.

Zur deutschen Strategie gehöre nun aber nicht nur die Schnelligkeit, so Rodenkirch weiter in SWR3 – wie sich heute mit dem Einkauf in Curevac zeige, gehe es auch darum, sich möglichst breit aufzustellen und sich dementsprechend nicht auf nur eine mögliche Bezugsquelle von Impfdosen zu verlassen.

Es gab schon mal Schlagzeilen um Curevac

Aber zurück zur Tübinger Firma Curevac: Im März war sie bereits in den Schlagzeilen gewesen, weil die US-Regierung versucht haben soll, sich die Rechte an einem möglichen Impfstoff exklusiv zu sichern. Das hatten die Tübinger allerdings zurückgewiesen. Die Firma aus Tübingen will im Juni mit ersten klinischen Studien beginnen. Ob der vermeintliche Plan der Bundesregierung schließlich aufgeht, wird sich also erst frühestens Ende des Jahres zeigen.

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